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Selbstporträt und Selfiemord

Sarah Wetzlmayr

Vom rechten Licht in die ewige Dunkelheit. In den letzten beiden Jahren starben 127 Menschen bei Selfie-Unfällen.

Setzt man sich zu viel mit sich selbst auseinander, ist das selten gesund und kann im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Die Rede ist hier nicht von selbstzerstörerischen Diäten, sondern von der ganz natürlichen Narzissmusform der Millenials – den Selfies. Wie eine Studie mit dem einprägsamen Namen “Me, Myself and My Killfie: Characterizing and Preventing Selfie Deaths” aufzeigt, haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren 127 Menschen, beim Versuch sich ins rechte Licht zu rücken, das ewige Schattenreich betreten. Was früher eine Gefahr war, die dem fensterputzenden Menschen vorbehalten schien, hat nun mit dem Herausputzen des eigenen Images zu tun.

Wie die Grafik zeigt, sind es vor allem die Bewohner Indiens, die beim Erstellen eines smarten Selbstporträts mit ihrem eigenen Leben spielen. Mit erschreckend großem Abstand folgen Pakistan und die USA. Weiters überraschend: Obwohl gefühlt – und wohl auch tatsächlich – mehr Frauen als Männer in ihr Smartphone lächeln, sind deutlich mehr Männer in tödlich ausgehende Selfie-Unfälle (sogenannte “Killfies”) verwickelt. Das einfache und an sich ungefährliche Duckface reicht vielen wohl nicht – man muss mindestens schon probieren wie eine Ente übers Wasser zu flattern. Solche Höhenflüge (und damit ist dann nicht nur das übersteigerte Ego gemeint) finden allerdings nur selten einen guten Ausgang. Stürze aus großer Höhe sind – dieser Studie zufolge – damit auch die häufigste Todesursache, gefolgt von Zugunfällen und Ertrinken.

 

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