Weine aus Ägypten, Aserbaidschan und Rumänien: Jeder eine Überraschung

Was Ägypten, Aserbaidschan und Rumänien so keltern…

Als Spitzendiplomat hat mein Freund eine Sondermission bis auf Widerruf: „Bring von Deinen globalen Einsätzen Wein mit“ – so es welchen gibt am Krisenherd. Nun, es gab wieder reichlich, weshalb wir uns unter anderem zu einer Flasche „Obelisk“ trafen. Diese stammt wenig überraschend aus der ägyptischen Weinproduktion, wird von einem internationalen Önologen betreut, aber auch der kann keine Wunder wirken, weshalb wir diesen Rotwein lieber übergehen.

Spannender, nicht nur weil die Erwartungen praktisch non-existent waren, erwies sich Aserbaidschans Vertreter in der Exoten-Kost. Der „Quabala“ (mitunter auch als Gabala transkribiert) ist eine Cuvée aus Muskat, der aromatisch aber kaum durchschlug, und der Kaukasus-Rebsorte Rkatsiteli. Das Ganze beeindruckt vor allem durch eine schöne salzige Note, die sich über die leicht exotische Frucht-Aromatik legt. In der Blindverkostung beschrieben wir ihn als Grauburgunder aus dem Seewinkel. Davon darf es ruhig mehr sein, wobei der flaschenweise Eigenimport per Luftfracht vielleicht nicht den idealen Beschaffungsvorgang darstellt.

Weniger weit entfernt, aber immer noch wenig zu finden in den Kellern und auf den Weinkarten, ist Rumänien. Das EU-Land hat dank kräftiger Investitionen, vornehmlich aus Westeuropa, qualitativ aufgeholt. Zwar fehlt noch ein klar zuordenbares Geschmacksbild, ein einheitlicher Stil oder echte Terroir-Weine, bis ins mittlere Segment ist man aber bereits gut aufgestellt, wie die drei Weine des Abends zeigten (von denen zwei erwähnt seien). Die„Cramele Recas“ befinden sich im Westen Rumäniens und versuchen unter neuen, teils britischen Eigentümern an die Tradition des Weinbaus anzuschließen, die die Region nachweislich seit 1447 besitzt. Beim „Sola Quinta“, der teureren Linie des 800 Hektar großen Imperiums, gelingt dies durchaus: Es wurde ein vollmundiger Chardonnay, der an die frühe Neue Welt-Stilistik, noch ohne zu mächtigen Holzeinsatz, denken lässt. Dass KellermeisterHartley Smithers Australier ist, mag ein Grund dafür sein.

Eine rarere Spezies aus dem Karpatenland stellt der „Emeritus“ dar, ein auf 4.000 Flaschen limitierter Merlot. Die Sorte hatten wir zwar nicht unbedingt auf dem Ticket, da auch eine schöne Würze (Thymian, zarte Nuss-Noten und herbe Kakao-Töne) den Wein prägten. Der unfiltrierte Merlot, der ganz patriotisch 18 Monate lang in rumänischen Eichenfässern ruht, lässt sich momentan schön trinken, zu Wildgerichten passt er bestens.


Bezugsquelle: Der „Quabala“ aus Aserbaidschan kann über www.vine.az direkt bezogen werden, Cramele Recas „Sola Quinta“ 2011 gibt es um EUR 10,90 bei www.lautarul.de, den Rotenberg-Merlot „Emeritus ceptura“ 2009 um EUR 22 ab Hof, www.rotenberg.ro