Zum Inhalt springen
ABO
MUSIK

Eine Tafel für den Buben vom Gürtel

Georg Danzer bekommt zu seinem 80. Geburtstag eine Gedenktafel an seinem Wiener Elternhaus, dem Gaudenzdorfer Gürtel 47. Enthüllt wird sie am 7. Oktober 2026 um 13 Uhr, mit Reden, Musik und einem Fest am Abend.

Von Redaktion · 22. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

„Am Gürt’l staut si‘ da Berufsverkehr, i hör a Straßenbahn von weit weit her, i steh beim Fenster und bin 14 Jahr’“ – so beginnt eines der stillsten Lieder von Georg Danzer, benannt nach der Adresse, an der er von 1946 bis 1965 wohnte, im ersten Stock, links neben der Eingangstür. Kein Austropop-Hit mit Refrain zum Mitgrölen, sondern ein Bub am Fenster, der dem Gürtel beim Stauen zuschaut und sich fragt, wie das Leben wohl weitergeht. Man kennt Danzer als Chansonnier mit weißem Sakko und Schmäh in Reinkultur, als Jö-Schau-Erfinder und Weltbürger zwischen Wien und den Bahamas. Aber angefangen hat alles an diesem Gürtel-Eck in Meidling, mit Straßenbahnlärm statt Bühnenlicht.

Was am 7. Oktober passiert

Um 13 Uhr wird die Tafel an der Fassade enthüllt, gleich danach ist Fototermin. Ab 13:15 Uhr gibt es Ansprachen und ein gemeinsames Anstoßen auf Danzer, untermalt von ein paar seiner Lieder live, ehe ab 13:45 Uhr Zeit für Interviews bleibt. Als Gesprächspartner stehen Franz Schwarz, Danzers langjähriger Manager, sowie Hauseigentümer Dr. Klaus Pfoser und Mariella Pfoser, Geschäftsführerin des Hauses, zur Verfügung. Wer am Vormittag keine Zeit hat, kommt am Abend: Ab 19 Uhr spielt im Erdgeschoß des Hauses ein Ensemble Wiener Liedermacher und Sängerinnen Danzers Lieder, bei einem Konzert, das eher Hausfest als Gala ist.

Ein Lied wird zur Adresse

Dass ausgerechnet dieses Haus die Tafel bekommt und nicht, sagen wir, ein Konzerthaus, passt zu einem, der sich zeitlebens wenig aus großen Bühnen und viel aus genauen Beobachtungen gemacht hat. Der Gaudenzdorfer Gürtel war für den jungen Danzer offenbar Fenster zur Welt und Gefängnis zugleich, Grätzel-Enge mit Blick auf den Verkehr, der nirgendwohin fährt. Dass er dieser Straße Jahrzehnte später ein eigenes Lied widmete, verrät mehr über seinen Blick auf Wien als jede Hommage von außen: keine Sehenswürdigkeit, sondern ein Fenster, durch das ein 14-Jähriger geschaut hat.

Die Bar, die seinen Namen trägt

Im Erdgeschoß desselben Hauses hat vor Kurzem die George’s Bar aufgesperrt, benannt nach genau jenem Buben, der einst oben wohnte. Zwei Räume, eine Terrasse, ein Ziegelgewölbe über dem Tresen, ein Ort zum Mieten für Feiern, Seminare und, wie am 7. Oktober, für ein musikalisches Gedenken. Dass ein Elternhaus zur Eventlocation wird, klingt zunächst nach Kommerz, fühlt sich aber, wenn man Danzers eigene Zeilen über dieses Haus kennt, eher wie eine folgerichtige zweite Karriere der Adresse an.

Der Berufsverkehr am Gürtel staut sich vermutlich auch am 7. Oktober wieder wie eh und je. Nur dass diesmal einer der Wartenden zur Fassade hochschauen und dort eine Tafel sehen könnte, die an jenen Buben erinnert, der genau das immer schon gesungen hat.

Mehr zu Georg Danzers Wiener Nachleben: Danzermania – Tribut tut gut.

Termin & Ort

Mittwoch, 7. Oktober 2026: Gedenktafel-Enthüllung 13 Uhr, Konzert und Feier ab 19 Uhr. Gaudenzdorfer Gürtel 47, 1120 Wien (George’s Bar). Öffentliche Anreise: U4 Margaretengürtel.