AKUT

City-Ikea

Sarah Wetzlmayr

Ein City-Ikea in Wien ist genauso falsch wie ein Stück Pizza am Würstelstand.

Habt ihr euch auch schon öfters gefragt, was sich denn in diesem blauen Haus hinter der neuen BahnhofsCity im Westen Wiens verbirgt? In unseren Köpfen drehten sich dort tagtäglich die Crystal Meth-Maschinchen und Hare Krishna-Mitglieder hielten, drei leerstehende Wohnungen weiter, ihre Séancen ab. Aber wie gesagt, das passierte alles nur an einem einzigen Ort, nämlich in unseren Köpfen. Was sich dort in Wahrheit nämlich tatsächlich abspielte, ist so bodenständig wie ein Pax-Schrank und braucht um ein Vielfaches weniger Kreativität und Sinnlichkeit: Es formierte sich an genau diesem Ort – in diesem blauen Haus – ein teuflischer Plan. Man hätte es anhand der Farbe schon erahnen können. Ikea baut den ersten City-Ikea dort hinein und sorgt damit vermutlich dafür, dass man künftig für den Transport von Möbelstücken mit den Öffis einen Fahrschein lösen muss. Außerdem wird „fahrma Ikea!“ in naher Zukunft kein halbjährliches Ereignis mehr sein. Es wird zur Normalität – man wird sich dort schon bald die bunten Zahnputzbecher, das achtundvierzigste Packerl bunter Servietten und den dreiundzwanzigsten Bund Kunstblumen genauso einfach und regelmäßig holen wie den halben Laib Roggenmischbrot beim Bäcker nebenan. Ikea wird Alltag. Nervtötender, grausamer Alltag in blau-gelb. Wir haben es damals schon gewusst, als der gute, alte Westbahnhof dem Erdboden gleichgemacht wurde – nichts wird mehr so sein wie früher.
Fotos: Twitter, Virtual Net