Die Serviette, die durch Österreich schwamm
Marinus Obermair, bekannt als MoveLikeG, schwimmt seit Sonntag ununterbrochen die Donau hinunter: 350 Kilometer von Passau bis an die slowakisch-österreichische Grenze bei Bratislava, in 72 Stunden, quer durch ganz Österreich.

Als Kind saß Marinus Obermair mit seinem Vater in einem Wirtshaus an der Donau. Er faltete eine Serviette zu einem kleinen Boot, ließ sie ins Wasser gleiten und fragte, wo das jetzt wohl hinschwimmt. Die Antwort des Vaters: Das schwimmt jetzt einmal ganz durch Österreich. Ein Satz, hingesagt, halb im Scherz. Er hat sich trotzdem festgesetzt, wie das bei guten Kindheitssätzen so ist. Jahrzehnte später ist aus der Serviette ein Mensch geworden, und aus dem Wirtshausspruch ein offizieller Weltrekordversuch.
Seit Sonntag, 17.40 Uhr, ist der 23-jährige Extremsportler aus Flintsbach am Inn tatsächlich im Wasser, unter dem Namen „yfood River Race 350“. Als MoveLikeG hat er zuvor schon Australien durchquert, ist als erste Person von Java nach Bali geschwommen und von Nord- nach Südamerika gelaufen. Die Donau ist, nach eigener Aussage, sein bisher größtes Vorhaben und sein erster offizieller Weltrekordversuch.
Wie laufen die 72 Stunden?
Marinus schwimmt in Etappen, Tag und Nacht, und bleibt dabei die vollen 72 Stunden auf dem Wasser. Pausen gibt es nur an den rund zehn Schleusen der Strecke, jede davon mindestens 45 Minuten, im schlechtesten Fall bis zu vier Stunden lang, je nach Schiffsverkehr. Genau dort, auf einem begleitenden Hausboot, schläft er, isst und sammelt neue Kraft. Der Zieleinlauf in Bratislava wird für Mittwoch, den 29. Juli, gegen 19 Uhr erwartet, mitverfolgen lässt sich das Ganze im Dauerlivestream auf den YouTube-Kanälen von MoveLikeG und yfood sowie auf Instagram und TikTok.
Wer feuert ihn an?
Entlang der Strecke und im Stream feuern ihn unter anderem der österreichische Schlagersänger DJ Ötzi, der Schweizer Popsänger Luca Hänni und Ausdauersportler Joey Kelly von der Kelly Family an. Auch die deutsche Freiwasserschwimmerin Leonie Beck, selbst Weltmeisterin über lange Distanzen, hat ihm über die sozialen Medien Kraft gewünscht. Einzelne Punkte an der Strecke, darunter Linz und Wien, sollen zudem als Treffpunkte für Fans aktiviert werden.
Was ist die größte Gefahr?
Nicht das Schwimmen selbst, sagt Obermair, sondern das Weitermachen, wenn Kopf und Körper längst aufgeben wollen. Dazu kommen ganz reale Gefahren: Treibgut, große Schiffe, stockdunkle Nächte, Unterkühlung. Die aktuelle Hitzewelle macht die Sache paradoxerweise nicht leichter, sondern schwerer, weil Wasserstand und Strömung so niedrig sind wie selten, stellenweise nur ein Kilometer pro Stunde. Ein Begleitboot mit Sanitäter, medizinischer Versorgung und GPS-Tracking ist rund um die Uhr an seiner Seite, Behörden in Deutschland, Österreich und der Slowakei sind in die Genehmigung eingebunden. Ihren Ruf als launischer Fluss mit dunklen Geschichten wird die Donau davon nicht los, im Gegenteil.
Wovon lebt man dabei?
72 Stunden Dauerschwimmen verbrennen nach eigenen Angaben rund 10.000 bis 15.000 Kalorien pro Tag. Obermair deckt den Bedarf vor allem über Trinkmahlzeiten seines langjährigen Sponsors yfood, weil dafür keine Zubereitung nötig ist. Die Partnerschaft ist deutlich sichtbar, auch im Namen der Challenge, das gehört bei einer derart aufwendigen Aktion aber offensichtlich dazu.
Der Satz des Vaters war halb im Scherz gemeint, an einem x-beliebigen Nachmittag an der Donau. Jetzt schwimmt der Sohn ihn wortwörtlich nach, Schleuse für Schleuse, bis nach Bratislava. Die Serviette hat es damals geschafft. Ob der Mensch es auch schafft, entscheidet sich in den nächsten Stunden.
Auf einen Blick
Athlet: Marinus Obermair (23), alias MoveLikeG, aus Flintsbach am Inn
Strecke: Passau – Bratislava, 350 Kilometer auf der Donau, quer durch ganz Österreich
Start: 26. Juli 2026, 17.40 Uhr, Passau
Ziel: voraussichtlich 29. Juli 2026, ca. 19 Uhr
Livestream: YouTube-Kanäle MoveLikeG und yfood, dazu Instagram und TikTok
Bisherige Projekte: Durchquerung Australiens, Schwimm-Überquerung Java–Bali, Weltreise ohne Budget

© MoveLikeG / yfood

