AKUT

Ohne Knete zur Fete

Sarah Wetzlmayr

Es ist wieder Ballsaison und trotz Kälte ist der Zug zur gehobenen Unterhaltung ungebrochen. Aber was tun, wenn die Karten aus oder zu teuer sind? Hier die besten Tricks, um sich für lau reinzumogeln.

TEXT: MARKUS HÖLLER

Der Jumper

Die beliebteste Ball-Sportart ist wahrscheinlich das Überwinden von Absperrungen, um in den Gästebereich vorzudringen. Logischerweise nur da möglich, wo es einen Außenbereich gibt. Je nach Absperrung und etwaiger Wächter kann das ein leichtes oder fast unmögliches Unterfangen sein, ist in jedem Fall aber nur bei Schönwetter für Ballgäste mit Hosen und einer gewissen Grundsportlichkeit zu empfehlen. Mit einem Riss am Hosenboden wird’s meistens auch nix mit einem Riss an der Bar.

Der Mitläufer

Weit weniger gefährlich, aber eine große Herausforderung an das Schauspieltalent ist die Methode „mittendrin statt nur dabei“. Dabei beobachtet man in der Nähe eines stark frequentierten, aber lax kontrollierten Eingangs die ankommenden Ballgäste. Mitunter bewegt sich ein ganzer Pulk an Menschen auf den Eingang zu – jetzt schnell unter die Leute mischen, ein Gespräch anknüpfen und bei der Frage nach der Karte wortreich erklären, dass man diese am Tisch hat, weil man nur die restlichen Gäste vom Parkplatz herlotsen wollte. Nicht ganz einfach, aber wenn man einen Funken mehr Schauspieltalent als ein GZSZ-Darsteller hat, klappt es ganz sicher.

Das Chamäleon

Kleider machen Leute, und wie schon weiland der Hauptmann von Köpenick kann man auch heute noch durch entsprechende Adjustierung oder das überzeugende Tragen von Insignien für alles und jeden die nötige Berechtigung signalisieren. Galauniform mit Fantasieorden? Niemand labert einen Ballgast blöd an, der möglicherweise der Neffe eines Diktators sein könnte. Auch eine Security-Warnweste für schlappe 5 Euro und eine Freisprechanlage im Ohr sorgen in Kombination mit forschem Schritt und konzentriertem Blick für freie Bahn. Und wer Zugang zu einer Feuerwehruniform hat: Jackpot! Die Feuerwehr darf alles, Platz da! Umziehen kann man sich dann immer noch drinnen, den Rucksack gibt man an der Garderobe ab.


Der Transporter

Der Lieferanteneingang ist oft die erste Wahl für gatecrasher, daher meist auch überproportional gut bewacht. Hier hilft ein kleiner Requisitentrick. Behaupte zuerst diskret, du müsstest dem DJ (du musst seinen Zivilnamen wissen!) noch unbedingt diesen USB-Stick oder jene Drogen bringen, sonst kippt der Gig. Alternativ auch Stimmgeräte für die Band, Angostura für den Barkeeper oder Tampons für die Ballmutter vorweisen. Bei Zweifeln laut werden. Je peinlicher und dringender deine Requisite ist, umso eher wird dich der Wächter durchwinken.

Der Blogger

Fuchtle beim Eingang mit deinem iPhone rum und behaupte, du wärst ein aufstrebender Modeblogger. Fotografiere ausgesuchte Gäste und lobe ihren Geschmack, erkundige dich nach dem Modelabel und mach dir eifrig Notizen zu Accessoires. Mit ein wenig Glück kannst du einen entsprechend vermögenden, einflussreichen und geschmeichelten Gast gleich begleiten. Wenn der Charme dafür nicht ausreicht, bitte den Wächter um einen temporären Platz hinter der Absperrung für eine bessere Perspektive und hau bei der erstbesten unbeobachteten Gelegenheit ins Gebäudeinnere ab.

Fotos @ Getty