Mode

Elvira Trevira: Beinfleisch

„Hot in the City“ sang Billy Idol schon vor 35 Jahren – er hatte ja keine Ahnung. Die weibliche Bevölkerung hat es etwas einfacher die Hitze auszutricksen, ein luftiges Baumwollkleidchen, zarte Sandalen, die Haare raufgesteckt und schon sieht man chique aus. Aber die Buben?

von Elvira Trevira

Männer hingegen, sind bei solchen Temperaturen wirklich bemitleidenswert. Gut konnte ich die sommerlichen Modesünden von meinem Stammcafè auf der Rotenturmstraße beobachten. Zweite Reihe fußfrei – man will dann doch nicht so nah am Volk sein. Da schleppten sich erschöpfte Banker und Anwälte, fest in ihre Anzüge gepackt, gnadenlos transpirierend, die Hemden klebten bereits vollflächig am Rücken, zum nächsten Termin. Die Krawatten hingen leblos von ihren feuchten Hälsen. Das Sakko, wie ein nasser Lappen über den Arm geschlungen – die Aktentasche drohte aus den verschwitzten Fingern zu gleiten. Mein Mitleid war grenzenlos.

Beinfleisch live

Andere hingegen nahmen den Kampf gegen die Hitze mit einem gewissen Maß an Nacktheit auf. Auch kein schöner Anblick. Beinkleider, die eher einer „Hot Pants“ denn einer City-Bermuda glichen, das Gemächt war kaum bedeckt, ließen mich errötend den Blick abwenden. Der „Wife Beater“ (Trägerleiberl) wurde zum Gebot der Stunde. Zwei Gruppen von Männern bevorzugen dieses Kleidungsstück. Die eine davon scheint ihre Leben im Fitness-Studio zu verbringen und stemmt unter Zufuhr von Steroiden täglich mehrmals 24 Bruttoregistertonnen, danach ist es offensichtlich nicht mehr möglich die Arme am Körper anzulegen. Die andere definiert sich über Tante Jolesch: „Was ein Mann schöner is’ wie ein Aff’, is’ ein Luxus“. Rücken-, Arm- und Beinbehaarung in verschiedensten Wucherungsgraden wurde uns diesen Sommer im Übermaß präsentiert. Retinaverletzungen waren vorprogrammiert.

Hitze führt zu einem Bekleidungsdilemma. Aber in Anbetracht der Temperaturen sei allen verziehen.