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Wittmann bleibt lieber in Wien

Wittmann hat seine Neuheiten zum 130. Geburtstag nicht in Mailand gezeigt, sondern in Wien, in einem neu inszenierten Showroom gegenüber der Secession. Zum Auftakt der Vienna Design Week lud die Möbelmanufaktur aus Etsdorf in Niederösterreich zur Preview „130 Years of Comfort“.

Von Redaktion · 26. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit
Orangefarbenes Wittmann Sofa und gelber Fauteuil im Showroom gegenüber der Wiener Secession

Der Salone in Mailand gilt in der Möbelbranche als Pflichttermin, an dem man Neuheiten vorführt, wo sie die Welt sieht. Wittmann führte sie heuer lieber daheim vor, und zwar mit Absicht. Der Showroom in der Friedrichstraße 10 und die vorgelagerten Glaspavillons wurden dafür komplett neu gestaltet: neue Räume, neue Welten, neue Möbel.

Ledervorhänge statt Messestand

Das Ausstellungskonzept stammt von der Architektin Claudia Cavallar. Gepolsterte Ledervorhänge und fein gefältelte Stoffbespannungen gliedern die Flächen in einzelne Sets, in denen sich die Möbel in ihrer handwerklichen Qualität, ihrer Präzision und ihrem Einfallsreichtum entdecken lassen. „Diese weichen, geschwungenen Wände trennen den Raum nicht nur, sie verschaffen auch immer wieder neue Blicke von Szene zu Szene und hinaus in die Stadt“, sagt Geschäftsführerin Alice Wittmann. „Denn wir sind ganz bewusst hier in Wien und das spürt man in der gesamten Ausstellung.“

Zum Treffpunkt wurde die fein kuratierte Preview für Handels- und Planungspartner sowie die Design-Community rund um das Haus. Die Designerinnen und Designer der Neuheiten gaben Einblicke in ihre Entwürfe und in die Zusammenarbeit mit Wittmann.

Neu zwischen den Klassikern

Die Neuheiten standen bewusst nicht in einer eigenen Ecke, sondern zwischen den Klassikern von Spalt, Kiesler und Hoffmann. „Wir zeigen, was mit Formen, Farben und Materialien möglich ist“, sagt Alice Wittmann, „und wir inszenieren dabei unsere eklektische Kollektion.“ Zu sehen waren unter anderem das Sofa LAGUNA des Note design studio, der STICKS TABLE, der CONSTANZE Fauteuil, die FLEDERMAUS Stühle und der MILES Bistrotisch. Weitere Neuheiten tragen die Namen MONTE von Jaime Hayon, HALO von Luca Nichetto und DAYTIME von Soda Designers.

Besonders deutlich wurde der Wiener Bezug beim Dessert des Abends: Es kam in Form von Mini-Fauteuils des KUBUS, eines Wittmann-Klassikers, auf den Teller. Wer die Vorgeschichte des Jubiläumsjahres nachlesen will, findet sie im Sommer-Stück 130 Jahre Wittmann: Sitzfleisch in Rot, Schwarz, Weiß.

Alice Wittmann spricht beim Jubiläumsevent 130 Years of Comfort in Wien
Alice Wittmann führte durch den Abend und dankte ihrem Team. © Wittmann

Möbel für Menschen, gemacht

Jaime Hayon, der für Wittmann entwirft, nutzte seinen Auftritt für eine kleine Liebeserklärung an das Handwerk. Frei aus dem Englischen übersetzt sagte er: „Brauchen wir noch einen Stuhl? Nein. Aber wir brauchen Emotionen und Geschichten.“ Wittmann biete Möbel für Menschen, von Menschen gemacht, mit Holzgestellen, sorgfältig geschichteter Polsterung und hochwertigen Stoffen, so wie man es früher gemacht habe. Dass das Haus von hier komme, von hier aus in die Welt gegangen sei und als Familie geführt werde, nannte er etwas Wunderbares.

Alice Wittmann führt das Familienunternehmen, das seit 1896 in Etsdorf produziert, in der fünften Generation. Am Abend dankte sie ihrem Team: Wittmann, das seien nicht nur Fauteuils, Sofas, Stühle, Betten und Matratzen, sondern vor allem die Menschen dahinter. Ihre Überzeugung: Das Handwerk hat Zukunft, denn „wir gehören in dem, was wir machen, zur absoluten Weltspitze“.

Mailand kann warten. Wenn ein Haus 130 Jahre alt wird, darf es zum Fest ruhig bei sich daheim einladen. Gesessen wird dort ohnehin besser.