ÖVP-Politiker singen Volkslieder im Nazi-Keller

Eine Szene aus Ulrich Seidls neuem Dokumentarfilm „Im Keller“, wird zum Aufreger. Fünf Männer in Tracht singen in einem Keller voller Nazi-Utensilien Volkslieder – darunter laut Puls 4 zwei ÖVP-Gemeinderäte.

Ulrich Seidls neuer Dokumentarfilm „Im Keller“ feierte gestern Österreich-Premiere und sorgte sofort für Aufregung. Die Dokumentation, die, wie von Seidl beschrieben, von Blasmusik und Opernarien, von teuren Möbeln und billigen Herrenwitzen, von Sexualität und Schussbereitschaft, Fitness und Faschismus, Peitschenschlägen und Puppen handelt, zeigt eine Szene, die zwei ÖVP-Politikern nun zum Verhängnis werden könnte.

Vier Männer singen in einem Keller voller Nazi-Devotionalien – Wehrmachtsuniform mit Hakenkreuz und Hitler-Porträt inklusive – österreichische Volkslieder. Zwei der Männer sollen laut TV-Sender Puls 4 ÖVP-Gemeinderäte sein. Der KURIER versuchte den beiden Protagonisten eine Stellungnahmen zu entlocken, doch ohne Ergebnis. Ewald W. meinte auf die Frage nur: „Ich habe keine Zeit und kein Interesse an weiteren Fragen“ und der Keller-Besitzer Josef O., ebenfalls Gemeinderat in der kleinen burgenländischen Gemeinde Marz, war nicht erreichbar. Gegenüber dem TV-Sender Puls 4 sagte Letzterer: „Ich bin nur Sammler.“

Gernot Blümel, Gerneralsekretär der ÖVP, fordert nach dem Vorfall den sofortigen Rücktritt der zwei burgenländischen Gemeinderäte. In einer Aussendung stellte er klar, dass rechtsextremes Gedankengut in der ÖVP nichts verloren habe und dass der Rücktritt der beiden burgenländischen Gemeinderäte aus ihren politischen Ämtern umgehend zu erfolgen hat.


Der Bürgermeister Gerald Hüller, ebenfalls Mitglied der ÖVP bedauert zutiefst, dass seine Gemeinde in ein braunes Licht getaucht wird. Er sieht den kellerbesitzer als „Sammerl“, der noch nie in Richtung Wiederbetätigung auffällig wurde und sich auch niemals in diese Richtung geäußert habe. Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob Ermittlungen eingeleitet werden.