Essen

Diese Woche lieben wir: Salat ohne Salat

Sarah Wetzlmayr

Das Blatt hat sich endlich gewendet – und der Salat nun endgültig das Salatblatt überwunden.

Es gab eine Zeit, im Kindergarten und leider auch noch darüber hinaus, da war dieser grüne Haufen neben den Eiernockerln das sprichwörtliche notwendige Übel. Von dem einem auch ab und zu wirklich übel wurde. Das merkte man jedenfalls gut und gerne mal gegenüber der Kindergartentante an, um sich, mit der Grazie einer Blattlaus, aus der Salat-Ess-Situation zu winden. Meist vergeblich. Vergeblich waren allerdings auch die Mühen der Rechtfertigung von Häuptel-, Blatt- und Eisbergsalat, die meistens in einem verzweifelt klingenden und wenig überzeugenden „Salat g’hört halt einfach dazu“ mündeten. Jede W-Frage zwecklos. Hier handelte es sich um ein Absolutum. In hartnäckigeren Fällen folgten daraufhin noch einige verzweifelte Versuche der reflexiven, kindlichen Auseinandersetzung mit dem grünen Haufen – Maltherapie, Theatertherapie, Meditation – in der kläglichen Hoffnung, dass das Salatblatt sich doch noch wenden würde.

Der wirkliche Wendepunkt fand aber erst später statt. In der Pubertät, jener rebellischen Lebensphase, in der man plötzlich beschließt sich sein Gewand selber zu kaufen, Deo zu verwenden und das Gefühl echter Entscheidungsgewalt über seine eigene Nahrungszufuhr zu haben (Ausnahme: Verkaterte Sonntage, an denen man sich plötzlich über Essensvorschriften  und vorgesetzte Speisen freut). Nichts einfacher als – abseits des Fußballplatzes – jegliches Grün aus dem Leben zu kicken. Salatköpfe rollten und es war ein Heidenspaß. Dann wird man plötzlich erwachsen und hat Geld und einen Garten – oder Freunde, die Zweiteres und Dritteres besitzen –  und Grillparties werden plötzlich ein reales, wie auch kulinarisch und gesellschaftlich bedeutsames Thema. Die Freundin findet es „ur heiß“ und will deshalb einen Salat mitnehmen, zur Party jenes Geld-und-Garten-Freundes.

Doch dieses Stichwort, das dich früher in eine Horrorvision aus Kindergarten-Kantinen-Geruch, dem fahlen Geschmack eines Salatblatts, wie auch dem Gefühl, dass die Spuckemenge in deinem Mund nicht ausreicht dieses adäquat zu verarbeiten, brachte, trägt mittlerweile einen kernölfarbenen Hoffnungsschimmer. Wir scheinen uns nämlich in jener kulinarischen Ära zu befinden, in der Salat endlich den Salat überwunden hat. Die beliebtesten Salate sind jene, die als in einer Schüssel zubereiteter Burrito daherkommen und mit dem verhassten Kindergarten-Salat genauso viel zu tun haben, wie deine Fähigkeiten ihn zuzubereiten mit der im Duden festgelegten Definition von „kochen“. Nie war es einfacher, sich mit der „leichten Sommerküche“ auszusöhnen. Nachos, Käse, angebratenes Faschiertes, Nudeln, Brot und Bratwürstel – seit geraumer Zeit ist schon Tag der offenen Tür in der Salatküche.

Ein paar Salatrezepte, für deinen Salat 2.0, haben die Kollegen bei der SZ hier zusammengestellt.

 

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