Accessoires

Alles Krise, oder was?

Sarah Wetzlmayr

Kurz nach Silvester kommt die Uhrenwelt in Genf für die erste bedeutsame Messe im Jahr zusammen. Hier werden Trends gemacht.

Text: Philipp Pelz

Sie sind schon wahrnehmbar, die dezenten Sorgenfalten auf den Stirnen der Marken-Manager. Es gibt auch ausreichend Gründe für die baldige Botoxbehandlung. Mit Ausnahme von Deutschland will kaum eine europäische Wirtschaft so recht in Schwung kommen. Die USA sind teilweise stark, werden jedoch von der eigenen Währung gehemmt. Brasilien, als anstehendes Wirtschaftswunder vielfach gehypt, hofft auf einen olympischen Turbo. Und nun auch noch China! Das gelobte Land der Luxusindustrie zeigt sich gehäuft in schwächelnder Konstitution. Schrumpfende Exporte gepaart mit einer Kapriolen schlagenden Börse hemmen den Wunsch nach teuren Uhren. Aber nicht alle Käufe werden im eigenen Land getätigt. Chinesen reisen gerne und kaufen bevorzugt in Europa, der Heimat vieler begehrter Produkte. Die Terroranschläge in Paris, zusammen mit den Übergriffen in Köln ( ja, das ist in den chinesischen Medien ein großes Thema) haben einen Storno-Tsunami ausgelöst, der Europa sicher über das erste Quartal 2016 hinaus beschäftigen wird. Darüber hinaus wurden für die Schengenländer die Visa-Bestimmungen für Chinesen verschärft. Das soll man mal verstehen.

All das soll jedoch die Freude an schönen Produkten nicht trüben. Wunderschöne Uhren lächelten in Genf jeder Krise charmant ins Gesicht. Doch was war nun der Trend? Ganz klar. Blau, Blau und nochmals Blau. Das hat nun weder mit dem illuminierten Zustand der Designer zu tun, noch mit einer etwaigen depressiven Stimmung. Vielmehr hat es noch nie eine so eindeutige Häufung an blauen Zifferblättern gegeben. Sowohl bei Taucheruhren wie auch bei Fliegeruhren liegt die Assoziation mit Meer und Himmel nahe. IWC hat bei seiner komplett überarbeiteten Fliegeruhren- Kollektion natürlich viele schwarze Zifferblätter im Programm, aber eben auch einige blaue. Diese heißen dann nach dem berühmten Piloten und Schriftsteller Saint-Exupéry. Besonders interessant ist die limitierte „Big Pilot Saint Exupéry“ in 18k Rotgold mit, erraten, strahlend blauem Zifferblatt.

Hier kommt das fabelhafte Manufakturkaliber mit Jahreskalender zum Einsatz. Für den automatischen Aufzug des mit 7-Tage-Gangreserve aus- gestatteten Werks sorgt der kleine Prinz höchst- persönlich, der auf seinem kleinen Planeten stehend die Schwungmasse antreibt. Die Nobelschmiede Vacheron Constantin hat sich ebenfalls einem Klassiker der Kollektion angenommen. Die „Overseas“ kommt als flacher Automatik-Sportler und als Chronograph. Neben einer klassischen Variante in Silber sticht vor allem ein wunderbares lackiertes Blau heraus. Ruck, zuck lässt sich das Metallband auf Leder- oder Kautschukband wech- seln. Sehr schön! Noch eine Spur sportlicher gibt sich die „Calibre Diver“ von Cartier, nun auch in einem sehr intensiven Blau. Besonders die Version in Rotgold ist ein echter Hingucker. Apropos Rotgold. Auch die kleine, aber besonders feine Manufaktur Parmigiani zeigte so eine Kombina- tion. Allerdings geht man hier noch einen Schritt weiter und fertigt gleich das ganze Chronographen-Uhrwerk aus Gold. Krise, welche Krise?