AKUT

Pokémania

Sarah Wetzlmayr

Der Central Park, ehemaliger Tempel der Erholung für viele New Yorker, wird zusehends zum Jagdgebiet für ambitionierte Poké-Trainer. Immer noch komisch absurd oder bereits bedenklich?

von Sarah Wetzlmayr

Der Pokémania sind momentan wirklich keine Grenzen gesetzt – räumlich gesehen nicht, denn die vielen sich noch in Lehrausbildung befindenden Poké-Trainer scheinen vergessen zu haben was hinter der ursprünglichen Bedeutung von „Zaun“ oder „Tür“ einmal steckte (es zählt nur noch, was sich jetzt gerade dahinter versteckt – und das könnte ein seltenes Digda sein) und gleichzeitig werden auch Tag für Tag sämtliche Grenzen des Verstandes überschritten. Der Start von Pokémon Go durchbricht also nicht nur die Grenze von Realität und virtueller Poké-Welt, sondern gleichzeitig auch viele andere. So beklagten sich beispielsweise die Mitarbeiter einer australischen Polizeistation darüber, dass jeden Tag ein Haufen auf ihr Handy starrender fremder Menschen auf der Jagd nach einem seltenen Pokémon in ihre Arbeitsstätte eindringen. Sitzt ein Pokémon dahinter, werden Türen plötzlich virtuell und das virtuelle kleine Monster dahinter zu der Realität für die es sich zu kämpfen lohnt.


Kernzelle der Pokémania scheint aktueller Berichterstattung zufolge der New York Central Park zu sein. Wenig verwunderlich, denn der weitläufige Park birgt bestimmt ideale Lebensbedingungen für wilde Taubsis, Pikachus oder Entons. Oder so. Lebensraum? Wie man sieht, geht es sehr schnell und schon wird der virtuelle Raum zur eigenen Lebensrealität.  So passierte es vor zwei Tagen in unmittelbarer Nähe des Central Park, dass Leute, also Poké-Trainer, aus ihren Autos sprangen und – die Augen fest aufs Display ihrer Smartphones geheftet – scheinbar orientierungslos durch die Gegend liefen. Doch ihre Ziellosigkeit hatte ein klares Ziel: Ein wildes, und sehr seltenes Aquana hatte sich dort versteckt. So weit, so lustig – wenn auch eher bedenklich. Doch für so manche hätte der Ausflug in die Pokéwelt bereits tödlich enden können – so schoss in Florida ein Hausbesitzer auf zwei Teenager, weil er sie für Einbrecher hielt. Dabei waren ihre einzigen Waffen zwei virtuelle Pokébälle. Nicht mehr komisch, eher bedenklich, und definitiv ein sehr sonderliches Kind unserer Zeit. Was all diese Menschen tun werden, wenn sie erstmal alle Pokémon gefangen haben, wird außerdem noch spannend. In den USA werden Psychoanalytiker wohl ein Umsatzplus verzeichnen können, denn nicht jeder wird diese große Lücke aus eigener Kraft stopfen können.

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