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Urlaub in Wien: Ums Eck von Daheim

Nach einem halben Jahr Produktionswahnsinn ist unser Stress-Reservoir aufgebraucht. Blöd nur, dass es mit den Geldvorräten ähnlich aussieht. Dennoch – Erholung muss her. Also kürzt der WIENER heuer mal das  Reisebudget und urlaubt dort, wo sein Name herkommt.

TEXT: GREGOR JOSEL

Die Versuchsanordnung verlangt, zugegeben, ein wenig Fantasie, ist aber in ihren Grundlinien watscheneinfach. Wir fahren auf Urlaub, bloß fahren wir nicht weg. Grundsätzlich bleibt alles gleich wie sonst auch im Sommer, von Kofferpacken über blumengießende Nachbarn bis zum eigenen fahrbaren Untersatz am Mazur-Parkplatz des Flughafens. Bloß besteigen wir in Schwechat keinen Flieger nach sonstwohin, sondern schwenken gleich in der Abflughalle einen Stock tiefer, tun so, als ob wir gerade angekommen wären, und marschieren schnurstracks zur Mietwagenausgabe, um einen schmucken Seat Ibiza auszufassen, der uns die nächste Woche als Auto zur Verfügung steht. Heuer geht es nämlich nach Wien. Tatsächlich hat unsere geliebte Heimatstadt so ziemlich alles, was man für einen entspannten, aber trotzdem aufregenden Sommerurlaub braucht, man muss nur eben versuchen, sie höchstselbst als Tourist zu sehen. Nichts fehlt, vom Strand über jegliche Art von kulinarischen Genüssen bis hin zu einem ausufernden Kunst-und-Kultur-Angebot sowie allen erdenklichen Sommersportarten. Auch Nachtleben gibt es, fremde Touristen sowieso.

Bloß das mühsame Akklimatisieren, wofür manch Sonderling (also, Leute wie mein Co-Chef Sauer zum Beispiel) schon mal locker eine komplette Urlaubswoche verbraucht, fällt weg. Die Wahl des Hotels fällt in Wien eher nicht so leicht, ganz abgesehen von der mulmigen Attitüde, seinen Heimatort zwecks Herbergsuche einzugoogeln. Airbnb fällt aus, man möchte ja nicht zufällig bei Schwiegermuttern auf der Couch landen.Also doch Tourist Information, denn vom günstigen Hostel bis zur 5SterneSuite jenseits der 10.000 Euro pro Nacht ist alles zu haben. Ganz frisch lernen wir das „Le Méridien“ kennen, das direkt am Ring fast vis à vis der Staatsoper zur Homebase des Sommerurlaubs wird. Kunst und Lifestyle sind in diesem Haus allgegenwärtig und jeden letzten Donnerstag im Monat kann man bereits am späten Nachmittag zum Afterwork-Clubbing das Tanzbein schwingen. Nach dem Einleben und den ersten paar Gin Tonics in der Hausbar ist Strandurlaub angesagt. Verblüffend, wie viele kleine und feine sandige Buchten es auf der Donauinsel gibt, genuines Adria-Feeling kommt im Adria Wien, in der Strandbar Hermann, beim Vienna City Beach Club oder dem City Beach am Donaukanal auf. Ganz Jesolo-Style bis in den Sonnenuntergang, wonach ganz Ibiza-Style gleich die gute Party losgeht. Der zweite Tag bringt Abenteuer beim Wakesurfen im Strandbad Kritzendorf mit eigener Wakesurfbase. Der dritte Tag ist, wie übrigens erfahrungsgemäß ebenfalls überall auf der Welt, verregnet, also kommt Kulturlaune auf. Es empfiehlt sich ein Abstecher in den Untergrund zur Dritte Mann-Tour, dort ist es nicht nur von oben trocken, sondern auch angenehm kühl. Noch kühler wird es bei einer Mountainbike-Tour durch den Wienerwald oder einem Kletterausflug zum Waldseilpark am Kahlenberg, womit das umfangreiche Bewegungsprogramm des Urlaubs sozusagen in einem Tag abgehandelt wird. Nicht mal zum Fallschirmspringen muss man die Stadt verlassen, da reicht ein Kurztrip in den Wurstelprater: Im „Windobona“ kann man Indoor-Skydiven.

Das Kino im Allinclusive-Resort tauschen wir gegen das Filmfestival am Rathausplatz, das Programm dort kann sich mindestens so sehen lassen. Und punkto Kulinarik fehlt es in Wien sowieso an nix (wie man auch vom normalen Daheimsein weiß). Vom Dinner mit Aussicht im Donauturm über Streetfood am Strand sowie Heimisches auf den zahlreichen Märkten bis hin zur gediegenen Haubenküche in der Inneren Stadt – und zum Heurigen nehmen uns die neuen Freunde aus Hamburg mit, die waren schon öfters da. Schneller um, als man glaubt, so eine Woche Wien-Urlaub.

Gefallen hat es jedenfalls – wir kommen bald mal wieder!

Beach und Surfen. Um am Strand zu liegen und ab und an zum Surfen zu gehen, muss man nicht weit wegfahren Naschmarkt, Wien, 2009, Copyright www.peterrigaud.com Hoch hinaus und tief hinunter. Ob Indoor-Skydiving im Windobona oder unter Stadt bei der Dritte Mann Tour – Wien bietet perfekte Sommerunterhaltung auf allen Ebenen.
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Hoch hinaus und tief hinunter. Ob Indoor-Skydiving im Windobona oder unter Stadt bei der Dritte Mann Tour – Wien bietet perfekte Sommerunterhaltung auf allen Ebenen.

Fotos © Maximilian Lottmann (3), Getty Images (1), WienTourismus / Christian Stemper (2), WienTourismus / Peter Rigaud (1), Wind-o-bona (1)