STIL

Zahlen mit Selfies

Sarah Wetzlmayr

Selfies sind ja prinzipiell oft etwas risikobehaftet, wenn man so die Statistik von Selfie-Unfällen betrachtet. Nun bergen sie auch ein finanzielles Risiko, denn sie können bald zur Verifizierung der eigenen Identität bei Zahlunsgvorgängen eingesetzt werden.

Zugegebenermaßen klingt das etwas irreführend – nicht das beste Selfie kann für eine gewisse Summe eingesetzt werden. So hoch ist der Marktwert der kleinen bunten Egobooster auch wieder noch nicht. Selbstüberschätzung (die Übersetzung für die „Selfie“ ja oft steht) ja – aber doch nicht so sehr. Der Clou, den sich Mastercard überlegt hat ist ein bisschen ein anderer, künftig soll man sich für diverse Transaktionen per Mastercard keine Passwörter und Zahlencodes mehr merken müssen, es reicht das eigene Gesicht. Ein kurzes „Hello from the other side“ in Selfie-Form soll reichen. Das Geld wird künftig einfach vom Konto geblinzelt.

Ein Augenaufschlag kann verführerisch sein. Verführerisches ist oft teuer. Damit hat Mastercard einen ganz einfachen, logischen Schluss konsequent bis zum Ende verfolgt. Das Selfie reicht zur Verifizierung der eigenen Identität, was man allerdings währenddessen tun muss ist eben einmal zu blinzeln.Das System wurde bereits in den USA und den Niederlanden getestet, diesen Sommer soll es dann offiziell eingeführt werden, Großbritannien, die USA und auch Deutschland sollen dabei sein. Angekündigt hat Mastercard das schon vor einiger Zeit. Ein ähnliches System hat der chinesische Konzern Alibaba mit „Smile to Pay“ ja bereits vorgestellt. Hier reichte es nicht nur zu blinzeln, es musste auch noch ein Lächeln her. Logisch, weil shoppen ja bekanntlich glücklich macht. Die Blinzelei ist nicht deshalb notwendig weil man so, wie die bezaubernde Jeannie schöne Dinge damit hervorrufen kann, denn leider ist für deren Beschaffung immer noch Bares notwendig. Es ist deshalb von Bedeutung, weil so vermieden werden kann dass einfach ein Foto zur Verifizierung verwendet wird.

Für Mastercard wird es wohl kein einfacher Weg sein in Ländern wie Deutschland wo der Datenschutzgeist ständig über den Köpfen der Leute schwebt und er nicht wie Jeannie aus einer Flasche stammt sondern so real ist wie ein Geist nun einmal real sein kann, dieses neue System einzuführen.  Außerdem wird man über den scheinbar erhöhten Komfort und die verringerten Umstände des Selfies gegenüber dem Merken von Zahlen und Passwörten wohl auch noch diskutiert werden. Ist es für Mastercard vielleicht doch eher ein Makrting-Schmäh statt einer realen Option. Die Idee geistert ja schon länger herum, aber Selfies bleiben wohl eher den Geistern mit Flasche vorbehalten, statt die eigene Identität beim Zahlungsvorgang zu verifizieren. Mastercard betont zusätzlich dass die Fotos nicht gespeichert werden, lediglich eine Vorlage anhand derer die neuen Aufnahmen geprüft werden.

Foto: CC BY SA 3.0 / Siebbi