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Tag der offenen Tür im Swingerclub

Sarah Wetzlmayr

Offen gestanden, finden wir das gut. 

Ganz ohne jemanden beleidigen zu wollen: Der durchschnittliche Wiener – oder sagen wir: Ostösterreicher – weiß ein bis einenhalb Dinge über Pöchlarn. Es gibt eine Autobahnabfahrt, die so heißt. Und die war im vergangenen Jahr ungefähr zu 65 % gesperrt. In dieser Woche wird sich das Wissen des durchschnittlichen Ostösterreichers um diese Stadt noch um einen nicht minder interessanten Punkt erweitern. Im näheren Umkreis dieser Stadt, im 1000-Seelen-Dorf Klein-Pöchlarn nämlich, lädt ein Swingerclub zum Tag der Offenen Tür.

Man kennt ja ganz prinzipiell Tage der Offenen Tür. Aus der Schule oder aus dem Musischen Zentrum, wenn man den Gschrapp zum Jazz-Dance anmelden möchte. Bei anderen Formen des Tanzes, vor allem all jenen die in eine etwas erotischere Richtung gehen, ist ein Tag der Offenen Tür doch eher unüblich. Doch die Geschichte aus Klein-Pöchlarn ist eine etwas komplexere: Dort geht es nämlich um einen beinahe risiko-operativen Eingriff ins Stadtbild: Die ehemalige Tanzbar „Black Sheep“ wurde nämlich in eine Swing-Etablissement, namens „Bermudaclub“ umgewandelt. Das stieß in der Klein-Pöchlarner Bevölkerung nur sehr sporadisch auf Begeisterung. Um die vorhandenen Berührungsängste etwas zu mildern, soll also ein Tag der Offenen Tür her. Der Club ist rund 500 Quadratmeter groß und fasst damit ungefähr 200 Personen, also in etwa ein Fünftel der Klein-Pöchlarner-Bevölkerung. Sollte das Rathaus mal renoviert werden, wäre der „Bermudaclub“ demnach beinahe eine extravagante Alternative für Bürgerversammlungen.

Bleibt nur zu hoffen, dass „offene Tür“, bei den transsibirischen Temperaturen nicht wortwörtlich gemeint ist.

Foto: Immobilienscoout24.de