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Games – Uncharted: The Lost Legacy

Die „Uncharted“-Reihe ist seit zehn Jahren Garant für cineastische Premium-Action auf der Playstation. Nach dem fulminanten Ende der Serie mit „Uncharted 4“ im Vorjahr legen die Entwickler mit „Uncharted: The Lost Legacy“ jetzt doch noch ein Schäuferl nach.

Text: Markus Höller / Fotos: Hersteller

Was haben Playstation-Zocker auf der ganzen Welt wehmütig geseufzt, als am Ende von „Uncharted 4: A Thief’s End“ der über fast zehn Jahre ans Herz gewachsene Abenteurer Nathan Drake sein Kletterseil an den Nagel hing. Schließlich waren die Abenteuer rund um den Schatzjäger und seinen Partner Sully sowie seinen Bruder Sam jahrelang Garant für technische Exzellenz, gut getimtes Storytelling und großes Kino auf zwei Konsolengenerationen. Nun hat Entwickler Naughty Dog mit der Standalone-Expansion „Uncharted: The Lost Legacy“ einen ähnlichen Coup gelandet wie schon zuvor mit der Ergänzung „The Last Of Us: Left Behind“ zum gleichnamigen Blockbuster oder MachineGames mit dem Follow-up „The Old Blood“ zum Nazi-Shooter „Wolfenstein: The New Order“. Also ein Spiel, das alleine lauffähig ist und keine Vorinstal­lation eines Volltitels erfordert, dafür aber mit deutlich kürzerer Laufzeit und einem taschengeldfreundlichen Preis dennoch das gleiche hohe Niveau bietet wie Titel der Hauptreihe.

Premium-Action mit Frauenpower: Trotz der vergleichsweise kurzen Spielzeit spielt „Uncharted: The Lost Legacy“ qualitativ in der absoluten Oberliga.

Im konkreten Fall schlüpfen wir in die Rolle von Chloe Frazer, einer indo-australischen Schatzsucherin, die Kennern schon aus „Uncharted 2“ geläufig ist. Während in Indien ein Bürgerkrieg zu gären beginnt, macht sie sich mit ihrer angeheuerten Frau fürs Grobe, Nadine Ross, auf die Suche nach dem sagenumwobenen Stoßzahn der Gottheit Ganesh. Nadine Ross, die südafrikanische Söldnerin, gab in „Uncharted 4“ noch einen der Bösewichte, scheint nun aber geläutert. So weit das Setting. Klettern, originelle Rätsel lösen, Jeep fahren und dazwischen immer wieder Cutscenes und Landschaften, bei denen einem schlicht die Spucke wegbleibt – all das ist bekannt und wird in gewohnter Qualität geliefert. Auch das Pacing, die Charakterentwicklung und spektakuläre Over-The-Top-Action heißt man als verwöhnter Zocker im viereinhalbten Teil der Reihe herzlich willkommen. In 1080p und stabilen 60 Frames natürlich, Besitzer einer PS Pro können sich über natives 4K freuen. Ein ­Augenschmaus durch und durch! Auch wenn die konzeptbedingt knapp 10 Stunden Spielzeit doch recht schnell ein jähes Ende bedeuten, ­zumal manche Szenen ein wenig künstlich in die Länge gezogen und repetitiv wirken.

Was aber das wirklich Bemerkenswerte an dem Spiel ist: die Wahl der Hauptcharaktere. Über neun Jahre und vier Spiele (plus PS-Vita-­Ab­leger) wurde das Duo aus dem Helden und ­seinem Sidekick von zwei weißen Männern ­gestellt. Das hat Naughty Dog einiges an Kritik wegen mangelnder Diversität eingebracht, nicht zu Unrecht. Hier aber haben wir gleich zwei weibliche Hauptrollen, die noch dazu mit indischer respektive afrikanischer Ethnie sehr facettenreiche Persönlichkeiten einbringen. Und ein hinreißendes Äußeres. Abgerundet wird das Ganze noch durch das perfekte Voiceacting in der Originalfassung; Chloe spricht mit deutlich australischem Akzent, Nadine mit südafrikanischem. Ebenso ist ihr Kampfstil im Vergleich zum muskelbepackten Haudrauf von Nathan und Sully deutlich mehr von Selbstverteidigungs-Technik inspiriert, in vielen Teilen des Spiels wird ihre körperliche Unterlegenheit Männern gegenüber trotz aller Abgebrühtheit sensibel, aber deutlich dargestellt. Ein äußerst erfreulicher Ansatz, der im langen Schatten von Lara Croft gemeinsam mit jüngeren Beispielen wie beispielsweise Aloy aus „Horizon Zero Dawn“ eine erfrischend normale und sexismusfreie Perspektive zu weiblichen Videospielheldinnen bietet. Chapeau!

 

Infoporn
Entwickler: Naughty Dog
Publisher: Sony
Erschienen für: PS4
Spieler: Singleplayer, Multiplayer

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