Mode

Nachhaltiger Glam

Ich frage mich manchmal, wo fängt man an, unten an der Basis oder ganz, ganz oben? Das scheint sich Livia Firth nicht zu fragen, denn ihr Green Carpet Fashion Award ist sonnenklar am Zenit angesiedelt: Wo alles teuer und totally sophisticated ist, man fühlt sich geblendet.

Text: Elvira Trevira

Livia Firth, Ehegespons des Mimen Colin Firth, ist Gründerin der Agentur Eco-Age. Man befasst sich mit Nachhaltigkeit im Textil-Biz und startete nun mit der „Camera Nazionale della Moda Italiana“ ein Projekt, bei dem bekannte italienische Designer eine vollkommen nachhaltige Kollektion fertigen. Auch Newcomer haben die Chance, mitzumachen, im September 2017 werden die Awards verliehen. Eco-Age kontrolliert Arbeitsbedingungen, Auswirkungen auf die Umwelt und andere Kriterien. Internationale Premium-Brands zählen zu Firths Klientel. Üblicherweise Top-Margen – die Gier wird für diese Kollektion ein wenig gezähmt. Der Konsumentenanteil ist im Vergleich zur breiten Masse eher vernachlässigbar.

Man möchte das Bewusstsein der Öffentlichkeit wecken und zu nachhaltigem Konsum motivieren. Glamouröse Aufmacher in Presse und TV sind zu erwarten. Aber müllt der Glam nicht die ursprüngliche Message zu? Sich Bilder von Celebrities in schicken Klamotten reinzuziehen, ist bequemer, als sich mit Kindern zu konfrontieren, die in Slums schuften. Letztere sieht aber eh kaum wer, denn die entsprechenden Dokus laufen eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Firth hat auch den Film „The True Cost“ mitproduziert. Das aufwühlende Machwerk geht definitiv unter die Haut und zeigt, wie viel Blut und Tränen an jedem T-Shirt picken. Kaum jemand weiß, unter welchen Umständen Kleidung produziert wird, und von den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Jede Methode, sich dem Wahnsinn anzunähern, um den herrschenden Zuständen ein Ende zu setzen, ist legitim. Firth goes glam now.

Elvira Trevira kolumniert im WIENER und bloggt unter BLOG-MAG.NET