KULTUR

Sein Ding – unsere Dinge

Sarah Wetzlmayr

Udo Lindenberg hat viel erlebt. Und davon singt er, seit mittlerweile einigen Jahrzehnten. Und obwohl seine Band “Panikorchester” heißt, vermitteln seine Songs meistens dass man keine Panik schieben sollte. Aber hört und lernt selbst. 

Udo wird 70. Und beweist mit seinem neuen Album, wie seinem bisherigen musikalischen Schaffen, dass man mehr von ihm lernen kann, als mit Sonnenbrille und Zigarre ausgestattet in einem Hotel zu wohnen. Der Mann der gern mal eine dicke Lippe riskiert, kann uns nämlich so einiges mit auf den Weg (nach Pankow) geben. Aus dem Schatz seines Liedguts, zum Beispiel all diese klugen Dinge:

_Stark wie zwei. Der Tod ist ein Irrtum und wie wir mittlerweile wissen auch ein mieser Verräter. Wie ist das wenn man eine Telefonnummer wählt, die es gar nicht mehr gibt? Es gibt nicht viele, vielleicht auch gar keine Worte, die das erklären können. Aber Udo probiert es zumindest und ist am Ende “stark wie zwei”. In diesem Herz (das man ja doch reparieren kann) ist schließlich doch sehr viel Platz.

_Ein Herz kann man nicht reparieren. Wenn es mal einen ordentlichen Stich ins Herz gegeben hat, lässt sich das nicht mit ein paar Stichen wieder flicken. Es hilft auch keine Kur und auch kein Gott in weiß. Udo gibt Nachhilfeunterricht in Sachen Liebeskummer. Und den kann jeder brauchen, denn wie eine Studie kürzlich bestätigte, kann man an gebrochenem Herzen auch sterben. Das lohnt sich wirklich nicht.

_Mein Ding. Die Grundaussage ist die, die schon alles sagt: “Und ich mach mein, Ding, egal was die anderen sagen”. Denkt sich wahrscheinlich jeder mal, aber gelebt sieht die Sache meistens schon mal anders aus. Man muss ja nicht gleich ins Hotel ziehen. Das “Ding” kann auch bisschen anders aussehen. Und der Weg dahin kann auch anders als gerade sein. Manchmal muss man das Glück einfach auch zwingen.

_Gegen die Strömung. Man sollte durch dick und dünn gehen, aber auf keinen Fall durch dick und doof. Auch wenn der Wind mal ziemlich heftig weht, weitergehen zahlt sich aus. Auch wichtig dabei: “Lass sie doch labern, blöd wie sie sind”. Diese schlaffen, gebildeten Affen sind dabei wohl gemeint. Und von denen gibt es ja nicht gerade wenige, die den Gegenwind mit ihrem beim vielen Labern ausgestoßenen Atem noch befeuern. Aber egal ob Strömung oder Wind, man kommt dagegen an.

_Nichts haut einen Seemann um. Punkt. Gut zu wissen, dass es solche Konstanten gibt. Irgendjemand muss ja aufrecht stehen bleiben, auch wenn der Wind ganz übel von einer Seite weht.

Foto: Getty Images