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Wie der Golf GTI zum Pop-Hit wurde

1996 machte die Wiener Mundart-Crew Fünfhaus Posse den VW Golf GTI zum Radiohit. Heuer wird das Kultauto fünfzig, der Song dreißig – und die Band traf sich erstmals seit Jahren wieder, zwischen einem 40 Jahre alten GTI 16V und dem neuen Jubiläumsmodell.

Von Redaktion · 28. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit
Fünfhaus Posse Golf GTI: die Wiener Band bei der Reunion mit dem Jubiläumsmodell

Und das mitten auf der Rambla in Barcelona, qué fuerte! Mit vielem hätte man gerechnet, mit Cava, mit frechen Strandverkäufern, mit dem einen oder anderen Cerveza. Nicht aber mit einem gepflegten, unüberhörbaren „DA HAUSMASTAAA!“ aus der Menge. „Da hat mich tatsächlich einer erkannt!“  Markus Mayer-Roth, im wahren Leben längst in einem ganz anderen Job, im früheren Leben Frontmann, alias „Hausmasta“ der Fünfhaus Posse, erzählt die Anekdote noch heute mit einem Grinsen. „Kurzzeitig waren wir echte Stars“.

Der Hit hieß schlicht „Golf“. Die Band: Fünf Freunde, die sich in der Schule, beim Sitzenbleiben und in einem Lokal kennenlernten. Aus Jazz und Hip-Hop im Wiener Dialekt, Anfang der Neunziger eine echte Pionierleistung, wurde ein Sound, für den es damals kaum Vorbilder gab. Und ein Thema fand sich irgendwie fast von selbst: Der Volkswagen Golf GTI, vor allem in zweiter und dritter Hand, war das Basisgerät der Wiener Straßen, von Haute Vollée bis Favoriten. Tuninggeschäfte, Clubs, Autohändler – wer in den frühen Neunzigern im Wiener Straßenbild genau hinsah, kam am GTI nicht vorbei.

Wie aus Freunden eine Band wurde

Die Mitglieder der Fünfhaus Posse bei der Reunion in Moosbrunn

© Alexander Seger

„Was ja kaum mehr einer weiß: Wir haben ursprünglich als Cover-Band angefangen“, erzählt Martin Matzinger, aka Lo Frequency Moz. „Mit zweien bin ich in die Schule gegangen. Blieb dann sitzen und traf dort den nächsten. Und den Markus haben wir in einem Lokal kennengelernt.“ Man suchte zufällig gerade einen Keyboarder, jammte regelmäßig bei den Sessions in den Wiener Rosenhügel Studios, aus denen später das Sunshine-Clubimperium erwuchs. Das eine ergab das andere, und langsam filterte sich der Stil heraus.

„Zwei Strophen machte ich, eine der Martin und den Refrain der Alex“, erinnert sich Mayer-Roth an die Entstehung von „Golf“. Kaum war der Song fertig, stolperte auch der Rundfunk darüber und setzte ihn auf Dauerrotation. 1996 hatte es die Band endgültig geschafft: ein Auftritt beim Donauinselfest, ein Reifenwechsel-Duell gegen einen echten GTI-Club, dazu das Debütalbum „Aufpudeln“, dessen Cover im Club Roxy mit zwei geborgten Pudeln entstand. Als Volkswagen selbst für die Einführung des Lupo ein Lied bestellte, war klar: Die Sache geht weiter.

Warum ausgerechnet der GTI?

Die Antwort liegt im Text selbst: „Sag ma wos du foahrst, und i sog da wer du bist. Du foahrst an Goif Tschi-Ti-Ei Turbo Sechzehn-Ventü“, heißt es in der zweiten Auskoppelung von 1996 – unverkennbar wienerisch, unverkennbar GTI. Der 16V, besungen im Song, war 1986 die scharfe Antwort auf die hedonistischen Achtziger: doppelte Ventilanzahl aufbauend am Basis-GTI, Leistung von 112 auf 139 PS gesteigert, dazu die ikonische rote Plakette. Ein Zubehörteil, das man einfach haben musste, so wie die Dachantenne und die speziellen Felgen.

Ganz neu war die Idee des schnellen Golf ohnehin nicht. Schon 1975 bastelten VW-Ingenieure in Wolfsburg einen über 100 PS starken Prototyp, unter der Leitung eines gewissen Prof. Ernst Fiala, einem gebürtigen Wiener, der die Serienreife vorantrieb. Dem Produktkomitee traute man dem schnellen Kleinen damals nicht mehr als 500 verkaufte Stück zu, kurz nach der Ölkrise schien ein Auto wie dieses schlicht unverkäuflich. Es kam anders: die erste Serie war schneller vergriffen, als man VW buchstabieren konnte.

Vom Punk-Auto zum Jubiläum

Der neue Golf GTI Edition 50 neben dem historischen GTI 16V aus dem Jahr 1986

© Alexander Seger

Heuer, fünfzig Jahre nach der Serienpremiere, markiert der Golf GTI Edition 50 den bisherigen Höhepunkt: 325 PS, Sprint auf Tempo 100 in 5,3 Sekunden, 270 km/h Spitze, damit der stärkste Serien-GTI der Geschichte. Karositze, Sportauspuff und 19-Zoll-Räder in dezentem Rot sind Serie, das Siebengang-DSG schaltet die Gänge, ohne dass man den Rückwärtsgang wie anno dazumal ins Getriebe hageln lassen könnte. In Österreich lag der Basispreis für Privatkunden bei 57.190 Euro, das Performance-Paket „Edition 50“ kostete 5.860 Euro extra – mittlerweile ist der Wagen laut Volkswagen Österreich als Neuwagen nicht mehr bestellbar. Auch das ein Beleg, wie gut das halbe Jahrhundert dem Punk-Auto von einst bekommen ist.

Ein Wiedersehen in Moosbrunn

Bandmitglieder der Fünfhaus Posse posieren mit dem Golf GTI

© Alexander Seger

Die Reunion fand mitten in Moosbrunn statt, unweit jenes Studios, in dem „Golf“ einst eingesungen wurde, und hatte schnell das Flair eines Klassentreffens. Die Fünfhaus Posse ist längst im bürgerlichen Leben angekommen: Zwei schafften es zu einer Professur, einer wurde Tontechniker, einer Grafiker, einer arbeitet in der Telekommunikation. Gefahren wird heute Touran, ID.4 oder Puch Maxi, man erkundigt sich nach dem Nachwuchs. Und doch, kaum steht man zwischen dem alten 16V und dem neuen Edition 50, fühlt es sich wieder an wie 1996.

Detailaufnahme des VW Golf GTI Edition 50 zum 50-Jahr-Jubiläum

© Alexander Seger

Ob es ein drittes Album gibt, blieb offen. „Jetzt hast mich damit echt angefixt“, sagt Mayer-Roth und kommt sichtlich ins Grübeln. Die Fünfhaus Posse lebt. Und irgendwo auf der Rambla in Barcelona wartet vermutlich schon der nächste, der laut genug „DA HAUSMASTAAA!“ rufen wird.

Quelle: Porsche Holding Newsroom. Fotos: Alexander Seger