ÅlandArchipel für Seebären

Wal-Penis und Wrack-Champagner locken in den Hohen Norden, moderne Seefahrer können aber auch den Kajak benutzen.

Åland: Archipel für Seebären
  • Bild: (c) Anna Didriksson
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Reisen23.07.2013 | 14:21 Roland Graf(wiener)

In Skandinavien kennt man Åland wegen des Duty Free-Einkaufs auf der Fähre von Stockholm oder Helsinki. Möglich macht das der Autonomie-Status, den das finnische Territorium, das aber näher bei Schweden liegt, genießt. Für Schatztaucher – 2010 wurde hier der älteste Champagner von einem namenlosen Wrack aus den 1820er Jahren geborgen – und Schiffsfreunde bieten die 6.000 Inseln in der Ostsee aber weit mehr als billigen Alkohol.

Dass der Sensationsfund gerade in diesen Gewässern erfolgte, liegt an der Seefahrer-Tradition der Insulaner. Bis 1949 liefen von der Hauptstadt Mariehamn Handelssegler nach Australien aus. Im Marinemuseum (www.sjofartsmuseum.ax) wandert nur in die Vitrine, „was unbedingt sein muss, wir wollen, dass die Besucher viel angreifen können“, sagt Hanna Hagmark-Cooper. Wenn die Direktorin die Führung übernimmt, erfährt man, was die Besucher fasziniert: Nicht die echte Piratenflagge aus Nordafrika (eines von zwei Exemplaren weltweit) oder der Mastkorb, auch der originale Kapitänssalon bleibt zweite Wahl: „Der Wal-Penis, den sie als Kinder bei uns gesehen haben, fällt den Erwachsenen als erstes ein“, schmunzelt die Historikerin in der „Wunderkammer“ mit Seemanns-Souvenirs. Angesichts der vielen plastischen Eindrücke enttäuscht sogar das originale Viermast-Schiff „Pommern“ am Kai vorm Museum fast ein wenig.

Wer nach der trockenen Theorie auch echte Meeresluft schnuppern will, soll sich warm anziehen und Sini kontaktieren. Die Kajak-Lehrerin führt selbst größte Landratten im Kajak durch die Schären, den Mikrokosmos der kleinen Felsinseln. Schmäh sollte man von der Finnin in ihrem Boot „Braveheart“ nicht erwarten, Paddeln kann man aber lernen. Muss man auch, sonst erreicht man die sechs Kilometer entfernte Bucht von Kobbar Klinta (www.kobbaklintarsvanner.ax) niemals.

Bier vom Meeresgrund

Dort warten dann Susann und Benita im alten Lotsenhaus, einer Art Schutzhütte für Seeleute. Serviert wird der Apfelbrand „Alvados“ oder Zuckerrohr-Rum „Kobbar Libre“. Das Geschäft mit seltenen Getränken blüht also. Besondere Hoffnungen macht sich die lokale Brauerei Stallhagen (www.stallhagen.com). Besitzer Christian Ekström war beim legendären Tauchgang dabei, bei dem „nebenbei“ auch die älteste Bierflasche der Welt gefunden wurde. „Ich würde nicht sagen, dass es gut schmeckte“, sagt er über den Gerstensaft vom Meeresgrund. Ab 2013 will er das alte Rezept aber mit neuen Zutaten nachbrauen.

Tourismusbüro Åland: www.visitaland.com

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