VW Touran 1.6 TDI BMT: Intensivtest

Der arbeitsame Wolfsburger verrichtet sein Tagewerk nun mit neuer Optik. Wir erlebten den Touran als sehr talentiertes Langstreckengefährt. Wie sich dabei der 105 PS starke 1,6 TDI BlueMotion Technology geriert, lesen Sie hier.

Pragmatisch, schnörkellos, ausgereift: so präsentiert sich der neue VW Touran im autonet-Intensivtest. Leichte Enttäuschung beim Verbrauch des 1.6 TDI mit BlueMotion-Technology.
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Volkswagen24.01.2011 | 00:00 Christian Zacharnik(autonet)

Pepper Grey Metallic. Unser Fotograf stöhnt. Bei diesem Wetter sieht man ja nicht wo das Auto aufhört und der Himmel anfängt. Zum Glück hat´s dann doch zwischenzeitlich ein wenig aufgerissen. Das Auto jedenfalls ist doch recht deutlich auszumachen auf den Fotos. Aber stimmt schon: Ist´s grau in grau, ist diese Farbe der Produktion von stimmungsaufhellenden Hormonen nicht gerade zuträglich. Der dem Kunden dafür abverlangte Aufpreis von rund 540 Euro auch nicht. Und wenn wir schon beim Sudern sind: Stahlfelgen mit Radkappen . . . Der Frühling gehört her, eindeutig. Wir wollen endlich wieder Miniröcke und Alufelgen! Sie sehen, der Winterblues hat uns voll im Griff!

Da weiß man, was man hat
Aber die Farbe ist ja eine Variable. Widmen wir uns der gestalterischen Konstante des neuen Touran: auch er tritt nun im neuen Markengewand des Konzerns auf. Geradlinig, seriös, schnörkellos mit einem leichten Hang zur Humorlosigkeit. Das aber sei dem Touran nicht negativ ausgelegt – ganz im Gegenteil. Es ist ja diese Attitüde, die dem Touran die Kundschaft in Scharen in die offenen Türen treibt. Um es mit einem alten Claim auszudrücken: Da weiß man, was man hat. Und wer via Automobil Frohsinn verbreiten möchte, kann das ja mit dem Nissan Juke tun. Aber ehrlich gesagt haben wir da auch schon mehr gelacht. Der Touran jedenfalls macht keinen Hehl aus seiner ihm zugewiesenen Bestimmung: ein überaus praxisorientiertes Fahrzeug zu sein, vorzugsweise für Zweikindfamilien, die auf Bewährtes und hohen Wiederverkaufswert setzen und dem Faktor Emotion nicht all zu viel Platz einräumen.

Variabler, großzügig dimensionierter Innenraum
Kaum Wünsche bleiben beim Innenraumangebot offen: Der Kofferraum fasst 700 Liter und ist aufgrund seiner niedrigen Ladekante und ebenen Beschaffenheit sehr angenehm zu beladen. Mit einer Ladetiefe, -höhe und -breite von jeweils mehr als einen Meter wird man im Alltag nur selten in die Verlegenheit kommen, die zweite Sitzreihe umklappen zu müssen. Wenn doch, gibt es drei Möglichkeiten: einfach die Lehnen umlegen, was allerdings keine ebene Fläche erzeugt, die Sitze ganz nach vorne klappen, was ein wenig zulasten der Ladetiefe geht, oder ganz ausbauen, was aufgrund des relativ hohen Gewichts der Einzelsitze einiges an Muskelkraft abverlangt. Entscheidet man sich für letztere Option, können rund 2.000 Liter Ladevolumen befüllt werden. Damit sollte dann aber allen Anforderungen gedient sein.

Feines Reisegerät
Dass die Sitze, wie bei der ein oder anderen Konkurrenz, nicht im Boden versenkt werden können, hat einen Grund: das Gestühl fiele sodann filigraner und weit weniger ausladend aus. So aber bietet der Touran im Fond äußerst komfortables Gestühl mit langer Sitzfläche und angenehm hoher Rückenlehne. Die Beinfreiheit ist gut bemessen und gibt auch großgewachsenen Hintensitzern kaum Anlass zu Klage. Die hohe Sitzposition dient vorn einer guten Rundumsicht. Hinten freuen sich vor allem Kinder über die Möglichkeit der regen Anteilnahme an der vorbeiziehenden Landschaft. Zahlreiche Ablagefächer und in die Rückseite der vorderen Sitzlehnen integrierte, serienmäßige, klappbare Picknick-Tische komplettieren das Bild vom Touran als ausgewiesenes Familienreisetalent. Nicht ganz so sparsam wie erwartet
Dazu trägt auch der von uns gefahrene 105 PS starke 1.6 TDI maßgeblich bei. Dank lang übersetzter Sechster zeichnet sich der Commonrailer bei Autobahngeschwindigkeit durch äußerste akustische Zurückhaltung aus. Die ab 1.500 Touren einsetzenden 250 Newtonmeter sind ein Garant für absolut ausreichenden Durchzug. Im Langstreckentest wies der Bordcomputer des Touran unter strengster Einhaltung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit einen Durchschnittswert von 6,5 Liter aus. Per se ein akzeptabler Wert. Eingedenk der Tatsache, dass uns VW im Datenblatt außerorts einen Durchschnittsverbrauch von 4,1 Liter in Aussicht stellt, können wir eine gewisse Enttäuschung nicht verhehlen. Auch innerstädtisch liegen wir trotz tadellos funktionierender Start-Stopp-Automatik und Befolgung der Schaltpunktanzeige mit 7,2 Liter rund 1,7 Liter über dem Werkswert.

Sehr überzeugender Einparkassistent
Ein Wort sei abschließend noch dem als Teil des 1.200 Euro teuren Komfortpakets in unseren Touran eingebauten Parklenkassistenten zweiter Generation gewidmet. Von vielen, vor allem männlichen Zeitgenossen, milde belächelt erwies sich dieses System im Test als äußerst funktionell, präzise, komfortabel. Anders als beim Vorgängersystem, wo lediglich Parkplätze angezeigt wurden, in die man auch im Blindflug finden würde, befindet der neue „Park Assist“ auch solche als ausreichend dimensioniert, die man selbst mit geübtem Auge als zu eng bewerten würde. Erstaunlich auch die Präzision, mit der der Einparkautomat das Fahrzeug in die Lücke manövriert: Ganz knapp am Randstein statt wie früher oft meterweit davon entfernt. Auch punkto Schnelligkeit gibt’s nicht auszusetzen: Viel rascher schaffen das auch geübte Autofahrer kaum. Der zusätzliche Clou: Das Ding funktioniert auch bei Querparkplätzen tadellos. Hat man das einmal erlebt, will man es kaum mehr missen. Wer hätte gedacht, dass wir das einmal behaupten würden.

Fazit
Der VW Touran ist zweifellos ein technisch ausgereiftes Familienvehikel, das wenig Anlass zum „Keppeln“ gibt. Platz, Komfort und Verarbeitung sind des neuen Wolfsburgers große Atouts. Was ein bisschen fehlt, sind ausgesprochene Highlights, die den Wolfsburger im dichten Konkurrenzumfeld herausstechen lassen. Beim Opel Zafira und Renault Grand Scenic etwa sind es die vollständig im Boden versenkbaren Sitze, beim Ford Grand C-MAX die Schiebetüren und beim Chevrolet Orlando der niedrige Einstiegspreis von rund 19.000. Die Preisliste für den Touran beginnt bei 23.290 Euro. Unser Testwagen mit dem 1.6 TDI mit BlueMotion Technologie, Comfortline-Ausstattung samt Komfortpaket (Klimaautomatik, Sitzheizung, Einparkassisten) kommt auf 30.109 Euro. Allerdings, und das sei der Fairness halber erwähnt, relativieren sich die hohen Anschaffungskosten vor dem Hintergrund der Wertstabilität des Wolfsburgers. Und so hätten wir doch noch ein Alleinstellungsmerkmal gefunden.

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