Interview

Hannes Eder: Hauptsache Rock ‘n’ Roll

Gerade war er noch in der Wiener Staatsoper, weil er etwas mit seinem neuen Projekt .nunc checken musste, einem geplanten Streamingdienst für Opernübertragungen. Nun sitzt er entspannt auf seiner Terrasse und schaut hinunter auf das Belvedere. Hannes Eder ist vor ein paar Wochen 50 geworden und erinnert sich im Gespräch an die wilden Zeiten der Jugend.

Interview: Manfred Rebhandl / Fotos: Maximilian Lottmann

Eine schöne Aussicht haben Sie hier. Ist das das Belvedere?
Ja klar. Und da unten, das ist der Secret Garden der Schwarzenbergs. Ein Jahr lang hat es gedauert, bis ich den Schlüssel dafür gekriegt habe. Wollen Sie Apfelkuchen? Hab ich gerade noch gekauft.

Gut gemacht. Ist der ewige Punk angekommen in der besseren Gesellschaft?
Na ja. Wichtig ist der Garten, auch weil meine Söhne dort unten Fußball spielen können. Wir sind aber eh immer die Einzigen, sonst geht dort kaum einer rein. Sind Sie sicher, dass Sie keinen Apfelkuchen haben wollen?

Na gut, ein Stück bitte.
Hätte ich früher gewusst, dass Sie kommen, hätte ich selbst einen gemacht! Ich bin nämlich sehr gut im Apfelkuchenmachen. Aber das zeige ich dann erst, wenn ich 60 bin, bei „Willkommen Österreich“.

Jetzt sind Sie gerade 50 geworden, gratuliere herzlich. Wie ist die Selbstwahrnehmung den eigenen Körper betreffend?
Die ist sehr gut, danke. Zwar haben wir, also die Mitglieder meines neuen Bandprojekts Totgeglaubt, neulich nach einem Fototermin beim Götz Schrage gesagt: So, jetzt schauen wir wirklich so aus, wie wir als Junge immer ausschauen wollten – verlebt, verschlissen, verwegen. Man hat ja früher alles getan, damit man nicht jung ausschaut! Aber das passt schon jetzt, ein bisserl Sport muss ich halt wieder mal machen, da bin ich irgendwie der Yo-Yo-Typ, so wie beim Nichtrauchen. Mal hab ich den Antrieb dafür, dann wieder nicht. Im Mai bin ich wieder ganz vom Gas gestiegen, jetzt muss ich wieder mal anfangen, aber nicht, weil mir die Hosen nicht mehr passen.

Es gab viel zu lachen in seinem Leben. Seine erste Vespa kaufte er einem Einbeinigen ab. Ob es das Bein für die Bremse war, weiß er nicht mehr. Manfred Rebhandl (l.) im Gespräch mit Hannes Eder.

Die passen eh gut!
Eh. Und die Ärzte sind noch zufrieden. Der Körper hat ja ein besseres Gedächtnis als manches Gehirn. Wenn man schon mal trainiert hat, geht’s ja dann wieder leichter.

Sie hatten auch mal richtig Muckis?
Nicht wie der Düringer.

Muckis durchs Surfen, was Sie gerne tun. Wann fangen Sie mit Golf an?
Eigentlich hatte ich das für die nächsten Jahre fix eingeplant, aber seit ich weiß, wie sehr man sich damit den Körper ruinieren kann, insbesondere den schlimmen Rücken, schieb ich das also für die Zeit nach 70 hinaus.

Oder Sie bleiben überhaupt beim Apfelkuchenbacken.
Kann auch sein.

Wie ist die Selbstwahrnehmung den Geist betreffend? Noch alles frisch und wach?
Das glaube ich schon. Wenn man rechtzeitig aufhört, sich regelmäßig wegzuschießen, was man ja vernünftigerweise tut, sobald man gemerkt hat, dass man die letzten fünf, sechs Mal immer als Letzter aus dem Flex gekommen ist, dann bleiben ja eh ein paar Gehirnzellen übrig. Ich bin also noch gut ausgestattet und mache nach meinem Time-out jetzt einerseits das Künstlermanagement und Label Phat Penguin und andererseits arbeiten wir mit dem startup .nunc an einer Live-Streaming-Plattform für Opern.

Sie haben ja auch bisher schon einiges hineingepackt in Ihr Leben, beginnend als kleiner Hannes in Katzelsdorf …
Wo der Bach mitten durch den Ort fließt, am ­Gänseweiher entlang, wo man aufpassen musste, dass man nicht hineinfällt, und wo auch mal eine ausgewachsene Sau, oder war es ein Eber, durch den Ort gelaufen ist, ein Riesenvieh jedenfalls, wenn man klein ist. Heute, wenn ich dort hinkomme, ist alles wie frisch staubgesaugt.

Für den Dreck fuhren Sie nach Wr. Neustadt und wurden Punk, dann Mod. Oder umgekehrt?
Richtig, als einer von anfangs vielleicht zwei, und Punk oder Mod, da war die Trennung nicht so stark, auch musikalisch nicht. Jedenfalls war das ein interessantes Leben, wenn man selbst zu den zwei Punks gehört hat, die anderen aber zu den Jeans­jacken-mit-Ledergilet-drüber-Typen, die auf der Zündapp oder Puch Monza die Gegend unsicher gemacht und gerne auch mal die Zeltfeste aufgemischt haben. Typen, die an der Bar standen und „Hey Mickeymaus, mogst a Rüscherl?“ zu den Mädchen sagten.

Sie fuhren eine Vespa, keine Zündapp. Wie haben Sie die finanziert?
Durch meiner Hände harte Arbeit. Ich habe in den Ferien bei der Firma Lenikus, die da he­rumtingelte und Garageneinfahrten asphaltierte, mit angepackt und damals unfass­bare 14.000 Schilling damit verdient, inklusive Überstunden. Die Vespa kostete 6.000.

Sie standen also im weißen Unterleiberl in der prallen Sonne und trugen Asphalt auf? Ein schöner Anblick für die Mädels?
Na ja, nicht für alle. Viele fuhren ja auch gerne auf der Zündapp hinten mit oder tranken Rüscherl mit den Typen an der Bar. Ich hatte auch wenig Zeit, und ich war ja auch Kopfmensch, hatte neben der Schule einen weiteren Job mit bereits 16 bei den NÖN, wo mir ein Rayon übertragen wurde. Ich habe über Gemeinderatssitzungen ­berichtet, Weinköniginnen, und auch über die Eröffnung eines Theodor-Kery-Hofs in Neudörfl, was damals sogar ein kleiner Skandal war.

Weil Neudörfl im Burgenland lag?
Nein, weil der Kery noch gelebt hat! Oder so irgendwas.

Dann haben Sie nicht weiter asphaltiert, weil Sie zuvor schon die erste Band gegründet hatten, als 13-Jähriger. Warum?
Es gab einfach viele Proberäume damals, die hatten etwas Anziehendes. Man war dort mit den ein paar Jahre Älteren, und die Räume waren versifft und man durfte rauchen, was heute alles verboten ist, dafür ist alles vollgestellt mit irgendwelchem Zeug. Eine Band namens X-beliebig, die Joy ­Divison von Wr. Neustadt, weil schweigsam im Gespräch und stumm in Interviews, war prägend. Ich muss aber auch erwähnen, dass einige der mich damals sehr inspirierenden Künstler bzw. Genies heute noch mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen haben.

Früher konnte er kaum Ruhe geben, nun sitzt er auch mal im Secret Garden der Familie Schwarzenberg. Dort schaut er seinen drei Söhnen beim Fußballspielen zu, danach gibt es selbst gebackenen Apfelkuchen.

Viele andere haben erst gar nicht überlebt.
Hätte mir auch passieren können! Aber irgendwann in den 20ern habe ich dann doch bemerkt, dass das Joey-Ramone-Rock’n’Roll-Verhalten in Richtung lebenslanges betreutes Wohnen führt, bestenfalls.

Wie kam die Band zustande?
Wie fast alle Bands wurden Dr. Steiff und später The Bates „by talking“ gegründet. Der Gitarrist stand fest, der war am Konservatorium und unbestritten. Ich hatte mal eine glockenhelle Stimme im Schulchor, aber die war mir gerade abhanden gekommen, also verweigerte man mir auch das Mikro. Blieb der Bass, ein cooles Instrument. Mein erster war von Cimar um 3.000 Schilling.

Haben Sie damals den Bass weit heroben mit den Fingern gespielt, so wie John Entwistle von The Who?
Ganz sicher nicht! Der Bass musste unbedingt ganz tief bei den Knien unten hängen, also spielte ich mit Plektrum.

Wer gab den Takt an? Das Schlagzeug oder der Bass?
Eine alte Weisheit im Business lautet: Zwischen Schlagzeug und Bass darf kein Blatt Papier passen. Zwischen Schlagzeuger und mir war am Anfang natürlich einiger Abstand, aber das hat sich schnell gebessert. Unser Schlagzeuger war dann später zehn Jahre beim Hubert von Goisern, der beherrschte sein Instrument also wirklich.

Nahmen Sie selbst Unterricht?
Ja, Blockflöte! Und dann sieben Jahre Jazztrompete. Mit der hatte ich mein erstes Casting bei der Blaskapelle, wohin mein Vater mich ­schickte. Ich dachte, das mache ich jetzt einfach besonders gescheit und spiele schlecht, damit sie mich nicht nehmen, aber nicht so schlecht, dass es jemandem auffällt. Nach dem Vorspielen sagte der Blaskapellmeister zu mir: Super, am Donnerstag ist nächste Probe. Da hab ich mir gedacht: Sicher nicht! Bin nach Hause und habe dort deponiert, dass das für mich nichts ist. Auch weil ein Schulkollege, dessen Eltern ein Reisebüro hatten, damals schon öfter nach London fuhr und mit Einkaufslisten eingedeckt wurde, Platten und Kleidung. Der brachte die Pistols mit, die Damned, die Sham 69, die Clash.

Gabs auch Platten im Schrank der Eltern?
Neil Diamond, Françoise Hardy, eine damals wirklich sehr erotisch wirkende Frau. Ich war elf oder zwölf. Dann gab es eine Singles-
Collection ohne Covers, ich wusste also nicht, wie „fat“ Fats Domino wirklich war, hörte ihn aber gerne. Aber auch Gus Backus, Peter Kraus, Caterina Valente. Lustigerweise gab es weder Stones noch Beatles, die musste man sich dann selbst erarbeiten. In einem Urlaub im damaligen Jugoslawien fand ich auf einem Campingplatz mal eine Jukebox, und dort entdeckte ich „Satisfaction“. Als ich meiner Mutter begeistert davon erzählte, sagte sie: „Ach, das ist ja total alt!“ Mit 14 hörte ich Dave Brubeck und Reggae in ­Wiesen, das ja bei uns um die Ecke lag, also alles quer durch die Bank.

Wo traf man sich außerhalb des Probe­raums?
Einerseits auf Privatpartys. Ich selbst gab mindestens zwei legendäre, an die ich mich gar nicht mehr erinnern ­konnte. Aber erst kürzlich machte mich wieder einer bei einem Erwachsenenabend darauf aufmerksam: Kannst du dich noch erinnern, wie die – ich sage jetzt mal X – nackert aus dem Bad herausgekommen ist und gesagt hat: „Wer mich jetzt will, kommt mit!“

Haben Sie aufgezeigt?
Leider nicht schnell genug!

Irgendeinen Rat an den eigenen Nachwuchs, den Umgang mit Mädels betreffend? Schneller aufzeigen vielleicht?
Eventuell. Aber zunächst mal: Geduld ist wichtig! Und dann noch: Was vor zwei Uhr in der Früh nicht passiert, das passiert nicht mehr. Und nie die Kellnerin anbaggern! Die muss nämlich länger arbeiten, als du an der Bar stehen kannst. Obwohl, da hab ich auch schon mal die eine oder andere Ausnahme gesehen. Aber im Ernst jetzt: Ich versuche meinen Söhnen respektvollen Umgang mit dem anderen Geschlecht bzw. Menschen generell zu vermitteln. Was denn sonst? Nur bei übertrieben versteifter PC- und Gender­manie kommt mir vielleicht mal eine Zwischenbemerkung aus. Extrem wichtig für uns war auch das Café Wenninger, eine wirklich gute Hütte. Der Chef dort hat „der Schräge“ geheißen, weil er immer so schräg an seinen Automaten gelehnt ist, ein eigentlich aufgeschlosser und liberaler Mensch. Er hat alles erlaubt, nur halt nicht, dass Mädels Billard spielen dürfen, und zwar Karambol, nicht dieses Lulu-Billard. Da sind auch 100 Zeitungen herumgelegen, natürlich auch „Der Kamerad“, aber auch Internationales. Und dann sind da gesessen auf einem Tisch die Mods und Punks, und am nächsten die Trankler, am nächsten die Schachspieler, dann die Philatelisten, eine sehr gute ­Mischung. Zweimal wurde ich streng abgemahnt, weil ich einem Mädchen das Queue gegeben habe. Später haben wir zu den Eltern immer gesagt, dass wir ins Wenninger gehen, sind aber mit älteren Freunden mit dem Auto nach Wien gefahren.

Ins U4?
Richtig. Montag und vor allem Mittwoch mit Werner Geier waren die heißen Nächte. Türsteher Conny hat natürlich gemerkt, dass wir alle noch nicht ganz volljährig waren, aber er hat uns gemocht. Und das war dann überhaupt das Lässigste, wenn der uns an 40 Leuten vorbeigewunken und hineingelassen hat, weil wir so gut ausgeschaut haben. Der endgültige Transfer in eine der WGs in Wien, die man dann schon kannte, war fließend, mit 17 war ich raus bei den Eltern.

Wow. Haben Sie nur gut ausgeschaut und Radau gemacht oder auch gelesen z.B.?
Mit 16 hatte ich den ganzen Bukowski durch, mit 14 schon irgendwas von Leonhard ­Cohen. Das war verstörend, ich konnte es noch nicht einordnen, aber es hat etwas mit mir gemacht. Ich habe überhaupt extrem viel gelesen! Ich hatte das Große Kinderlexikon A-Z und hab es von A bis Z gelesen. Ich habe mit meinen Großeltern auch viel über „den Krieg“ geredet, habe mir Bücher über deutsche Kriegsführung, Panzer und so Zeug reingezogen. Nicht weil ich in diese Richtung tendierte, sondern weil mich damals einfach alles interessierte.

Zukunftsperspektive: 50 bewegte Jahre liegen hinter ihm, nicht alle seine Freunde haben die wilden Jahre überlebt. Der Blick ist aber nach vorne gerichtet: Nach Christina Stürmer will er nun einen Opern-
Streamingdienst zum Erfolg führen.

Politik spielte eine Rolle?
Eine große! In meiner Familie gab es mehrere Funktionäre in der bürgerlichen Ecke, also ÖVP. Mein Vater war ja auch Bürgermeister in meinem Heimatort. Später – aber deutlich vor Kurz – ist er dann mit seiner neuen „Liste Katzelsdorf Lebenswert“ angetreten. Er war sozusagen ein bürgerlicher Grüner, nur dass es die Grünen damals noch nicht gegeben hat!

Trotzdem fuhren Sie eine Vespa und kein Fahrrad?
Sie war orange, als ich sie kaufte, wurde dann aber sofort schwarz umgefärbt. Gekauft übrigens von einem Invaliden, dem ein Bein gefehlt hat.

Das für die Bremsen?
Gute Frage, hm. Nein, ich glaube eher das andere. Der Lack war jedenfalls ziemlich ruiniert an den Stellen, wo er immer die Krücke aufgelegt hatte.

Hört sich nach glücklicher Pubertät an, alles in allem.
Nein! Schreckliche Jahre, in denen Begehren auf keine Antwort trifft! Später weiß man aber, dass diese dunkle Phase von einer nachfolgenden hellen getoppt wird – wenn man nicht alles falsch macht –, und die ist deutlich länger als die dunkle. Maybe by 10 times!

Die Haare waren lang damals?
Mit 16 ganz kurz, mit 20 bis zur Brust, leicht gewellt.

Mit Produkten?
Die Produkte kamen von selbst dazu, sie hießen Dreck und Schweiß und beförderten das Gewellte. Gerochen haben wir damals vermutlich nicht so gut, was aber wurscht war, weil alle anderen auch nicht so gut gerochen haben. Mitte 20 schnitt ich sie dann ab.

Da waren Sie dann immer frisch geduscht und längst Hausmeister im „House of Pain“ auf FM4 …
Ein knochenharter Job, Nachtarbeit ja auch.

Wie gehen Sie mit Schmerz um? Reden Sie mit jemandem oder gehen Sie gleich in die nächste Bar?
Früher: zuerst natürlich in die nächste Bar! Und dann reden. Heute: reden, und dann in die Bar! Jedenfalls bin ich nicht der „Ich gehe jetzt mal zu meiner Kiste Bier in den Keller“-Typ. Das Wichtige beim Leiden ist ja die Bar! Denn dort ­entwickeln sich ja auch wieder neue Perspektiven.

Andere Mütter haben auch schöne Töchter?
So ungefähr. Schmerz ist natürlich nie leiwand, muss man ehrlich sagen. Aber mit den Jahren entwickelt man einen gewissen Umgang damit, hoffentlich.

Und man kennt ein paar Bars. Gibt es Leute, auf die Sie hören, oder sind alleine Sie der Chef in Ihrem Leben? Natürlich höre ich auf Freunde oder Partner, alles andere wäre ja absurd. Auch als Chef habe ich es immer so gehalten, dass ich mir die Meinungen anderer angehört habe.

Wie wichtig sind Männerfreundschaften?
Sehr wichtig. Ich habe ja Freunde, die kenn ich, seit ich zehn bin. Und es kommen in späteren Jahren ja nicht mehr so rasend viele dazu, wobei schon auch, und wirklich gute Freundschaften. Aber es hat eine ­eigene Qualität, wenn man gemeinsam 40 Jahre durchgestanden hat. Wichtig bei Männerfreundschaften ist: nie in größeren Gruppen ins Wirtshaus gehen!

Gibt es Neider, Schnorrer, Missgünstige?
Hm, die wird es schon geben. Wir waren ja mit der Band oft eine riesige Partie, zu unseren Konzerten sind bis Budapest oft 200 Leute mitgefahren. Aber nicht jeder hat dann die Kurve gekriegt, manche sind ja auch früh stehen geblieben, wie man so schön sagt. Da gibt es sicher welche, die jetzt sagen: Der Eder ist aber arrogant ­geworden!

Tut weh?
Na ja, bei mir ist es so wie bei allen anderen Menschen auch: Wir wollen alle nur geliebt werden! Auch wenn die aufgestellten Stacheln oft etwas anderes signalisieren, innen drinnen geht’s immer nur darum.

In Beziehungen: Sind Sie eher der kon­trollierende Typ oder mehr Laisser-faire?
Augenhöhe, sage ich. Augenhöhe!

Darf sie alleine fortgehen?
Na hallo! Ich gehe ja auch alleine fort!

Darf sie ins Handy schauen?
Wenn sie unbedingt will. Man darf nicht vergessen, dass man selbst mindestens 50 Prozent zum Gelingen einer Beziehung beitragen muss. Und wenn man anfängt, den anderen zu belügen, dann belügt man sich ja selbst. Und dann ist eh bald alles aus.

Abschließend: Sie haben hier eine schöne Vinyl-Sammlung mit Blick auf das ­Belvedere. Ich greif jetzt mal einfach so hinein, und Sie sagen mir, was Sie mit der Platte verbinden, okay?
Gut. Ah, The Pogues! Okay, also die habe ich wirklich oft gesehen, ich war ein großer Shane-MacGowan-Fan. Einmal haben wir zusammen in Wien, ich glaub, im Scandic Crown, ihr Konzert nachbesprochen. Das Faszinierende war, dass zwischen Bar und Klo eine Glasschiebetüre war, in die der Shane jedes Mal – ich wiederhole: jedes Mal! – hineingelaufen ist, beim Hineingehen und beim Zurückkommen, und er ist oft aufs Klo gegangen. Irgendwann hatte er schon ein Cut. Sein Schicksal hat mich auch tief berührt und soll allen jungen Menschen eine Mahnung sein: Keine Zähne haben ist das eine. Aber sich sein Hirn weggesoffen zu haben, ist was ganz anderes.

Hannes Eder, 50, wurde im niederöster­reichischen Katzelsdorf ­geboren. Bereits mit 13 gründet der Musikbegeisterte seine erste Band Dr. Steiff. Er war Bewohner des „House of Pain“ auf FM4, dann wechselte er in die Industrie und wurde Chef von Universal Austria. Größere Bekanntheit erlangte er durch seine Jury-Tätigkeit bei „Starmania“, wo er Christina Stürmer zum Star machte. Nach einem Jahr Pause meldet er sich mit neuen Projekten zurück. Er hat drei Söhne und lebt in Wien.