Wien schickt eine Rakete ins Regal
Lomography schickt seine Kult-Panoramakamera Sprocket Rocket in zwei neue, limitierte Editionen namens Starlight und Ultra Violet. Ab sofort sind beide um 49 Euro im Online-Shop und bei ausgewählten Händlern erhältlich, solange der Vorrat reicht.

1991, ein Flohmarktstand in Prag, eine gebrauchte Lomo LC-A um ein paar Kronen: Drei Wiener Studenten kauften die kleine Kamera, weil sie schön aussah, und merkten erst zu Hause, was sie damit angerichtet hatten. Bilder mit satten Farben, dunklen Rändern und einer Unschärfe, die niemand bestellt hatte. Ein Jahr später gründeten sie in Wien die Lomographische Gesellschaft, und aus dem Zufallsfund vom Flohmarkt wurde ein Weltkonzern für das bewusst Unperfekte. Die zehn Regeln der Lomografie, allen voran „Nicht denken, einfach schießen“, sind bis heute ihr Leitsatz. 2011 kam mit der Sprocket Rocket der bis heute schrägste Wurf der Marke dazu: eine Panoramakamera, die die Transportlöcher des Films – die titelgebenden Sprockets – gleich mitbelichtet. Jetzt schickt Wien zwei neue Farbversionen davon ins Rennen.
Was die neue Rocket kann
Die Lomography Sprocket Rocket belichtet die volle Breite eines 35-mm-Films und liefert damit ein Panoramaformat von 1:3, deutlich breiter als jedes Smartphone-Foto. Ein optionaler Rahmeneinsatz blendet die Sprocket-Löcher bei Bedarf aus, für klassische Panoramen ohne Zacken am Rand. Dazu kommen ein Rückspulrad für Mehrfachbelichtungen, ein Blitzschuh, ein Fokussierbereich von 0,6 Metern bis unendlich und ein Sichtfeld von 106 Grad. Batterien braucht die Kamera keine, Lomography setzt weiter auf reine Mechanik. Auf Festivals, am Donaukanal oder bei der Hochzeit der Zwanzigjährigen macht sich das breite Format gut: Wo das Handy croppt, nimmt die Rocket die ganze Szene mit, Fehlbelichtung inklusive.

Preis und Verfügbarkeit
Starlight und Ultra Violet unterscheiden sich rein optisch: Ein Modell schimmert sternenklar hell, das andere taucht das Gehäuse in sattes Violett. Beide Editionen kosten 49 Euro, sind ab sofort in limitierter Stückzahl im Lomography-Onlineshop sowie bei ausgewählten Händlern erhältlich und kommen mit Sprocket-Rahmen, Objektivdeckel und einem kleinen Foto-Booklet in der Box.


Eine Marke aus Wien
Der Hauptsitz von Lomography liegt bis heute in der Wiener Kaiserstraße, den stationären Nachschub gibt es im Embassy Store in der Kettenbrückengasse, gleich ums Eck vom Naschmarkt. Für die Wiener Analog-Szene ist das mehr als eine Randnotiz. Erst Anfang September brachte die Marke mit der Fisheye No.2 Graffiti Edition eine weitere Neuheit auf den Markt, jetzt folgt schon die nächste. Dass der Wiener Zufallsfund vom Prager Flohmarkt heute in Dutzenden Ländern verkauft wird, ändert nichts daran, dass die Firmenzentrale ein paar Straßenbahnstationen vom Museumsquartier entfernt liegt. Der Boom ist auch kein Zufall: Analogfilm und mechanische Kameras ziehen europaweit seit Jahren wieder an, und mitten in dieser Bewegung sitzt, historisch gesehen, ausgerechnet eine Firma aus dem siebten Bezirk.

Wer im Herbst noch einen Film einlegen will, tut das ab sofort mit ein bisschen mehr Sternenstaub.

