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Stadtbild – Winterschanigärten

Seit genau einem Jahr dürfen Wiener Lokale von Dezember bis März Winterschanigärten betreiben. Wir fragten nach, ob die „kleine Winteröffnung“ der Schanigärten bei den Gästen beliebt ist und was sie den Wirten bringt.

Text: Sarah Wetzlmayr / Fotos: Maximilian Lottmann

Was dem Kleingartenbesitzer sein Kleingarten, das ist dem Wiener ohne Grundbesitz in Form eines thujen­bepflanzten Schrebergartens der Schani­garten seines Vertrauens. Hier werden nicht nur ordentlich Leute ausgerichtet, man rutscht an heißen Juli- und August­tagen auch biertrinkend in einer kleinen Schweißlacke am Plastiksessel hin und her und erfreut sich daran, mittendrin statt nur dabei zu sein.

Kaum verwunderlich also, dass bei ungefähr 3.000 Schanigärten in Wien in den Sommermonaten kaum ein Tisch unbesetzt bleibt. Seit Anfang Jänner 2017 dürfen Schanigärten im Zuge der „kleinen Winteröffnung“ bei Einhaltung einiger festgesetzter Bestimmungen auch von Dezember bis März in Betrieb genommen werden. Zu diesen gehört etwa, dass die Tische und Sessel bis 23 Uhr weggeräumt werden ­müssen. Auch ein Grund dafür, dass Alan ­Bandini, Betreiber des Lokals burg.ring 1, nur einen Teil seines Schanigarten-Mobi­liars im Winter draußen stehen lässt. „Die kleine Version reicht uns, da wir den ­Garten um 23 Uhr schließen müssen und gar nicht wüssten, wohin mit den vielen Stühlen und Tischen, wenn es im Lokal gesteckt voll ist“, erklärt Bandini.

Zehn Quadratmeter dürfen es im Winter sein, und die genügen Alan Bandini auch, der die Miniaturaus­gabe seines Außenbereichs eher als reinen Kundenservice betrachtet: „Wir sind ein Nichtraucherlokal und bieten den Leuten so die Chance, es sich draußen ein wenig angenehmer zu machen.“ Es geht ihm dabei weniger um die Steigerung des Umsatzes als um jene des Komfortlevels, der mit den ebenfalls vorhandenen Heizstrahlern und Decken nochmal ordentlich angekurbelt wird. Doch nicht nur die Raucher profitieren – auch der gefürchteten Luftwatschen entkommt man bei Konsumation seines ­alkoholhaltigen Getränks im Freien ganz geschickt.

174 Lokalbetreiber haben bislang einen ­Antrag auf Bewilligung eines Winter­schanigartens eingereicht oder bekamen diesen, wie Herr Bandini, bereits genehmigt. Bleibt nur noch abzuwarten, wie sehr die Klimaerwärmung in diesem Jahr auch die Herzen aller treuen Schanigarten-Fans erwärmt.