“Ich bin eine gebratene Frühlingsrolle”

Sie ist überhaupt nicht 41. Aber ja, reifer ist sie geworden mit den Jahren, irgendwie auch noch ein bisschen schöner. Und schlauer sowieso. Eine interessante Frau mit interessanten Ansichten. Interesse? Bitte weiterlesen.

Menschen10.04.2013 | 10:16 (wiener)

WIENER-Shooting , Treffpunkt Kettenbrückengasse. Sie trägt ein dekolletiertes Shirt mit der Aufschrift „The real Deal", aufgekrempelte Jeans mit Löchern, Flip Flops, Sonnenbrille. Zierlich ist sie, sehr, sehr schlank. Der stürmische Wind scheint sie zu verblasen. Ein schnelles Foto, dann verlegen wir den Set in einen Design-Shop, gleich beim Naschmarkt um die Ecke. Dort schlüpft sie ruckzuck in ein kesses Kleid und strahlt wie ein glückliches Kind.
Das Shooting macht Elke Winkens augenscheinlich Spaß - und man merkt auch, dass sie das kann. 2003 posierte sie für den Playboy, 2007 schon einmal für den WIENER. Und jetzt redet sie drauf los.


Du lebst seit 20 Jahren meistens in Wien und manchmal in Berlin. Wo bist du noch Deutsche, wo schon Österreicherin?


Beim Fußballspielen bin ich noch Deutsche. Wie soll man bitte zu den Österreichern halten? Und dass man immer noch mit Cordoba kommt, ist peinlich. Die Deutschen wissen nämlich gar nicht, was gemeint ist. Beim Essen gehen bin ich Österreicherin. In Berlin bestelle ich immer ein Obi g'spritzt.


Was ist dein momentaner Aggregatzustand?


Ich würde sagen, ich bin eine gebratene Frühlingsrolle. Ich werde warm gehalten. Es geht mir gut.
Was gefällt dir an deinem neuen Film „Arschkalt"?
Ich habe angefangen, das Drehbuch zu lesen und dann hat das plötzlich etwas mit mir gemacht. Es hat mich total reingezogen in die Geschichte. Die Geschichte hat mich tief berührt.


Warum denn das?


Vielleicht liegt es an der Off-Stimme, die immer von Aggregatzuständen erzählt. Das macht der Herbert Knaup mit einer unglaublichen Melancholie.


Wie viel Spaß hattest du bei der Arbeit?


Wahnsinnig viel, obwohl ich gleich am ersten Drehtag einen Unfall hatte. Ich bin einen Iglu runtergedonnert, hatte dann ziemliche Rückenschmerzen und die Sicherungen haben mich am Knie verletzt. Und der Regisseur hat Sachen von mir verlangt, wo ich gedacht habe, das kann ich nie. Er wollte, dass ich eine Szene spiele, in der ich komplett betrunken bin.


Muss man das als Schauspieler nicht oft?


Betrunken war nicht mein Lieblingsding. Aber jetzt nach dem Film sehe ich betrunken neu. Man muss sich volle Post reinlassen. In dem Moment, wo man am Gefühl zweifelt, kann es nicht funktionieren.


In welchen Situationen bist du schockgefroren?


Ich kann mich an eine Situation erinnern. Ich war 19 und lebte in London. Ich war gerade auf Urlaub, als ich erfahren habe, dass das Stipendium nicht verlängert wird. Ich bin in der Telefonzelle gestanden, mit dem Hörer in der Hand und hatte in dem Moment keine Zukunftsvision mehr. Aus einem schockgefrorenen Zustand entscheiden sich die Wege neu. Mit der Situation kannst du nicht weiterleben. Da musst du eine Entscheidung treffen. Meine war, nach London zu gehen und meine Sachen zu packen. Im Sommer habe ich ein Casting in Wien gemacht und im Herbst hier angefangen. Es war also ein guter Schockzustand.


Im Film „Arschkalt" geht es darum, dass im Scheitern auch Chancen liegen. Welche Chancen hattest du schon ausgelassen?


Ich bin grundsätzlich ein sehr, sehr fauler Mensch. Ich würde alles so lassen, wie es gerade mal so läuft. Ich wäre die ideale Made im Speck. Ich würde mich durchfressen und so dahin leben und immer dicker werden, wenn mir nicht das Leben die Aufgaben zeigt. Im Scheitern habe ich mich immer weiterentwickelt. Wenn ich heute so lese, was ich vor 10 Jahren in Interviews gesagt habe, empfinde ich das als völligen Blödsinn.

 

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