Free WiFi!

    Free WiFi!

    Kein WLAN mehr am Wochenende im Phil

    FREE WIFI – lasset uns surfen!

    Das Phil ist Buchladen, Video-Shop, Kaffeehaus, Kuschelecke, Lesestall, Cocktail-Bar und alles in allem ein feiner, cooler, Wiener Ort in Naschmarkt-Nähe. Der nun wochenendens das Gratis-WIFI abdreht. So weit, so chillig … aber was bringt das bitte, jetzt mal echtwärts? Oder keimt hier ein neuer, apodiktischer Benimm-Dich-Trend am Horizont der vorgeschriebenen Lebensform?

    Zwischen Mahü und Naschmarkt liegt am Eck das phil. Kaffeehaus, Bar, Buchhandl, DVD-Shop und Krims-Krams-Laden für bibliophile Studenten nebst Ähnlichem. Ein wunderbar gemütlicher Proponent des Wiener Bobostan, ob der günstigen Lage auch bei Touristen sehr beliebt, die zum Beispiel zuvor im Sperl vis a vis den „Viennese Coffeehouse“-Schick inhalierten. Zuletzt gelangte das Lokal abseits seines Kerngeschäftes in die Schlagzeilen, weil der exzentrische Betreiber dessen Zusperren verkündete (der WIENER berichtete), was dann aber letztlich gottlob doch nicht geschah. Vielleicht nahm man deshalb die zuletzt via Facebook erfolgte, folgende Ankündigung des Lokals eher unernst, das freie WLAN wochenendens abzudrehen:

    Zunächst wurde nur angekündigt, dann doch auch umgefragt. Nebst #digitox wurden auch ein paar andere passende Hashtags publiziert: #read #talk #look #kiss #dream #weifeifrei. Der Trend ist klar: Leute, redet doch wieder miteinander. Tuts Euch nicht länger das Genick verrenken, während ihr in eure Smartphones glotzt. Und überhaupt: Internet is uncool,  wenn man doch auch küssen könnte. Mutmaßlich letzteres war dann auch das Stichwort für unser ehemaliges Schwesternmagazin, diesbezüglich einen Senf abzugeben:

    Wie sich das so gehört für freche Geschwister müssen hier natürlich sofort und energisch opponieren. Was für ein Schwachsinn! Zunächst: jedes Durchschnitts-Smartphone heimischer Provenienz und SIM-Karte kommt heutzutage mit LTE-Internetz daher. Dagegen ist das tolle phil-WLAN sowieso und auf jeden Fall eine Schnecke. Weiters: wer zu zweit oder mehrt ins Kaffeehaus geht und dann ins Bildschirmtelefon glotzt, hat nicht nur im phil ein Problem, über das er erst recht reden sollte. Dann die Touris – grad die leiden unter Roaming-Gebühren und freuen sich über jeden WiFi-Hotspot mit mehr Charme als jenem einer Burger-Bude oder Kebap-Hütte. Mir persönlich zettbe käme das phil als Heißgetränk-Supplier nicht auf den Tagesplan, wäre ich ein Wien-Fremder. Weil, verdammt nochmal, es gehört längst zu unser aller (oder zumindest: meister) Leben, die gängigen Kommunikations-Kanäle ohne sich dafür zu genieren von Zeit zu Zeit abzufragen und dabei womöglich, weil in der Fremde, keine Unsummen an den sich ins Fäustchen lachenden Mobilbetreiber abzuliefern.

    Oder soll das jetzt plötzlich nimmer sein? Dass man sich per online informiert, darüber, was wo los ist oder auch nicht? Ist das bloß uncool? Oder doch schon reaktionär? Kehren wir zurück in die frühen Neunziger, als Mobiltelefone noch Erkennungsmerkmale mitteilungsbedürftiger Yuppie-Geeks waren und von der „Haute Volée“ verlacht wurden? Oder geht es letztlich dann schon wieder darum, dass ich einer der bösen mit der falschen Echokammer sein könnte, den man per Anti-Handy-Bescheid davor bewahren muss, all den Lügenstammel diversester Provenienz zu inhalieren?

    Übrigens: hätten die phil-Leut einfach gepostet: „Liebe Freunde, das WLAN-Bereitstellen wird uns hiermit zu teuer, surft künftig bitte wieder auf Eure eigenen Kosten“ – niemand hätte sich aufgeregt. Aber es im Haus zu haben und zwecks „Zwangs-Chillens der werten Gäste“ abzudrehen ist ja wohl wirklich ein ziemlicher Bledsinn!