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Lauda will NIKI zurück – schade!

Franz J. Sauer

Es fordert einem durchaus Respekt ab, mit welcher Konsequenz Niki Lauda seine Unberechenbarkeit zelebriert, schon sein ganzes Leben lang, egal ob im Sport, oder im Geschäftsleben. Aber dennoch wäre es uns lieber, wenn das, was er damit diesmal verhindern will, eintrifft …

von Franz J. Sauer

Kaum war die Air Berlin ins Trudeln geraten, meldete sich schon Österreichs Nummer Eins-Luftfahrt-Experte zu Wort. Niki Lauda gab, überraschend wie stets, wenn der Mann mit den gefühlt 1000 Leben vor den Vorhang tritt, bekannt, eventuell seine Gründung „NIKI“ aus der Insolvenzmasse zurückzukaufen. Ebenso reflexartig meldeten sich emsig Vertreter der beiden Lager „Niki-Fan“ und „Lauda-Feind“ dazu zu Wort. Lauda sei ein „Dampfplauderer“ als Airliner,  gab die Online-Luftfahrerpostille Austrian Wings zu Protokoll. Lauda sei wiederum der einzige, der erkenne, was da von der Lufthansa im Speziellen und den Deutschen im allgemeinen orchestriert werde, konstatierte Ex-Standard-Chef Gerfried Sperl in NEWS. Nämlich, dass ein Monopol der Lufthansa in Deutschland und Österreich – und darauf liefe es hinaus, wenn der germanische Luftfahrtriese die marode Air Berlin schnupft – eine, so Lauda: „Katastrophe“ wäre.

Warum, ist jedem Nachwuchs-Kapitalisten klar: Marktbeherrschende Stellung, die Preise steigen, weil keine Konkurrenz und alles wird wieder so wie früher. Ausserdem: es geht dem deutschen Branchen-Riesen bei seinem Appetit auf den insolventen Billigflieger vor allem um die lukrativen Lande-Slots. Und anderem auch in Wien. Letztlich das würde in Zentraleuropa eine gewisse Alleinherrschaft ergeben. Und das Fliegen für uns Konsumenten wieder teurer machen. Warnendes Zitat eines deutschen Funktionärs: „Wir können uns noch gut daran erinnern, als ein Flug von Wien nach Frankfurt 700 Euro kostete …!“

Hm. Schlecht?

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Lassen Sie mich ausholen – dereinst war Fliegen ein Luxus. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als es für uns Youngsters ein Abenteuer war, mit irgendwelchen Freunden, die wegfliegen, – huhuu! – auf den Flughafen hinaus zu fahren. Der „Jetset“ hatte damals seinen Namen noch aus den wortursprünglichen Gründen. Und zum Flugticket dazu gab es eine Menge Luxus: gemütliche Sitze, feudales Essen, freundliche, zuvorkommende Air-Hostessen und ein unwiderstehliches Gefühl von Fortschritt. All das freilich zu angemessenen Preisen. Die es einen, zugegebenermaßen, sich zwei- bis dreimal überlegen ließen, schnell mal übers Wochenende nach Barcelona zu jetten. Oder in den Urlaub nach Bangkok anstatt auf die Norwegerwies’n in Kaltenleutgeben.

Geschäftsmodell?

Ausserdem, so der Hobby-Wirtschaftler in mir: hat es nicht einen Grund, warum das Geschäftsmodell der sogenannten „Billig-Airlines“ nach und nach zu „Groundings“ der genannten führt? Wer erinnert sich noch an „Sky Europe“? Oder an „Hapag-Lloyd“ (aus der ja später, mehr oder weniger, NIKI erwuchs)? Bloß die Anbieter, die an einen großen Konzern angeschlossen sind (also Germanwings oder Aer Lingus) scheinen aufgrund der Liquiditätsbasis ihrer Mütter zu überleben. Und „RyanAir“ bildet hier wohl die regelbestätigende Ausnahme.

Meinetwegen darf Fliegen wieder angemessen kosten. Das würde mir als Flug-Muffel mit latenter Flugangst auch wieder mehr Gefühl von Sicherheit geben. Ich würde nicht mehr wie im keltischen Hockergrab hocken, nicht mehr nicht mal den Klapptisch runterklappen können, weil dort, wo er hin soll, mein hochgewinkeltes Knie stehen muss und mich von einer Mikro-Packung Chips verarschen lassen müssen, die anstelle des ehemals feudalen Menü von den genervten Stewardessen, hm, „serviert“ werden. Man könnte dann vielleicht auch wieder im Garten sitzen, ohne dem Dauergrollen von drüberfliegenden Luftbussen, was freilich auch einen interessanten Scheinwerferstrahl auf das Thema Umweltschutz wirft. Selbst wenn alle, die jetzt per Billigflieger in den fernen Süden jetten, mit dem Auto urlauben, erzeugen sie kumuliert niemals den Schadstoffausstoß, den das ganze Gefliege verursacht.

Abgesehen davon wünschen wir Niki Lauda bei seinem aktuellsten Vorhaben viel Glück. Denn trotz unserer These zählen wir uns grundsätzlich eher zu Team Niki.