Sex wie die Viecher
Bussis, Romantik und Kerzenschein? Die Evolution hat andere Pläne. Zwischen schreienden Katzen, verschmelzenden Anglerfischen und Bettwanzen mit Hang zur Körperverletzung zeigt das Tierreich, wie brutal die Natur wird, wenn es um die Weitergabe der eigenen Gene geht. Wer glaubt, menschliche…

Bussis, Romantik und Kerzenschein? Die Evolution hat andere Pläne. Zwischen schreienden Katzen, verschmelzenden Anglerfischen und Bettwanzen mit Hang zur Körperverletzung zeigt das Tierreich, wie brutal die Natur wird, wenn es um die Weitergabe der eigenen Gene geht.
Wer glaubt, menschliche Sexualität sei kompliziert, hat noch nie einer Stockente beim Gang-Rape zugesehen. Während wir über Konsens, Beziehungsmodelle und emotionale Verfügbarkeit diskutieren, herrschen im Tierreich deutlich krassere Regeln: Gene sollen weitergegeben werden. Wie genau? Darüber streitet die Evolution seit Millionen Jahren mit bemerkenswerter Kreativität. Und so wird gebissen, verschmolzen, durchbohrt, gefressen und geschrien. Manche Partner bleiben ein Leben lang zusammen. Andere nur bis zum Dessert. Willkommen in der vermutlich verrücktesten Erotiksammlung der Naturgeschichte.
TEXT: Janina Lebiszczak · ILLUSTRATION: Bernd Püribauer
Fauch: Von wegen Samtpfote
Beginnen wir mit den Katzen – jeder, der schon einmal im Sommer bei offenem Fenster geschlafen hat, kennt diese Geräuschkulisse. Es klingt, als würde eine Opernsängerin auf Legosteine treten. Tatsächlich handelt es sich meist um eine rollige Kätzin, die ihre Verehrer anlockt. Und die kommen zahlreich. Mehrere Kater können sich um dieselbe Dame versammeln, kämpfen, drohen und auf ihre Chance warten. Romantisch ist daran wenig. Noch weniger romantisch ist die Tatsache, dass der Penis des Katers mit kleinen Verhornungen besetzt ist. Beim Zurückziehen entsteht ein Schmerzreiz, der den Eisprung auslöst. Die berühmten Schreie haben also einen biologischen Hintergrund. Die Natur hat sich offenbar gedacht: Warum einfach, wenn es auch dramatisch geht? Ah ja: Da Katzen mehrfach gedeckt werden können, stammen die Jungen eines einzigen Wurfes nicht selten von unterschiedlichen Vätern. Das erklärt, warum manche Kitten aussehen, als hätte sich die gesamte Nachbarschaft genetisch verewigt.
Steckbrief
Die Hauskatze
Motto: „Erst wird geschrien, dann gefaucht.“
- Mehrere Kater konkurrieren gleichzeitig um ein Weibchen
- Paarungen erfolgen häufig mit verschiedenen Partnern
- Der Penis des Katers besitzt kleine Widerhaken
- Der Schmerzreiz löst den Eisprung aus
WIENER-Wertung: ⭐⭐⭐
Die lauteste Liebesgeschichte im Hinterhof.
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