AKUT

Totgesagte sterben leider auch irgendwann

Sarah Wetzlmayr

Baba, Weekender: Mit der Schließung des Weekender verliert das biedere Innsbruck eine Bastion der gepflegten Fortgeh-Kultur.

von Sarah Wetzlmayr

Im vergangenen Jahr schien es, als wäre das Clubsterben eine Seuche des Ostens gewesen. Vor allem eine die in der Hauptstadt ihr Unwesen trieb und ihre hässliche Fratze zeigte. Doch gerade eben lieferte der Weekender Innsbruck den tragischen Beweis dafür, dass auch die gute Bergluft Tirols diese Seuche nicht abwehren konnte. Das Immunsystem des österreichischen Party-Organismus schwächelt auch in den Tiroler Bergen und sorgt nun dafür, dass eine der einzigen relevanten Kulturinstitutionen des Westens – der Weekender Club in Innsbruck – für immer seine Pforten schließen muss. Dabei sind hier, in den letzten Jahren zahlreiche Türen aufgegangen: Die des ersten Speichelaustauschs aber auch jene, die die Besucher, mitten in den Tiroler Bergen, in die Welt des gepflegten Gitarrensounds beförderte. Die von der guten Luft verwöhnten Lungen atmeten hier den ersten Zigaretten-Rauch ein und Kässpätzle fanden ihren Weg nach draußen wieder. Acts wie Mando Diao, die Subways oder Adam Green traten hier auf.

Trotz vieler vergangener Totsagungen krabbelte der Weekender immer wieder aus seinem dunklen Grab hervor, setzte sich an die Bar und trank erstmal ein Bier. So wie es auch seine Besucher taten. Man beharrte auf Qualität und schlug sich immer wieder mit der Problematik der Konzertlautstärke herum – wurscht (um einen sehr ost-österreichischen Ausdruck hier einzubauen) war es den Betreibern, dass es dabei manchmal leiser um ihren Club wurde. Doch jetzt scheint es so, als wäre der Vorzeige-Idealismus der beiden Betreiber Andy Franzelin und Justin Barwick endgültig im Keim erstickt worden. Da kann die Luft noch so gut sein. Das schwierige Balancieren auf dem Drahtseil der Clublandschaft war kein betrunkenes Balance halten am Barhocker mehr, sondern einfach unmöglich geworden, wie die Betreiber in einem Facebook-Statement ausführlich erklären. „Somebody told me“ – und nein, es war nicht „Mr. Brightside“ dass man, als zufällig im Land der Berge in den späten 80ern geborener und nach feiner Gitarrenmusik durstender Mensch im Weekender ein Zuhause finden konnte. Wir wissen zwar alle,  diese Zeit ist vorbei und beim Namen „Arctic Monkeys“ stellen sich die coolen Kids von heute vermutlich nur noch eine Kreuzung aus Schimpanse und Pinguin vor – der Weekender wird trotzdem fehlen, als kleiner, wummernder Fixstern am Club-Horizont.