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Fetisch-Fotografie: Schmutz-Kunst

Die Geschichte der Fetisch-Fotografie ist eine lange. Was zunächst als dreckiges Randgruppen-Geschmuddel für Perverslinge abgetan wurde, macht heutzutage nicht nur Furore, sondern auch eine Menge Geld als Hochglanz-Kunstgattung.

REDAKTION: FRANZ J. SAUER

„Don’t let this happen to you! Learn Jiu Jitsu and the Art of Self Defense.“ Dazu das Schwarz-Weiß-Bild einer kunstvoll verschnürten Frau in Dessous, das Gesicht nicht zu erkennen. Und weiter geht’s im Text: „Of course you can be like Miss Houdini and get out of this in 10 minutes! But it might be easier to take care you don’t get into such a mess in the first place.“ Eines von vielen Bildern der 1946 bis 1959 in unregelmäßigen Abständen erscheinenden Bondage- und Fetischpostille „Bizarre“, die der britische Bankiers-Sohn und Comic-Zeichner John Willie im Eigenverlag herausbrachte. Meistens war die gefesselte Frau auf den Bildern seine eigene, grundsätzlich diente das kaum gewinnbringende, eher schwer defizitäre, weil von Willie selbst im Postversand vertriebene Magazin ihm als Vehikel, seinen eigenen Fetisch und seine Bondage-Kunst zu betreiben. Nicht selten kam der in New York Niedergelassene in Konflikt mit dem Gesetz, ein von J. Edgar Hoover kontrolliertes FBI geizte nicht mit Prüderie. Erst als sich die Verleger Irving Klaw und Benedikt Taschen sowie der Editor Eric Kroll seiner Werke annahmen, wurde Willie einem breiteren Publikum bekannt – als Künstler. Überhaupt Irving Klaw – er ging das Geschäft mit dem Postversand von Fotografien attraktiver gefesselter Frauen von Anfang an „more businesslike“ an als der verspielte Willie, trotzdem wurde auch er irgendwann Opfer des FBI.

© Irving Klaw

Zuvor entdeckte er noch die legendäre Bettie Page, das erste bekannte Bondagemodel, das in den Fifties des vorigen Jahrhunderts überhaupt eines der meistfotografierten Pin-ups war. Mehr zufällig denn aus Neigung zum Fetisch wurde sie zur oft Gefesselten („für Bondagefotos gab es Geld, für andere kaum“), wurde zunächst zum Star, geriet aber dann bald in Vergessenheit. Erst seit den 1980ern gilt Page als Ikone der Pin-up- oder Rockabilly-Szene und als Sexsymbol, dem sowohl Fotografen als auch Zeichner in ihren Motiven nacheifern, stets leicht zu erkennen am charakteristischen Pony-Haarschnitt.

Die neuen Stars der Bondagefoto-Szene heißen Jay Edwards oder Jim Weathers (Letzterer etwa entdeckte einst eine gewisse Dita von Teese) und machen mit ihren Online-Präsenzen sowie Filmen mit schlechten Plots, aber guten Fesselungen einiges an Plastik-Geld. Einen Sonderstatus genießt der Japaner Nobuyoshi Araki, der sich den Themen BDSM und Fetisch durch herrlich schräge Inszenierungen näherte und 2008 anlässlich einer Wiener Ausstellung sogar mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgestattet wurde.

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© Jim Weathers | Goliath Books

Jim Weathers: „Kinky Bondage Obsession“
Ein schön gebundenes Best-Of aus 15 Jahren Weathers.
goliathbooks.com

 

 

 

 

© Nobujoshi Araki / Taschen Verlag © Nobujoshi Araki / Taschen Verlag © Nobujoshi Araki / Taschen Verlag
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© Nobujoshi Araki / Taschen Verlag

 

 

 

 

Nobuyoshi Araki: „Bondage“
Drei Bände, nach japanischer Tradition handgebunden und in einer Holzkassette geschützt. Mit signierter Fotografie.
taschen.com

 

 

 

 

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© Chas Ray Krider | Goliath Books

 

 

 

 

 

Chas Ray Krider: „Dirty Rendezvous“
Krider ist einer der Altmeister der Szene, inszeniert seine Frauen stets vor hinreißender Retro-Kulisse.
goliathbooks.com

 

 

 

 

© Fred Berger | Goliathbooks
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Fred Berger: „Pulp Fetisch“
Überall Schurken und -innen, feist inszeniert.
goliathbooks.com

 

 

 

 

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© Fräulein Ehrhardt | Goliathbooks

 

 

 

Fräulein Ehrhardt: „High Gloss Dolls“
Verführerisch geschmeidig, futuristisch kunterbunt und allesamt in Latex.
goliathbooks.com