Film & Serie

Was hat uns bloß so ruiniert

Sarah Wetzlmayr

Wenn junge Bobo-Paare Eltern werden, ist das vermutlich auch nicht wirklich anders. Sollte man meinen – doch der neue Film von Marie Kreutzer zeigt, dass es doch so ist. 

von Sarah Wetzlmayr

Als 1996 für die Sterne aus Hamburg mit dem Song „Was hat dich bloß so ruiniert“ ein Stern am Musikhimmel aufging, war „Bobo“ noch ein mehr oder weniger hübscher Name für einen Hund – einen Bobtail zum Beispiel. Mittlerweile zieht dieses einfache Wörtchen mit 2×2 Buchstaben einen ganzen Rattenschwanz an Assoziationen und Stereotypen hinterher. Von veganen Dinkelkeksen, über aus alten Pfadfinder-Regenmänteln hergestellten Beuteltaschen bis hin zu sich selbst abbauenden Schnullern ist alles dabei. Und genau dort knüpft Regisseurin Marie Kreutzer an und tauscht dabei das Pronomen des alten Sterne-Titels aus, um die Zuseher von „Was hat uns bloß so ruiniert“ damit in die Bobowelt von drei befreundeten Paaren zu katapultieren, die sich eben genau diese Frage stellen.


„Warst du nicht fett und rosig? Warst du nicht glücklich? Bis auf die Beschwerlichkeiten. Mit den anderen Kindern streiten, mit Papa und Mama“

Die drei Paare, gespielt von Pia Hierzegger, Vicky Krieps, Pheline Rogan, Marcel Mohab, Manuel Rubey und Andreas Kiendl, erleben Dinge die jeder erlebt, empfinden diese jedoch immer als Grenzerfahrungen und herausfordernde Experimente, die auf angsteinflößende Art und Weise mit ihrer Individualität und Persönlichkeit hantieren. Ganz oben auf der Liste dieser Dinge: Dieses „Kinder kriegen“ – der ultimative und unausweichliche Eintritt in die bürgerliche Spießerwelt. Doch nicht mit Kreutzers Figuren, denn die erhoffen sich durch ihren Lebensstil, der Rauchen am Spielplatz, Kiffen und Gin Tonic umfasst, dem Aufnahmeritual in die reine und pure Bourgeoise auszuweichen. Irgendwie scheinen sie jedoch nicht ganz mitzubekommen, dass sie gemeinsam mit ihrer Welt, die vor allem aus Fjällräven-Rucksäcken, Bio-Hirsebällchen, Impfgegnerkampagnen, Fair Trade Kinderkleidung und dem ZEIT-Magazin besteht schon längst von der so gefürchteten Blase des Spießertums absorbiert wurden. Kreutzers neuer Film (nach „Gruber geht“ und „Die Vaterlosen“) liefert eine bunt bebilderte Reflexion auf sich verändernde Lebensabschnitte und die mitunter kläglich anmutenden Versuche „ganz man selbst zu bleiben“, wenn man eben gerade ein kleines „Selbst“ produziert hat. Es sind ganz klar Schwierigkeiten der Kategorie „Luxusprobleme“, die hier durchexerziert werden – doch lässt man sich erst mal auf die Figuren und ihre Welt ein, kann man sie trotzdem ganz sympathisch finden. Stark überzeichnet sind sie alle, das ist klar – doch wer noch nicht genug von der „Generation Y“ und dem damit zusammenhängendem Bobotum gehört und gesehen hat, kann ruhig mal einen Blick in „Was hat uns bloß so ruiniert“ riskieren.

Filmstart ist der 23. September. 

 

Fotos © Juhani Zebra