Sterne haben Vorgeschichten
Hinter jedem Michelin-Stern steckt eine Geschichte, und Relais & Châteaux erzählt acht davon, eine sogar aus Tirol. Alban Pfurtscheller kocht im SPA Hotel Jagdhof im Stubaital auf Sterne-Niveau.

Der Michelin Guide ist in seinen Versprechen übrigens genauer, als man sich merkt: Ein Stern heißt, ein Stopp lohnt sich, zwei Sterne sind einen Umweg wert, drei Sterne eine eigene Reise. Was die Zahl nicht verrät, ist der Weg dorthin. Relais & Châteaux, der Zusammenschluss unabhängiger Hotels und Restaurants, hat acht Köchinnen und Köche aufgeschrieben, deren Wege kaum unterschiedlicher sein könnten.
Der Tiroler unter den acht
Den österreichischen Part übernimmt ein Tiroler. Was dort wächst und lebt, landet bei Alban Pfurtscheller auf dem Teller: Wild aus eigener Jagd, Kräuter von den Bergwiesen, saisonale Raritäten. Seine Hubertusstube im Relais & Châteaux SPA Hotel Jagdhof in Neustift trägt einen Michelin-Stern und vier Hauben von Gault & Millau. Pfurtscheller greift die alpenländische Küchentradition auf und setzt internationale Akzente, die Produkte der Region bleiben der Ausgangspunkt. Dazu gibt es eine umfangreiche Weinkarte mit großen Namen und Entdeckungen.
Wer gerne wissen möchte, wie entspannt Spitzenküche in Österreich auch sein kann: Am Wörthersee kocht Hubert Wallner mit vier Hauben und Michelin-Stern ganz ohne Krawattenzwang, „Große Küche, kein Getue“ erzählt davon.
Von der Lehre zum Stern
Dann die übrigen sieben. Martin Herrmann ist dem Hotel Dollenberg seit mehr als 40 Jahren verbunden, begann dort als Kochlehrling und wurde 1991 Küchenchef im Restaurant Le Pavillon. Heute steht seine Küche mit zwei Michelin-Sternen für eine moderne Interpretation der französischen Kochkunst, inspiriert vom Schwarzwald. Jeden Dienstag ab 19 Uhr lädt er zur Küchenparty: Gäste flanieren durch die Küche, probieren aus Töpfen und Pfannen und schauen dem Sternekoch über die Schulter.
Auch Claus-Peter Lumpp hat im Hotel Bareiss begonnen, bevor ihn Stationen bei Eckart Witzigmann, Heinz Winkler, Johann Lafer, Alain Ducasse und Enzio Santin prägten. Die Forellen, Saiblinge und Goldforellen für seine Küche wachsen im hoteleigenen Forellenhof Buhlbach in Quellwasserbecken. Das Restaurant Bareiss hält seit 18 Jahren in Folge drei Michelin-Sterne, 2025 bekam Lumpp den MICHELIN Mentor Chef Award für seine Nachwuchsförderung.
Wabi-Sabi, vegan, Nordsee
Nelson Müller hat mit seinem Team die „Schote“ von Essen in die Diepeschrather Mühle bei Bergisch Gladbach übersiedelt und 2026 am neuen Ort erneut einen Stern erkocht. Andreas Krolik, zwei Sterne am Frankfurter Palmengarten, widmet der veganen Küche ein eigenes Menü und hat darüber ein Kochbuch geschrieben. Toni Neumann im VILLINO verbindet regionale Produkte mit Asien, dem Mittelmeer und Südamerika und gibt Kochkurse. Markus Kebschull führt mit dem Seesteg das einzige Sternerestaurant der Ostfriesischen Inseln auf Norderney, französische Klassik trifft dort auch die Gewürzvielfalt der indischen Küche.
Und Peter Fridén im PURS, ein Haus, das Axel Vervoordt gestaltet hat? Er wurde in Südkorea geboren, wuchs in Schweden auf und verbindet nordische Küche mit japanischen und französischen Einflüssen. Sein Leitsatz heißt Wabi-Sabi, die japanische Idee, das Natürliche und Unvollkommene wertzuschätzen. Dazu passen mehr als tausend Weine, Sake und Kombucha.
Acht Köche, acht Herkünfte, ein Stern auf der Jacke. Wie weit der Umweg zum Teller ist, entscheidet am Ende wohl die Geschichte, nicht die Zahl.

