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ORGIE von Pasolini – inszeniert von Ingrid Lang

Johannes Wagner

Für ihre erste Regiearbeit „In weiter Ferne“ wurde Ingrid Lang für den Nestroypreis nominiert. Ihr neues Werk, die Inszenierung von Pier Paolo Pasolinis ORGIE, feiert am 9. Mai im Theater Nestroyhof – Hamakom Premiere.

Pier Paolo Pasolinis ORGIE stammt aus dem Jahr 1966. War es für Sie schwierig, das Stück in die heutige Zeit umzusetzen?

„Orgie“ handelt von dem Dilemma, in dem sich Menschen befinden, die nicht der „gesellschaftlichen Norm“ entsprechen. Es handelt von Liebe, von Lust, vom Tod, von den Auswirkungen des Kapitalismus, von der Schwierigkeit sich in einer vermeintlichen Freiheit zurecht zu finden und von der Verzweiflung, in die ein Mensch geraten kann, wenn er sich unter diesen Umständen mit sich und der Welt wirklich auseinandersetzt. Beantwortet das Ihre Frage?

Hier seht ihr den Trailer zum Stück.

Denken Sie, wir bewegen uns auf eine Zeit zu, in der Normvorstellungen in unserer Gesellschaft wieder mehr an Bedeutung gewinnen?

Der Trend zum Nationalismus in sämtlichen europäischen Staaten führt dazu, dass diese Grenzen wieder enger gesetzt werden. Erst muss man ja sehr genau definieren was normal ist, damit man Fremdenhass, Homophobie, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit zum angeblichen Schutz der Gesellschaft, die sich innerhalb dieser festgesetzten normativen Regeln bewegt, legitimieren kann.

Pasolini wurde im Alter von 53 Jahren ermordet. Seine Homosexualität sorgte zu seiner Zeit für Aufsehen. Wie würde Pasolini ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit leben?

Ermordet wurde Pasolini, weil er nicht aufhörte die Realität zu durchdringen, weil er Zusammenhänge wie kaum ein anderer begriff und sie auch in seiner Arbeit veräußerte. Das autonome Denken, zu dem er in der Lage war, war das eigentlich Bedrohliche an ihm. Als Homosexueller galt er zu seiner Zeit im katholischen Italien noch dazu als Perverser. Selbst, wenn er die Option gehabt hätte mit einem Mann zusammenzuleben, hätte er sich immer für ein Leben mit seiner geliebten Mutter entschieden. Er hätte dann einen Berlusconi oder einen Trump erleben müssen. Er hätte erlebt, dass all die Dinge die ihn beunruhigten und die er voraussah so und noch schlimmer eingetreten sind. Wenn ich mir Pasolini 2017 beim Zeitunglesen vorstelle, bin ich froh für ihn, dass er das nicht erleben muss und traurig für die Welt, dass es ihn nicht mehr gibt.

Sie haben von 1997 bis 2001 selbst Schauspiel studiert. Heute führen Sie lieber Regie, oder ist das ein Irrglaube?

Der Einflussbereich auf einen Theaterabend ist ungleich größer wenn man Regie führt. Man kann ein eigenes Universum kreieren und das ist eine sehr spannende Aufgabe. Im Hamakom habe ich außerdem das Privileg, den Text, den ich inszeniere, selbst auszuwählen. Ich kann mein Team selbst zusammenstellen und die Schauspieler besetzen. Das ist natürlich ganz wesentlich. Wenn mich ein Thema, eine Rolle, ein Regisseur oder eine Regisseurin interessiert, dann macht mir auch das Spielen große Freude. Man ist als Schauspielerin so abhängig von den Umständen, die jemand anderes schafft, da möchte ich keine Kompromisse mehr eingehen.

© Marcel Köhler © Marcel Köhler © Marcel Köhler © Marcel Köhler © Marcel Köhler © Marcel Köhler © Günter Eder, grafisches Büro
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© Günter Eder, grafisches Büro

 

Sie sind neben der Arbeit als Regisseurin auch als Musikerin tätig und haben mit Ernst Molden und Willi Resetarits zusammengearbeitet. Ist das für Sie Hobby, Ausgleich oder ihre wahre Leidenschaft?

Die Musik ist für mich eine sehr persönliche und unmittelbare Ausdrucksmöglichkeit, eine andere als das Theater. Beim Singen fahren Texte und Töne durch einen durch und kommen als einzigartiger Klang wieder raus. Das ist ein wunderschöner Vorgang. Dazu kommt, dass ich unseren Dialekt sehr liebe. Derzeit arbeite ich mit Karl Stirner, der auch die musikalische Betreuung von „Orgie“ macht, und Sebastian Seidl an einem neuen Bandprojekt. „Woschdog“ heißt unsere Band. Düstere Downtempo Nummern auf Wienerisch. Ein paar Lieder werden von mir sein.

ORGIE von Pier Paolo Pasolini ist von 9.-24. Mai im Theater Nestroyhof – Hamakom zu sehen. hamakom.at

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Foto © Andreas Jakwerth