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KULTUR

Danzermania – Tribut tut gut

Derzeit herrscht ja durchaus inflationäres Verlangen nach Tribute-Shows an Epochen, Bands oder Künstler, inter- wie national. Es macht aber durchaus einen Unterschied, wenn dies Menschen unternehmen, die mit dem Künstler in persönlicher Bindung standen. So wie diesfalls mit dem großen Georg Danzer.

Von Franz J. Sauer · 28. August 2026 · 6 Min. Lesezeit

Ein Weggefährte hält Erinnerung

Christian Becker, jener großartige Wiener Gastronom, Sänger, Musiker und sich-Gedanken-Macher, war einer der engsten Weggefährten des Georg Danzer in dessen letzten Tagen. Und das, obwohl er vom Altersunterschied her sein Sohn sein könnte. Damals entstand ein hochemotionales Interview, das Becker eingebettet in Freundschaft mit dem Sänger für den WIENER führte . Dass es schließlich auch das letzte Interview sein sollte, das Georg Danzer in seinem Leben gab, war ein boulevardesker (für uns) wie trauriger (für uns alle) Zufall.

151.000 Euro für kranke Kinder

Ab der Minute, in der Georg seine Augen schloss, ist Becker nun aus innigstem Antrieb damit beschäftigt, das Andenken an einen der größten Künstler, die Österreich je seiner Musikszene angehörig nennen durfte, hochzuhalten. Im Sinne des Künstlers, der diesen Wunsch auch noch persönlich artikulierte, stets zu finanziellen Gunsten der St. Anna Kinderkrebsforschung. So wurden einst alljährliche „Danke, Danzer!“ Shows mit Danzers Mitmusikern und weiteren, durchaus hochprominenten Freunden abgehalten, stets unter organisatorischer Mitwirkung von Danzers Freund und Manager Blacky Schwarz. Und der derzeitige Spendenstand alleine aus den heuer bislang abgehaltenen Shows hält bei fetten 151.000 Euro!

„Der derzeitige Spendenstand alleine aus den heuer bislang abgehaltenen Shows hält bei fetten 151.000 Euro!“

Von der Kult-Show zur Revue

Weil das Liedgut des Danzer mehr Fans hat, als man glaubt, wuchs die Begeisterung für die, stets in Danzers Geburtstagsmonat Oktober abgehaltenen Shows von Jahr zu Jahr an. Im Oktober 2016 fanden sie erstmals unter dem Titel Danzermania statt. Und in Vorbereitung auf Georg Danzers 80. Geburtstag im Jahr 2026 wurde aus dem Setting eine regelrechte Bühnenrevue, die bloß von zeitlichen Gegebenheiten davon abgehalten wird, dem überreichhaltig ausuferndem Angebot, das Danzers Repertoire nun einmal zu bieten hat, gerecht zu werden.

Hut, Kapperl und Tschurrifetzen

Also hat man den Fokus auf die grandiose Platte „13 schmutzige Lieder“ gelegt, wollte diese zunächst komplett theatralisch nachstellen. Was wiederum ausufernd viel anderes, großartiges Material links liegen gelassen hätte. Also hat man dann doch auch wieder von anderen Platten „zugefüttert“, was aus dem Ganzen eine doch sehr runde Werkschau des Danzer-Ouevre gemacht hat. Und weil der schlaue Becker eben ein schlauer Kerl ist, hat er auch einen wirklich sympathischen Bund aus sogenannten „Merchandising“-Produkten entwickelt, deren bravste Auswüchse ein wundervolles Doppelalbum (Vinyl) sowie ein Mühlbauer-Hut sind. Aber auch ein rotes „Hupf in Gatsch again“-Kapperl gibt’s, und sogar sowas wie einen Tschurrifetzen …

Marianne Mendt singt mit

Das Programm, das nun dieser Tage zwei Mal das Theater im Park ausverkaufte, und bis Jahresende noch weiterhin munter durch die Lande zieht, spannt sich von den Klassikern über die Hits bis zu eher unbekannten, umso feineren Kleinodien wie „Stau auf der Tangente“. Unterricht im Park gab es sozusagen auch: Dass „Komm, alter Pianospieler“, einer der größten Hits der superben Marianne Mendt, aus Danzers Feder stammt, hatte ich bislang nicht gewußt. Die rüstige 80jährige (ein Jahr älter als Danzer heute wäre) trat in munterer Freundlichkeit für drei Songs auf, würdigte ihren Freund Georg, mit dem man in den 1970ern durch Wien („Hawelka, Fledermaus und wieder retour, mitten in der Nacht“) zog, auf denkbar respektvollste Art und Weise. Auch Adi Hirschal, dem Danzer ein paar Titel für seine „Strizzilieder“-Konzerte in den 1990ern schrieb, kam für zwei Gstanzln on stage.

Die Stammbesetzung der Revue

Womit wir bei der Stammbesetzung der Danzermania anlangen: Neben Christian Becker, sozusagen als Spiritus Rektor, wird die Revue-Show von weiteren Persönlichkeiten getragen, die eng mit Danzer in Verbindung standen. Ulli Bäer spielte mit ihm jahrelang in der Band, sowohl solo, als auch in den Nebenprojekten „Austria 3“ oder „Danzer, Bäer, Baum“, seine Stimme klingt anno 2026 interessanterweise jener des Georg am ähnlichsten, obwohl er es sicherlich nicht darauf anlegte. Ein weiteres Mal klingt im verhalten gemischten Sound („Die Nachbarn hier im Park …“) klar durch, dass Bäer auch an der Stratocaster einer der virtuosesten Musiker ist, die Österreich hoffentlich noch sehr lange bespielen. Andy Baum, im ersten Teil des Abends im Richard-Gere-Outfit der Pretty-Woman-Phase (was ihm hervorragend steht!) auftretend, hat ebenso oft wie lange mit Danzer auf Bühnen gestanden, seine Version des „Stau auf der Tangente“ geht mehr als unter die Haut. Becker himself reißt mit „Da Oide Wessely“ nicht nur Mauern nieder und Wunden auf, sondern auch die hohe E-Seite seiner Les Paul ab, ein Opfer des (leider auch zu leise abgemischte) fetzigsten Gitarren-Solos des Abends. Zu heimlichen Publikums-Lieblingen des Ensembles entwickelt sich der hochvirtuose wie nicht minder sympathische Bläsersatz bestehend aus den Routiniers Martin Fuss, Josef Burchartz und Clemens Hofer. Die Backing-Band an sich besteht aus Danzers Mitmusikern Lenny Dickson (Schlagzeug, Performance, es ist ein Fest ihm beim Spielen zuzusehen), Martin Mader (Keys, sowieso längst solide Größe des heimischen Tastengewerkes) und Thomas Mora (Bass, gibt allzeit hörbar aber niemals merkbar dem Ganzen ein stahlbetönernes Fundament). Und last but not least seien hier noch der großartige Matthias Kempf genannt, auch seit vielen Jahren in der Szene wohlbekannt – leider nur, gehört er doch längst auf die Bühnen von Stadthalle und größeren Gebinden – und die einzigartige Tini Kainrath, keineswegs nur deshalb einzigartig, weil die einzige Frau auf der Bühne, wenn man von Frau Mendt absieht. Tini adelt einfach jedes Ensemble, dem sie angehört, mit ihrer magischen Präsenz, ihrer distinguierten Eleganz und einer der besten Stimmen in einfach jeder denkbaren Lage, die derzeit durch heimische Lande touren

„Becker himself reißt mit ‚Da Oide Wessely‘ nicht nur Mauern nieder, und Wunden auf, sondern auch die hohe E-Seite seiner Les Paul ab.“

Musikgruppe performt auf blau beleuchteter Bühne bei Danzermania
Marianne Mendt im Kreise der Band
Christian Becker mit noch sechssaitiger Les Paul, Tini Kainrath und Andy Baum (© Thomas Zeidler)

Danzermania – 80 Jahre Georg Danzer

Das Programm streift alle Genres wie Schaffensperioden, das Bühnenbild erinnert ein bissl ans Hawelka, insgesamt sollte man das Projekt als Bühnen-Revue inszenieren und auf die ganz große Runde schicken. Schließlich war Georg Danzer nicht nur in Österreich ein Star, auch die Deutschen wissen sehr wohl auch die guten Leute und nicht nur die Dämonen hoch zu schätzen, die wir ihnen gelegentlich vorbeischicken.

Alle derzeit tatsächlich gebuchten Termine finden sich hier. Unbedingte Empfehlung!

1600 Menschen im Theater im Park (© Thomas Zeidler)
Die Band hernach beim Autogramme geben am Merchstand