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Die Pratersauna geht baden

Die Wiener Kultlocation Pratersauna ist zurück, allerdings ohne Clubnächte: Seit 23. Juli betreibt Gastronom Nikolaus Gutmann dort einen „Urban Pool Club“ mit Pool, Liegewiese und Streetfood. Der Eintritt kostet sieben Euro.

Von Redaktion · 3. August 2026 · 3 Min. Lesezeit
Gute Stimmung am Pool bei der Pratersauna in Wien

Wer die Pratersauna vor einem Jahr besucht hat, erinnert sich an Techno bis in den Morgen. Wer im Winter vorbeigekommen wäre, hätte sich eher gewundert: aufgeschlitzte Bodenbeläge, zerstörte Waschbecken, ausgebaute Klimageräte. Nach dem Ende des letzten Clubbetriebs Ende 2025, samt Insolvenzen und Räumungsklagen, wurde das Areal im Wiener Prater zum Ziel von Vandalen. Die einst legendäre Adresse der Wiener Nachtszene lag ein halbes Jahr brach.

Dass daraus binnen weniger Wochen ein Pool mit Liegestühlen, Sand und Beachvolleyballfeld werden würde, ist Nikolaus Gutmann zu verdanken. Der Gastronom betreibt unter seiner Marke „edison“ bereits mehrere Lokale in Wien und Niederösterreich, darunter das Bundesbad Alte Donau. Anfang Juni sah er sich den verwüsteten Garten an und war sofort entschlossen, ihn zu retten. Schneller ging die Sanierung nicht, aber die Sommersaison wollte er sich nicht entgehen lassen. Am 23. Juli sperrte die Location als „edison Pratersauna“ wieder auf.

Warum kein Nachtclub mehr?

Statt Techno-Marathons bis zum Morgen setzt Gutmann auf Tagesbetrieb: Pool, Sand, Liegewiese, dazu DJ-Sound in Zimmerlautstärke. Vorbild sind Beachclubs, wie es sie etwa in Barcelona gibt. „Klassische Nachtclubs funktionieren in Wien auf Dauer nicht mehr, weil der Nachwuchs ausbleibt“, begründete er den Kurswechsel. Genutzt wird vorerst nur der Außenbereich, die Innenräume der einstigen Techno-Institution bleiben zu. Wien tut sich damit ohnehin leichter: Wie berichtet, verschiebt sich das Wiener Nachtleben insgesamt zusehends in frühere Stunden, „Mitternacht ist die neue Mittagspause“, wie es der WIENER kürzlich beschrieben hat. Auch anderswo in der Stadt wird öffentlicher Raum gerade neu gedacht, etwa bei den drei Projekten der Vienna Design Week, über die der WIENER unter dem Titel „Drei Feste, die die Stadt neu denken“ berichtete.

Sieben Euro Eintritt für alle

Der Eintritt kostet sieben Euro, egal ob man im Pool schwimmt oder nur ein Bier trinkt. Geöffnet ist bei Schönwetter Donnerstag und Freitag von 12 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 22 Uhr, Platz haben rund 300 bis 400 Gäste. Kulinarisch setzt der Urban Pool Club auf unkomplizierten Genuss: Kukuruzzi Fritti, gegrillte Maiskolben mit Limetten-Aioli, XO-Cevapi-Burger und Pommes in drei Varianten, von klassisch bis mit Trüffelmayonnaise. Dazu gibt es hausgemachte Limonaden, Longdrinks und Bier, ein Krügerl liegt bei rund 5,90 Euro und damit leicht über dem Wiener Durchschnitt. Das Design der Location hält sich in Blau und Gelb, an manchen Stellen sieht man noch die nackten Sperrholzwände der Eilsanierung.

Wie lange bleibt der Pool offen?

Vorerst ist der Betrieb bis Ende September geplant, danach soll auf dem Areal laut Betreiber ein Christkindlmarkt folgen. Ob das Konzept über den Sommer hinaus trägt, wird sich zeigen. Schon der vorletzte Pächter hatte von Winterplänen gesprochen, ehe er nach wenigen Monaten wieder abziehen musste. Adresse: Waldsteingartenstraße 135, 1020 Wien.

Anfang Juni hat sich Gutmann in den Garten der Pratersauna verliebt, jetzt hofft er, dass kein Fluch mehr draufliegt. Diesmal soll die Kultlocation nicht baden gehen, sondern einfach nur baden.