GENUSS

Rosa Rocker

Sarah Wetzlmayr

Mit Barbie-farbenem Rosé fremdeln Männer, auch wenn man ihn immer öfter sieht. Mittlerweile kann es der feminine Frühlingswein auch ernsthaft.

REDAKTION: ROLAND GRAF

Einem erfolgreichen Werber darf man wohl Trendgespür unterstellen. Und so verwunderte es wenig, dass Clemens Strobl als Weihnachtsgeschenk eine Halbflasche Rosé namens „Gold“ verschickte. Der Gründer der Agentur Strobl+Strobl betreibt selbst Weinbau und hat sich für eine Edel- flasche in Rosa statt eines seiner Rieslinge vom Wagram entschieden. Mittlerweile wissen auch Österreichs Weinproduzenten mit dem oft als Verlegenheitslösung für schlechte Jahrgänge angesehenen Rosé umzugehen. Statt ihn nur dann anzubieten, wenn absehbar war, dass der Rotwein nicht reif wurde, zählt er mit seiner markanten Farbe zum trendigen Standardrepertoire. Für die Herstellung gibt es zwei Methoden, wobei das Saignée-Verfahren auf die historischen Wurzeln des Rosé verweist. Er diente als ein Mittel, um dichtere und kräftigere Rotweine zu erhalten. Noch bevor der Most zu gären begann, entfernte man ein gutes Zehntel des helleren, weil ohne Pressung gewonnenen Traubensafts.Beerenhaut zu Saft im verbliebenen Rotwein, der „geblutet“ (französisch: saigné) hat, steigt. Der abgezogene Rest kann nun je nach Anbauland zu Rosé, Rosado oder Rosato vergoren werden. Andererseits werden auch direkt gepresste Varianten erzeugt, sie sind dunkler als die „Weißgepressten“, wie man ganz helle Weine aus roten Trauben nennt. Die Hochburg dieses klassischen Frühlings- und Sommerweins liegt in Südfrankreich. Die Weine von Tavel in der Region Nîmes etwa besitzen schon seit 1936 eine eigene Herkunftsbezeichnung (AOC) ausschließlich für Rosé. Nach wie vor stellen diese gerne auch als Krustentier-Begleiter gereichten Weine die zuckerlrosa Benchmark dar. Als Brad Pitt sein Weingut Miraval präsentierte, war die Erstabfüllung ein 16 Euro teurer Rosé von den Côtes de Provence. Mithilfe der Weindynastie Perrin gefüllt, kam der dem pink Ideal recht nahe: erfrischend, zitrusfruchtig, im Spiel zwischen Säure und Frucht an eine un- reife Himbeere erinnernd, dabei leicht, ohne ein belangloses Wasserl zu sein.

Schräg: Rosé als Reserve

Im Weltmaßstab hat das pink Missing Link zwischen Weiß- und Rotwein ohnehin Aufwind, wie Guillaume Deglise berichten kann. Der Chef der weltgrößten Weinmesse Vinexpo sondiert laufend den Markt und kommt zum klaren Befund: „Rosé und Weiße wachsen global schneller als der Rotwein.“ Dabei sind es nicht nur die klassischen Rotweingebiete, die hiervon profitieren. Auch kühlere Gegenden setzen statt Dunkelrot vermehrt auf Blassrosa, durchaus auch in eigenwilligen, masku- lineren Spielarten. Wie der ein Jahr lang im Holzfass gereifte Rosé, mit dem Bernadette und Markus Altenburger die Dreier-Serie ihrer „RoSée Connection“ aus Jois krönten. Ein Ausbaustil, den vie- le für einen Scherz hielten, weshalb das Paar ihn voller Ironie „Witzbold“ nannte.  In der Wachau hat man sich ebenfalls für einen „Stil abseits üblicher fröhlich-lustiger Sommer-Rosés“ entschieden, wie Weingutsleiter Roman Horvath es formuliert. Der „1805 Reserve“ aus dem Jahrgang 2014 besteht zu zwei Drittel aus Pinot Noir, der direkt gepresst wurde, der Rest ist Zweigelt. Die Inspiration für einen ebenfalls fassgelagerten Rosé er- gab sich „aufgrund meiner Vergangen- heit in Süd- und Südwestfrankreich mit Einblicken in die Provence“, so Horvath. Der Name des Power-Rosé hingegen setzte eine Spitze gegen die Grande Nation, denn 1805 verloren Napoleons Truppen das Gefecht bei Dürnstein. 211 Jahre später muss man sich nun auch beim Rosé auf Konkurrenz aus „Autriche“ einstellen.

www.clemens-strobl.com

http://miraval-provence.com/en

www.rosee-connection.at

www.domaene-wachau.at