Was steckt in unseren Stoffen?
Das Technische Museum Wien zeigt ab Herbst die neue Sonderausstellung „Tec/xtil – Faser, Funktion, Fashion“.

Das Feinripp-Leiberl, die Regenjacke, die Wandersocke: Kaum ein Gegenstand ist dem Körper so nah wie ein Stück Stoff, und kaum einer wird so selten hinterfragt. Woher die Fasern kommen, wie sie versponnen, gewebt und veredelt werden, bleibt im Alltag meist unsichtbar. Genau dort setzt das TMW an: Aus dem k. k. Fabriksproduktenkabinett und der hauseigenen Warenkundesammlung holt es historische Textilproben neben aktuelle Kleidungsstücke und stellt beides gemeinsam aus.
Drei Aufzüge wie im Theater
Die Sonderausstellung ist, in Anlehnung an die klassische Theaterdramaturgie, in drei Aufzügen aufgebaut: Der erste geht der Produktion auf den Grund, der zweite gibt Raum für die individuelle Nutzung, der dritte fragt nach dem Danach – was passiert mit Textilien, die niemand mehr trägt. Aktuelle Forschung trifft auf historische Objekte und ausgefeilte Alltagstextilien, mit dem erklärten Ziel, den Blick vom Detail bis auf das große Ganze zu lenken: die Herausforderungen von Überproduktion und textilem Abfall eingeschlossen.
Eine Schau auf Reisen
„Tec/xtil“ ist Teil eines europäischen Kooperationsprojekts, das TMW konzipiert und mit zwei Partnerhäusern realisiert: der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund und dem Parque de las Ciencias in Granada. Nach dem Wiener Lauf zieht die Ausstellung dort jeweils weiter – ein bewusster Gegenentwurf zur Wegwerf-Sonderschau, die nach ein paar Monaten im Depot verschwindet.

Das Technische Museum Wien an der Mariahilfer Straße, Schauplatz der neuen Sonderausstellung. © Wikimedia Commons
Wer die Schau trägt
Partner des Technischen Museums ist Wiener Netze, als Co-Sponsoren treten Création Baumann und die Lenzing AG auf – ein Faserhersteller, der bei einer Textil-Ausstellung naturgemäß mehr ist als nur ein Logo auf der Tafel. Die Veranstaltung selbst soll nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens für Green Meetings und Green Events ablaufen.
Wer beim nächsten Griff in die Kleiderlade kurz überlegt, woher der Stoff eigentlich kommt, hat das Prinzip der Ausstellung schon verstanden, bevor er sie betreten hat.

