AKUT

Das Ende der Hipsteria

Sarah Wetzlmayr

Obwohl American Apparel Sportsocken wieder alltagstauglich gemacht hat, war man auf der Flucht vor der drohenden Insolvenz damit nicht schnell genug.

Oft wurde es besprochen, diskutiert, beschworen – das Ende der gepflegten Hochwasserhose, der frisch mit Leben befüllten und mit Weichspüler gewaschenen Flanellhemden und der Essensreste im rot gefärbten Vollbart. Auf sehr reduzierte, gar minimalistische Weise dargestellt – sprechen wir hier natürlich vom Ende des Hipstertums. In einem äußerst renommierten deutschen Verlag erschien ein Buch über die Neukomposition dessen was früher „Yuppie“ hieß und wie das oft so ist, markiert der Anfang eines Buches auch immer irgendwie das Ende der Sache, um die es darin geht. Nachdem die Hipsteria entgegen allen Zweifels, all dem Spott und Hohn, der durch die Man Buns fegte wie ein subtropischer Wirbelsturm, mit einigen blau-grün karierten Flecken davonkam, sieht es jetzt allerdings wirklich nach dem Ende in dieser sogenannten Subkultur aus. Warum wir das wissen? Künftig wird das Kürzel „AA“ nur noch für eine allseits bekannte Selbsthilfegruppe stehen und nicht mehr für Plastik-Leggins und bunte Slim Fit-Shirts. American Apparel ist nämlich offiziell Geschichte. Und damit wurde auch das Ende des Hipstertums eingeläutet. Doch „AA“ hat Spuren hinterlassen. Nicht nur Nahtabdrücke der superengen Skinny-Jeans auf unseren Oberschenkeln. Doch weil sich der Hipster vor allem über seine äußere Hülle, wie auch über die seines 15 Zoll Mac Books definiert, markiert der Untergang der neu und teuer verkauften Einfachheit wohl den schleichenden Untergang des Hipstertums. Mit American Apparel verliert die Hipsterwelt eine wichtige Vorlage und Schablone zur Gestaltung der eigenen Person und des eigenen Lebensumfelds. Übrig bleibt dann noch die eigene Haut und die Persönlichkeit, die sich vermeintlich darunter versteckt – und man braucht nicht das Buch zu lesen, das in ebenjenem renommierten deutschen Verlag erschienen ist, um zu wissen, was das bedeutet. Unzählige Menschen der inneren Wiener Bezirke bleiben nun ratlos mit der Frage zurück, wo sie denn nun ihre bunten T-Shirts kaufen. Dabei begann die Geschichte der Marke, die in Los Angeles ihren glorreichen Anfang nahm, mit dem doch sehr vernünftigen Anspruch T-Shirts zu fairen Bedingungen zu produzieren. Doch schon bald war nicht mehr alles ach so eitle Wonne am bunten „AA“-Regenbogen. Der Rest ist Geschichte. Doch, liebe Hipster, steckt den Kopf nicht in den Sand eures letzten Lighthouse-Festival-Exzesses, sondern lieber eure bunten Socken wieder in die Hausschlapfen statt in die Anzugschuhe…