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Drei Feste, die die Stadt neu denken

Die VIENNA DESIGN WEEK schickt zur 20-Jahr-Ausgabe drei neue Stadtarbeit-Projekte auf die Straße: ein Garagenfest in Hietzing, ein Ritual zur Feier der Dunkelheit und ein Glaskubus-Club für alle – von 25. September bis 4. Oktober 2026.

Von Redaktion · 31. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit
VIENNA DESIGN WEEK Stadtarbeit: Garagenfest von Leon Theodor in Hietzing

Wer in Hietzing wohnt, kennt das Bild: Garagentore, die sich morgens öffnen und abends wieder schließen, dazwischen private Welt. Genau diese Schwelle will der Designer Leon Theodor heuer bei der VIENNA DESIGN WEEK einreißen. Mit rollbaren Partytischen verwandelt er unter dem Titel „Achtung, Tor öffnet automatisch!“ Garagen in Feststadl, Nachbarschaft in Publikum. Es ist eines von drei Projekten, mit denen das Format Stadtarbeit zur 20. Ausgabe des Festivals das Feiern selbst zum Thema macht – gefördert vom Sponsoringprogramm der Erste Bank und in Kooperation mit der Caritas Wien.

Garagenfeste in Hietzing

Bei der VIENNA DESIGN WEEK Stadtarbeit steht heuer das Feiern selbst im Mittelpunkt. Ein Garagenfest, wie man es aus ländlichen Regionen kennt, kippt für ein paar Stunden das Verhältnis von privat und öffentlich. Leon Theodor nutzt genau dieses Format als Werkzeug: Seine rollbaren Designobjekte machen aus dem halböffentlichen, von Hobbyismus und Subkultur geprägten Garagenraum eine Bühne zur Straße hin. Wer mitmacht, lernt nicht nur den Bezirk neu kennen, sondern auch die Garagenbesitzer:innen von nebenan – und überwindet ganz nebenbei die eigene Berührungsangst vor der fremden Einfahrt.

Ein Ritual für die Dunkelheit

Während Theodor die Straße erobert, dreht das Saliva Collective die Perspektive um. Ihr Projekt „Dark Times“ feiert nicht das Licht, sondern das, was danach kommt. Ausgehend von Ritualen wie dem chinesischen Mondfest, europäischen Erntefesten und dem indischen Lichterfest Diwali entwickelt das Kollektiv eine Reihe inszenierter Aktivitäten – von Listening Sessions über Crafting Workshops bis zu nächtlichen Mondwanderungen, die in einem gemeinsamen Abendessen münden. Die Kuratorin Brigitte Felderer bringt die Idee dahinter im Programmheft „The Fest“ auf den Punkt: Gerade in unsicheren Zeiten sei es wichtig, zusammenzukommen, um gemeinsam an einer Zukunft zu arbeiten.

Ein Glaskubus für alle

Wie feiert man so, dass niemand draußen bleibt? Das Kollektiv Your Club Is Not My Club beschäftigt sich seit Jahren mit Zugänglichkeit in der Clubkultur. Für „A Glass of Waves“ verschmilzt es sein multisensorisches Soundsystem mit dem begehbaren Glaswürfel „Syntopian Gobotag“ der Künstlerin Michaela Rotsch zu einem mobilen Club, der an frei zugänglichen Orten in der Stadt auftaucht – mit Musikprogramm, Workshops, einer Filmvorführung und Experimentierstationen. Im Zentrum steht der Austausch zwischen Gehörlosen-Community und Elektromusikszene, jenseits der üblichen Konventionen von Clubkultur.

Alle drei Projekte wurden von einer Fachjury aus einem Open Call ausgewählt – heuer bestehend aus Martina Brunner (Vienna Club Commission), Clemens Foschi (Caritas Erzdiözese Wien), Maria Stetter (Kollektiv Raumstation) sowie Julia Habarda und Gabriel Roland von der VIENNA DESIGN WEEK selbst. Ausgezeichnet werden die Interventionen zusätzlich mit dem Erste Bank Social Designpreis. Der Eintritt ist bei allen drei Projekten frei.

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe der zwölften Stadtarbeit-Ausgabe: Wien muss, wie schon oft als Stadt der Trends und Innovationen gefeiert, für ein gutes Fest gar nicht die Location wechseln. Es reicht, ein Garagentor offenzulassen.