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KULTUR

ImPulsTanz-Finale in Wien: Wenn vierzig Kleider tanzen gehen

Bis 9. August steuert das ImPulsTanz-Finale in Wien auf seinen Höhepunkt zu: Europas größtes Festival für zeitgenössischen Tanz verabschiedet sich in seine letzte Woche. Zum Ausklang holt Intendant Karl Regensburger Namen wie Trajal Harrell, die Fado-Sängerin Lula Pena und die…

Von WIENER Online Redaktion · 24. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit
Tänzerin bei Leïla Kas „Maldonne" beim ImPulsTanz Finale in Wien

Bis 9. August steuert das ImPulsTanz-Finale in Wien auf seinen Höhepunkt zu: Europas größtes Festival für zeitgenössischen Tanz verabschiedet sich in seine letzte Woche. Zum Ausklang holt Intendant Karl Regensburger Namen wie Trajal Harrell, die Fado-Sängerin Lula Pena und die Koreanerin Eun-Me Ahn auf die Bühnen von Burgtheater und Odeon. Am 6. August zieht das Team im MuseumsQuartier offiziell Zwischenbilanz, wer die letzten Vorstellungen noch sehen will, sollte sich ranhalten.

Vierzig Kleider hängen normalerweise in einem Kasten, nicht auf einer Bühne. Bei der französischen Choreografin Leïla Ka tun sie das doch. Für ihr Stück „Maldonne“ hat sie ausschließlich Secondhand-Kleider gesammelt, jedes mit einer eigenen Geschichte, jedes mit einem eigenen Namen. Fünf Tänzerinnen ziehen sie an, bewegen sich in ihnen, geben ihnen für neunzig Minuten ein zweites Leben. Über hundert Mal wurde das Stück weltweit schon gezeigt, in Wien läuft es am Volkstheater noch bis 1. August. Es ist, mit Verlaub, das perfekte Sinnbild für einen Festivalsommer, der sich seinem Ende zuneigt: Auch ein Festival zieht am Schluss Bilanz darüber, was an ihm hängen geblieben ist.

Was steht zum ImPulsTanz-Finale noch am Programm?

Wer in den letzten Tagen noch hinwill, hat die Qual der Wahl. Das chinesische TAO Dance Theater um Tao Ye und Duan Ni zeigte mit dem ImPulsTanz Classic „13 & 14″ gerade erst, warum Lin Hwai-Min, Gründer des legendären Cloud Gate Dance Theatre, Tao Ye für einen der talentiertesten Choreografen der Gegenwart hält: dreizehn beziehungsweise vierzehn Tänzer:innen in von Duan Ni entworfenen Kostümen, minimalistisch in der Form, radikal in der Disziplin. Wer es verpasst hat, bekommt mit der österreichischen Erstaufführung von Eun-Me Ahns „Post-Orientalist Express“ im Burgtheater noch eine zweite Chance auf große Bühnenbilder. Die als „Asiens Pina Bausch“ gefeierte Choreografin lässt ihr Ensemble in mehr als neunzig selbst entworfenen Kostümen durch einen Popkultur-Rausch tanzen und stellt dabei eine unbequeme Frage: Warum wird der Begriff „Orientalismus“ fast nur dem Westen zugeschrieben, obwohl es ihn längst auch zwischen den Kulturen Asiens gibt? Zu sehen am 30. und 31. Juli sowie am 1. August.

Eun-Me Ahns „Post-Orientalist Express

Ein Uraufführungsabend mit Lula Pena zum Schluss

Den eigentlichen Schlusspunkt setzt aber jemand anderer: Trajal Harrell, einer der prägendsten amerikanischen Choreografen der Gegenwart, bringt mit dem Zürich Dance Ensemble im Odeon die Uraufführung von „o‘ Music Music“ heraus, den siebten Teil seiner Serie „Histoire(s) du Théâtre“. Für Harrell ist Musik nicht bloß Begleitung, sondern archiviertes Gedächtnis, und so blickt er in einem intimen Solo auf jene Musikstücke zurück, die sich tief in sein Bewusstsein eingeschrieben haben. Begleitet wird er live von der portugiesischen Fado-Sängerin Lula Pena, deren Stimme dem Abend seine Schwere gibt. Gespielt wird am 7. und, das ist der eigentliche Clou, ausgerechnet am 9. August, dem allerletzten Festivaltag.

Trajal Harrell und die Fado-Sängerin Lula Pena in „o' Music Music

Wer zieht am 6. August Bilanz?

Zwei Tage vor diesem Schlusspunkt bittet Regensburger gemeinsam mit einem großen Teil seines Teams, darunter mumok-Generaldirektorin Fatima Hellberg sowie Harrell und Pena selbst, ins MuseumsQuartier. Die Pressekonferenz am 6. August ist in erster Linie ein Termin für Redaktionen, Interviews mit den Beteiligten sind auf Anfrage möglich. Für das Publikum zählt trotzdem, was dabei zur Sprache kommt: eine erste Bilanz des Sommers 2026 und ein letzter Ausblick auf das, was bis zum 9. August noch zu erleben ist. Wie Regensburger den Wiener Sommer generell einschätzt, hat er im WIENER-Interview einmal selbst erklärt.

ImPulsTanz-Finale in Wien – die wichtigsten Termine
Eun-Me Ahn, „Post-Orientalist Express“: 30.7. (21 Uhr), 31.7. & 1.8. (je 19 Uhr), Burgtheater, ab 8 Euro
Leïla Ka, „Maldonne“: 29.7. & 31.7. (21 Uhr), 1.8. als Zusatztermin (21 Uhr), Volkstheater
Trajal Harrell & Lula Pena, „o‘ Music Music“: 7.8. & 9.8. (je 21 Uhr), Odeon, 18 bis 36 Euro
Tickets und vollständiges Programm: impulstanz.com

Wer selbst lieber tanzt statt zusieht, findet zum Thema auch in der WIENER-Geschichte über interaktiven Tanz Inspiration für den Rest des Sommers. Und die vierzig Kleider von Leïla Ka? Die hängen nach dem 1. August wieder für eine Weile still, bis sie irgendwo auf der Welt erneut das Tanzen lernen.