AKUT

Heidi List siedelt mit Katze

Das Jahr der Kondo

Text: Heidi List

Bis zum Jahreswechsel wäre statistisch wohl noch Folgendes drin: 2 Krankheiten, 1 Nikolo, 1 Hysterie wegen Pleiteseins, 1 Kontorahmenerhöhung, 5 Einkaufsnachmittage, 10 Weihnachtsfeiern, davon 3, an die man sich erinnern kann, und 1, an die man sich vielleicht gerne erinnert.

Weiters 3 Todesfälle von wichtigen Menschen, bekannt, verwandt oder prominent, die einen schockieren, okay, 2016 ist das Arschlochjahr, also 5 Todesfälle. 2 sauunpassende technische Gebrechen, wahrscheinlich Auto und Kaffeemaschine, wenn man eher z.B. nach Zahnhygiene süchtig ist, dann die elektrische Zahnbürste.  3 internationale Katastrophen, die einen berühren, eine davon merkt man sich länger, eine weitere fährt einem noch einmal ein, nachdem man  sich wieder an sie erinnert,  1 vergisst man sofort wieder. 1 Zeit der Vorsätze, 1 Bescherung, 3 bis 4 Enttäuschungen über Geschenke oder Reaktionen der Beschenkten, 2 bis 3 Bedauern über vernachlässigte Freundschaften im letzten Jahr, 1 davon unwiederbringlich, weil tot oder nicht reparabel. 1 Silvester mit je 1 Hoffnung pro Hauptsorge, daher  4 Hoffnungen: Weltfrieden, Gesundheit, Familie, Glück (okay, geheim noch Kohle, aber das sind dann 5 Hoffnungen, und außerdem ist die ja nicht wichtig, sagt man, wer sagt das eigentlich, na, egal).

Wenn sie nicht liest oder Musik hört, arbeitet die zweifache Mutter selbstständig als Kommunikationsmanagerin und freie Autorin.

Und dann rumpelt das Werkel 2017 genau so wieder an. So.

Aber jetzt ist noch Zeit, jetzt planen wir das einmal anders. Ich bin nämlich jetzt „Magic  Cleaning“-Expertin, nachdem ich das Buch von Marie Kondo gelesen habe. Das ist eine bestsellende Frau aus Japan, die natürlich jeder kennt, außer mir bis vor ein paar Wochen, und deren Buch mir schon seit Jahren von Leuten, die mich und mein Leben beobachten, empfohlen wurde. Sie erklärt einem, wie man ernsthaft die Wohnung und damit das Leben entrümpelt, sodass man einen Überblick hat. Vereinfacht gesagt, muss alles raus, was sich nicht sofort ursuper anfühlt, der Rest muss immer an einen bestimmten Platz. Fertig ist die befriedigende Struktur.

Bei mir hat das damit geendet, dass ich jetzt eine berstend volle Garage habe, weil: DAS IST MEIN ZEUG, BLÖDE KONDOKUH, ICH KANN ES NICHT WEGSCHMEISSEN.

Trotzdem, es ist aus dem Blickfeld. Spitze.

Wir beginnen also damit, das Ende von 2016 in unserem Sinne zu strukturieren. Von unseren Überlegungen schließen wir jetzt einmal höhere Gewalt aus, die kann man nicht vermeiden. Das wären die internationalen Katastrophen und die Todesfälle, die letzteren vorausgesetzt, dass man nicht vorhatte, einen von den Betroffenen zu ermorden.

Die Technikpanne könnte man schon weise umgehen, indem man aufhört, etwas dringend zu brauchen oder zu wollen, denn nur dann werden die Teile kaputt. Man muss klug vorgehen, das Schicksal lässt sich nicht austricksen. So wäre es, um den unvermeidlichen Zusammenbruch der Espressomaschine zu umgehen, wohl eine Idee, sich einen Energydrink zu kaufen. Sollte man den aber gekühlt konsumieren wollen, bricht der Kühlschrank zusammen. Wetter gilt auch als Technik, will man also die Dosen draußen kühlen, bricht eine für diese Zeit unerklärliche Warmwetterperiode herein, Hauptsache, man hat keinen Trinkspaß. Nein, man geht zum Nachbarn oder ins Nebenbüro Kaffee trinken. Denen bricht danach prompt der Scheiß zusammen, das kann einem aber dann wurscht sein. Der eigenen Maschine suggeriert man, dass man sie nicht braucht, und sie bleibt funktionstüchtig, man trotzt ihr halt unauffällig und möglichst gelangweilt hie und da einen Espresso ab.

Wir kommen daher zu den Punkten Pleite, Kontorahmen, Feiern, Einkaufen, Bescherung, Enttäuschung, Freundschaften, Hoffnung. Frei nach Frau Kondo: Alles auf einen Haufen legen, was davon mieft, wenn man dran riecht? TADA! Weg die Pfütze, dieser sich selbst bedingende Reigen des Wahnsinns immer zu Jahresende. Hurtig wird ein Briefchen aufgesetzt, in dem man so eine 80er-Jahre-Idee wieder rauskramt und Zeit verschenkt. An 3 Terminen, in 3 Locations, mit reservierten Tischen. 1 Familie (Weihnachten), 1 Freunde (Silvester), 1 Restverwandte (ein unverkaterter Tag dazwischen, schlage den 27. 12. vor). Wer hinkommt, soll das tun, ohne Geschenke, nur mit Geschichten. Jeder zahlt seins selber. We shall overcome, give peace a chance. Die, denen das nicht passt, fallen unter die unwiederbringlichen Freundschaften – höhere Gewalt.

Daher beschreiten wir heil und weitgehend sorgenunzerfressen das neue Jahr in Harmonie und Struktur. Und man wünscht sich dann nur mehr den Weltfrieden, weil die Gesundheit wurde geschont, die Familie wurde mit einem ausgeglichenen Mitglied verwöhnt, und damit trat  auch das Glück ein.

Der Nikolo. Ich habe den Nikolo vergessen. Wir schaffen den ab. Wir sagen den Kindern, der Nikolo ist eine Katze und erscheint jeden Tag tausendfach auf Facebook.

Ein Wunder!