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MUSIK

Der schwarze Teufel heißt Vater

Der MuTh-Saisonstart in Wien bringt heuer vier Abende zwischen einem Vater-Tochter-Drama, einem vergessenen Grimm-Bruder und singender Klarinette.

Von Redaktion · 8. September 2026 · 3 Min. Lesezeit
MuTh Saisonstart Wien: Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten

Zwischen 17. September und 5. Oktober 2026 spielt der Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten vier sehr unterschiedliche Programme, mit Devid Striesow, den Brüdern Zirner und Daniel Ottensamer in den Hauptrollen.

„Mein schwarzer Teufel“ heißt jenes Stück, mit dem das MuTh die Saison am eindrücklichsten eröffnet, und der Titel ist Programm. So nennt die Produktion den jahrzehntelangen Briefwechsel zwischen Sigmund und Anna Freud: Nähe und Distanz, Fürsorge und Emanzipation, Liebe und Macht, verhandelt zwischen einem Vater, der die Psychoanalyse erfunden hat, und einer Tochter, die sie fortschrieb. Devid Striesow und Gioia Osthoff lesen und spielen die beiden am 3. Oktober, 19:30 Uhr, ein Kammerspiel, das ohne große Bühnenbilder auskommt, weil die Worte längst genug hergeben.

Devid Striesow spielt Sigmund Freud im MuTh-Stück Mein schwarzer Teufel

Devid Striesow als Sigmund Freud in „Mein schwarzer Teufel“. © MuTh/Nils Schwarz

Der Grimm, den keiner kennt

Drei Wochen vorher, am 30. September, holt das MuTh eine andere Familiengeschichte ans Licht: Ferdinand Grimm, den dritten, unbekannten Bruder von Jacob und Wilhelm. Er sammelte selbst Sagen, unterstützte seine berühmteren Geschwister und wurde nach seinem offenen Bekenntnis zur eigenen Homosexualität aus der Familie gedrängt. August und Johannes Zirner erzählen seine Geschichte gemeinsam mit dem Edgar-Knecht-Trio, „Wege durch das Land“ heißt der musikalische Abend.

August und Johannes Zirner erzählen die Geschichte von Ferdinand Grimm im MuTh

August und Johannes Zirner erzählen Ferdinand Grimms Geschichte. © MuTh/Moritz Schell

Eine Oper über Gier und Klima

Noch früher, am 17. September, eröffnet die ungewöhnlichste Produktion die Saison: „The Sailmaker’s Wife“ von Kristin Norderval, eine hybride Oper nach einem japanischen Märchen über eine Kranichfrau, die sich in menschliche Gestalt verwandelt. Studio Dan bringt dazu Kammermusik, Theater und Live-Elektronik zusammen, ein eigens gebautes Instrument verarbeitet die Gesangsstimme in Echtzeit, bis sie sich im Klanggewebe auflöst. Erzählt wird, kaum verschlüsselt, von Klimakrise und dem Preis des Reichtums, eine Koproduktion mit den Musiktheatertagen Wien.

Kristin Norderval, Komponistin von The Sailmaker's Wife im MuTh Wien

Kristin Norderval, Komponistin von „The Sailmaker’s Wife“. © MuTh/Fin Serck-Hanssen

Die Klarinette darf singen

Zum Abschluss, am 5. Oktober, rückt „Hommages zwischen Wort und Ton“ die Klarinette als singendes Instrument in den Mittelpunkt. Romana Amerling, Daniel Ottensamer und Christoph Traxler verbinden Gesang, Klarinette und Klavier mit Werken von Louis Spohr und Edvard Grieg, im zweiten Teil treffen Manuel de Falla, Richard Strauss und George Gershwin instrumental auf vokal.

Vier Abende, ein Haus, kein gemeinsamer Nenner außer der Lust am Umweg. Genau das ist die Handschrift des MuTh seit seiner Gründung als Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten. Wer wissen will, wie viel Musik in einem Brief steckt, fängt am besten bei Anna Freud und ihrem Vater an.

Der MuTh-Saisonstart im Überblick

Ort: Das MuTh, Am Augartenspitz 1, 1020 Wien
Do 17.9.2026, 19:30 Uhr: „The Sailmaker’s Wife“ (Kristin Norderval, Studio Dan)
Mi 30.9.2026, 19:30 Uhr: „Wege durch das Land – Der fremde Märchenbruder Ferdinand Grimm“
Sa 3.10.2026, 19:30 Uhr: „Mein schwarzer Teufel“ (Devid Striesow, Gioia Osthoff)
Mo 5.10.2026, 19:30 Uhr: „Hommages zwischen Wort und Ton“ (Amerling, Ottensamer, Traxler)
Karten und Preise: muth.at oder +43 1 347 80 80