75 Jahre Kleber an den Fingern
75 Jahre Revell heißen auch: 75 Jahre Selberbauen, denn 1951 machte die Marke aus fertigen Modellautos Bausätze. Zum Jubiläum 2026 kehren fünf Klassiker aus den Originalwerkzeugen zurück, allen voran ein Porsche 356 im Maßstab 1:16.

Die schönste Revell-Geschichte beginnt mit einem Marketing-Gag: 1996 brachte die Firma BMW Isettas im Dress von Bundesliga-Vereinen heraus. Dortmund und Schalke waren auf je 5.555 Stück limitiert und schnell vergriffen. Manche Fans ließen danach echte Isettas in Vereinsfarben lackieren, was den Bausatz endgültig zum Kultobjekt machte. Aus Kleber, Geduld und einer Schnapsidee wird eben manchmal Sammlerware.
Als Autos noch fertig waren
Anfang der 1950er standen auf der New York Toy Fair noch fertige Revell-Autos. Modellbauer wollten die Teile lieber selbst zusammensetzen, Gründer Lewis H. Glaser zögerte. Den Ausschlag gab Woolworth, das die Kästen ins Sortiment nahm. 1951 erschienen die „Highway Pioneers“, historische Autos im Maßstab 1:32, 1953 folgte mit der USS Missouri das erste selbst entwickelte Modell.
Von Bünde in die Welt
Seit 1956 gibt es Revell in Deutschland, zuerst in Bielefeld, ab 1957 in einer ehemaligen Zigarrenfabrik in Bünde. Von dort kamen Bausätze, die bis heute jeder kennt: die Titanic, mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren der Bestseller der Firmengeschichte, der VW Käfer, der Bulli und der Trabant. Der Trabant erschien 1990 zur Wiedervereinigung und ist bis heute der erfolgreichste Automobilbausatz des Hauses.

Fünf Klassiker, alte Formen
Die Jubiläumsserie setzt auf Nostalgie. Der Porsche 356 B Coupé (1:16, 127 Teile, ab 10 Jahren) ist als Click System ohne Kleber zusammensteckbar und kostet im Revell-Onlineshop 51,49 Euro. Die vier Limited Editions entstehen aus den Werkzeugen ihrer Zeit und stecken in Retro-Schachteln der Erstauflagen: der MGB Roadster von 1964 (1:32, 64 Teile, 25,99 Euro), der Fokker Dreidecker Dr.1 von 1957 (1:28, 60 Teile, 25,99 Euro), der M4 Sherman von 1955 (1:40, 25,99 Euro) und das Dampfschiff Great Eastern von 1963 (1:388, 222 Teile, 56,7 Zentimeter lang, 30,49 Euro). Der Shop bietet Österreich als Lieferland an, ob die Preise für heimische Bestellungen identisch bleiben, hängt von Versand und Händler ab und ist nicht bestätigt.
Maßstab ist alles
Revell kennt keine Größenangst. Die Bismarck im Maßstab 1:350 hat 659 Teile und misst als Modell rund 72 Zentimeter, das Original brachte es auf etwa 251 Meter. Das Gato-Klasse-U-Boot im Maßstab 1:72 kommt auf 1,32 Meter, der Airbus A380 im Maßstab 1:144 auf rund 51 Zentimeter Spannweite und bleibt damit vitrinentauglich.
Geheimnisse im Karton
Dazu kommen die Geschichten, die das Hobby würzen. 1960 landete ein detaillierter Bausatz des Polaris-Atom-U-Boots bei einer Anhörung im US-Kongress, ob er geheime Informationen enthielt, ist bis heute nicht belegt. 1983 erschien der F-19 Stealth Fighter, obwohl es das Flugzeug offiziell noch gar nicht gab, und selbst die CIA wollte wissen, woher Revell das hatte. 1965 kamen die Beatles im Maßstab 1:8 auf den Markt, nach einem Jahr war wegen der hohen Lizenzkosten Schluss, heute sind sie begehrte Sammlerstücke.
Kidults an den Klemmbausteinen
Heute reicht das Sortiment vom Click System über Holzbausätze wie die Book Nooks bis zum Brick System aus Klemmbausteinen, dazu Lizenzen von Star Wars bis Stranger Things. Der meistverkaufte Artikel im aktuellen Programm ist übrigens kein Modell, sondern ein Kleber: Contacta Professional. Manches ändert sich in 75 Jahren eben nie.









