AKUT

Der Koffer im Raum

Parkplätze werden weniger, Wohnungen immer teurer. Warum also nicht einfach alles zusammenlegen und in ein Auto, das im ersten Stock parkt, ziehen? Schließlich ist der Rathausplatz keine schlechte Adresse – weder für mich noch den Design Cube oder aber den Volvo V90 CC.

Die Idee entstand, wie immer, beim Weggehen, nach zwei, drei oder zwölf Vierteln. Irgendwer aus der Volvoaffinen Clique erzählte vom Plan der Schweden, ihre neueste ModellKreation zwei Monate lang vorm Rathaus auszustellen, gleich neben dem Eistraum-Eislaufplatz mit dem lieben Eisbären in der Mitte. Ein anderer meinte, boa und pfuh, die stellen das Auto aufs Eis, das rostet dann ja gleich von Anfang an, pruhaha. Ein Dritter erklärte, nixdanix, er kennt da wen, der wen kennt bei Volvo, und wenn die was machen, dann machen die das anständig. Die haben da so ein Container-Dings, was gar nicht ausschaut wie ein Container-Dings, sondern eben viel, viel edler, das Ganze heißt dann Design-Bub oder so wie, und damit reisen sie um die Welt, also auch nach Wien.

Bürgermeister Joham trank zwei Viertel.

Schnell waren die Taschencomputer gezückt, noch schneller war aus Bub der rechtmäßige „Cube“ geworden, tja – und zum „Traust dich niiie!“ wars dann freilich auch nimmer weit. Dabei kann von Mutprobe keine Rede sein. Der nämliche Design Cube von Volvo – bestehend aus einem schmucken, höchst skandinavischen Wohnzimmer, plus einem Obergeschoß mit Autostellplatz, plus noch einem dritten Glaswürferl obendrauf, wo eben ein drittes, aber diesfalls unbegehbares Auto draufpasst – ist nämlich vollinhaltlich klimatisiert, des Winters also beheizt. Unten wäre genug Platz fürs Gemütliche nebst Riesen- Fernseh und hübschen skandinavischen Möbeln unikeaesker Herkunft. So was können die ja, die Schweden, Holz schön verarbeiten. Und oben, da wo der Volvo steht, wäre dann ja auch noch Platz für ein Bett. Sanitäre Anlagen? Bäume stehen genug im Rathauspark. Und die Häusln im altehrwürdigen Café Landtmann, das gerade mal einen Steinwurf entfernt ist, sind ja auch nicht zu verachten. Zwar auch nur für Kunden, aber irgendwo wird man ja auch frühstücken müssen.

Also nahm ich die Wette um die halbe Kiste Roederer salopp an – ich wusste, ich würde irgendwie an den Schlüssel für die Hütte kommen. Eine Nacht da drin und meine Schuldigkeit wäre getan, der Schampus mein. Die Partie wäre nicht die Partie, würde sie das Ganze bloß so hinnehmen. Ich müsse außerdem eine kleine Fete veranstalten, sagten sie. Mit Musik, live. Und hohem Besuch. Und festhalten, quasi dokumentieren, müsse das alles auch irgendwer, aber nicht irgendjemand.

Ich müsse außerdem eine kleine Fete veranstalten, sagten sie. Mit Musik, live. Und hohem Besuch.

Einer meiner Redakteure vom tollen Zeitgeistmagazin müsse den Zinnober beschreiben. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, ganz so, wie man so was früher gemacht hätte: auf der Schreibmaschine. Ebenso sollte der oberste Lichtbildner des Hauses das Ganze auf Zelluloid bannen, so wie früher, mit Entwicklung in der Dunkelkammer. Oder halt bei Bilderland.

Fest entschlossen, all jenen einen handfesten Denkzettel zu verpassen, die stets coram publico behaupten, ich hätte keine Freunde, willigte ich ein. Legte mir einen Schlachtplan zurecht, wie ich mich bei irgendeiner Präsentation in dem Kobel so geschickt verstecken könnte, dass man mich beim abschließenden Zusperren vergessen würde, nebst Fotoapparat und Videogerät, auf dass es dann Beweise gibt. Bloß: Wie konnte ich meinen Hund dazuschummeln, der leider Bestandteil der Wette geworden war, während ich am Klo gewesen? Ginger würde sicher nicht ruhig halten in irgendeiner Ecke, wenn der Wachdienst durchs Gebäude wedelt.

Edelfeder Rebhandl blieb auch auf ein, zwei Storys.

Manchmal dient das Glück den Törichten, und nur, dass ich stets im Lotto verliere, ist noch kein gerichtstauglicher Gegenbeweis hierfür. Sanft vorfühlend in Richtung des tollkühnen Projekts erfuhr ich vom Pressemann des nunmehr einzigen schwedischen Automobils (wenn man keine LKW mag), dass beim Wiener Design-Cube-Abenteuer ausgerechnet der größte Kombi der Marke präsentiert werden würde. V90 Cross Country, abgekürzt CC, würde das Monstrum heißen, und wer die Traditionen der Schweden kennt, weiß, dass Kombis von Volvo stets vor allem eines sind: riesengroß. Nicht anders verhielte es sich mit der Stelzen- Version des längst bekannten V 90, im Kofferraum hätte locker auch ein Viech wie ich Platz, und das nicht mal daquer. In das dem platten Schmäh auf dem Fuß folgende Gelächter – und ein Thomas von Gelmini kann sehr laut und lange lachen – platzte ich also forsch mit der Forderung nach dem Gegenbeweis. Und ehe des Pressechefs Lachen vergluckst war, hatte ich mein Vorhaben durchgebracht. Der Champagner würde fließen, und zwar in Strömen.

Nun würde ich mich zur Ruhe legen. Im Volvo. Im Design Cube. Gute Nacht.

Weil: Die gottvollen Rockabellas von Chilli con Curtis würden sich nicht zweimal bitten lassen, in höchst exklusivem Umfeld ein paar Songs zu schrammeln. Des Heftes edelster Schreiber Manfred Rebhandl ist, wie es sich für edle Schreiber gehört, stets im Verzug mit seiner Abgabe, also würde ich ihn unter dem Vorwand einer vorgezogenen Redaktionssitzung an die vorher mit Klebetasten präparierte Schreibmaschine locken. Und den hohen Besuch, den würde ich in der Nachbarschaft rekrutieren, sogar in der allernächsten.

Rockabellas von Chilli con Curtis probten imKofferraum des V90 CC.

Der Rathausplatz hat wenige Nummern, die meisten davon gehören dem Stadtchef. Und dessen geschäftigstes Double Erich Joham hatte mir schließlich stets die Haare fassoniert, als ich noch welche trug. Alles klappte etwas zu perfekt, sogar die Damen vor der Landtmann-Toilette warteten tapfer, bis ich mir in ihrem Abteil die Zähne geputzt hatte, weil der Spiegel dort viel größer ist. Zum Lachsfrühstück käme ich dann morgen, warf ich dem Kellner zu.

So, nun aber endlich die ganze Geschichte, warum Franz J. Sauer am Rathausplatz eingezogen ist und was er dort so getrieben hat.

Posted by Wiener – Alles für Er. on Donnerstag, 9. Februar 2017