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WIENER Test: FKK-Strände in Wien

Jö, schau! Wo alte Männer ungeniert dem Sacklängenvergleich frönen dürfen und Frauen definitiv keine Bikinifigur brauchen. Der WIENER hat sich ganz genau umgesehen.

Text: Günther Kralicek / Fotos: Maximilian Lottmann (Header), Arthur Michalek (Strände)

Ich muss vorausschicken: FKK ist nicht meine Partei. Ich geh auch nicht in die Sauna. Nackte, schwitzende Leiber von Menschen, die meine Trafikanten oder meine Steuerberaterinnen sein könnten – wer braucht so was??  Dieser Auftrag kostete mich also einiges an Überwindung – aber was tut man nicht alles für guten, unverhüllten Journalismus. Was mich an der Aufgabe interessiert hat, waren die nackten Fakten. Wo gibt es die schönsten Paradiese für Adam und Eva? Was sind das für Leute, die keinen Genierer kennen, so als hätten sie vom Baum der Erkenntnis („Wie schaut’n der aus??“) niemals gegessen?


Ich war um höchste Objektivität ­bemüht. Die Recherche erfolgte dann auch völlig emotions- und ­erektionslos (auch das ein untrüg­liches Zeichen von Qualitätsjournalismus). War gar nicht so schwierig. Es setzt ja sofort eine gewisse Reizüberflutung ein, wenn plötzlich so viele Menschen unbekleidet nebeneinander abhängen. Endlich ist der Bubentraum vom Röntgenblick wahr geworden – und dann ist das Ganze total unsexy.

Lag vielleicht auch am Publikum. Männer sind nämlich überall in der Überzahl. In manchen Teil­abschnitten bleiben die Herren der Schöpfung überhaupt ganz unter sich. Aber um allen Spannern gleich den Druck aus der Hose zu nehmen: Vergleichbare, frei zugängliche Lesbierinnen-Strände finden sich nirgendwo! Wenn Frauen ein ­Sonnenbad unter ihresgleichen nehmen wollen, müssen sie Eintritt zahlen. In einigen wenigen Frei­bädern gibt es noch separierte Bereiche dafür.

Pack die Badehose nicht ein! Trotz der lockeren Kleidervorschriften gelten beim FKK doch ­einige Grundregeln. Die wichtigste: Tu alles genau so, wie du es an ­jedem anderen Strand auch machen würdest. Bier trinken, Kreuzworträtsel lösen, Sandburgen bauen, Arschbombe etc. Dazu gibt’s ein paar ganz konkrete No-Gos. Filmen und Starren gehören dazu. Respektabstand bei der Platzwahl, und wenn es zum ungezwungenen Small Talk mit Mitbadenden kommt: Augenkontakt halten!

Der Test: Naturerlebnis, Ambiente und Infrastruktur waren die Hauptkriterien bei der Gesamtbewertung der vorgestellten FKK-Gebiete. Unterm Strich stehen diesmal gleich vier Testsieger – mit vielen Plus- und wenigen Minuspunkten: Die sehr charmante Dechantlacke stößt z.B. bald an ihre Kapazitätsgrenzen – das kann auf dem Donauinsel-Südzipfel nicht passieren, außerdem gibt’s Gastro vor Ort. Gänsehäufel und Greifenstein wiederum punkten mit idyllischer Familienfreundlichkeit. Der WIENER-FKK-Test erfolgte anonym und frei von jeglicher Bekleidung.

 

Dechantlacke

Herrliches Plätzchen in der urzeitlich anmutenden Vegetation der Lobau,  Freitag und Robinson lassen grüßen. Die Saison ist jung, noch finden sich freie Plätzchen. Im Hochsommer kann’s hier schon mal eng werden, weil das hier längst kein Geheimtipp mehr für (Halb-)Nacktbader ist.
Anreise: Mit Auto oder Bus 91A (Haltestelle Roter Hiasl) zum Nationalparkhaus (Parkplatz), weiter zu Fuß ca. 700 m geradeaus in den Park, links liegt die Lacke. Oder über den Biberhaufenweg (beim Schild „Knusperhaus“) die Luitpold-Stern-Gasse rein (kleiner Parkplatz), ca. 250 m Fußmarsch durch den Urwald, die erste Abzweigung rechts. Perfekt auch für eine Radtour, aber Vorsicht: Verirrungsgefahr!
Natur & Infrastruktur: Geschickte Hände haben da und dort Wetterschutzwände  (Stammplatz-Markierungen?) aus dicken Ästen gezimmert. Ansonsten Natur pur. Kein WC, kaum Mistkübel. Steinstrand und kleinere Liegewiesen. Auf der (nachmittäglichen) Sonnenseite ist der kleine See frei von Treibgut. Das Wasser ist frisch und erfrischend.
Publikum: Für FKK-Verhältnisse eher niedriger Altersschnitt. Leichter Männerüberschuss (Typ: ehemaliges Bandmitglied aus dem Austropop-Universum). Am Campingtisch eine nackte Würfel(strip?)pokerrunde. Ein Bursche zieht auf der über Wasser gespannten Slackline unermüdlich seine Show ab. Er trägt Badehose – und ist damit nicht der einzige. Überhaupt, alles ganz zwanglos („Griaß eich!“). Rund um den freundlich grüßenden Herrn in der Hängematte riecht’s verdächtig nach Gras.
Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

Donauinsel Süd

Am Südzipfel der Donauinsel (zwischen km 2 und 5,1) erstrecken sich kilometerweite Strände fürs nackte Gratis-Badevergnügen. Irgendwo findet man hier bestimmt ein freies Plätzchen auf den schiefen Liegewiesenstreifen am Ufer.  Entweder hüben auf der Insel oder  drüben, auf Lobau-Seite.
Anreise: Die unendlich lange Raffineriestraße bietet fast durchgehend Parkplätze, gleich daneben fließt die Neue Donau, FKK beginnt etwa auf Höhe Panozzalacke.  Bus 91A od. 92B (Haltestelle Lobgrundstraße). Rad: über die Donauinsel in Fluss-
richtung, bis man auf Menschen ohne Hüllen trifft.
Natur & Infrastruktur: Öffi-WCs und einige Imbisshütten, fast alle auf Festlandseite, einige haben noch zu. Im „Zur Kurv’n“ auf Höhe der ehemaligen Villa Wahnsinn schau ich auf einen Kaffee vorbei (empfehlenswert: das Flaschenbier). Alle Gäste sind bekleidet. Da unten ist auch gleich die grottenschiache Walulisobrücke für Fußgänger und Radler, die die Lobau-Seite mit der Donauinsel verbindet. Das Wasser ist jetzt noch (Mitte Mai) saukalt.
Publikum: Verstreute Gruppen, tw. in Koloniegröße, da und dort poppen vereinzelte Nudisten aus dem hohen Gras (manchmal auch Schilf) auf. Überwiegend ältere Semester, die wohl öfter hierherkommen. Nicht nur zum Baden und Braten, sondern auch, um unter hohen schattigen Bäumen bunte Blumenbeete anzulegen. Lieb. Nackt-Quote ca. 70 %, Radler und Skater senken den Schnitt. Am anderen Inselufer (Donauseite) ist bis auf einen herum­streunenden 60-Jährigen im Stringtanga nicht viel los.
Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

Donauinsel Nord

Auch am nördlichen Ende der Donauinsel wird der Oberkörper frei gemacht – und nicht nur der. Der Nudistenandrang ist hier allerdings deutlich geringer als im Süden. Nicht überall ist zu bemerken, dass man sich eigentlich auf FKK-Gebiet befindet.
Anreise: Am besten mit dem Fahrrad! Im Auto bis Ende Überfuhrstraße, parken im Gasslwerk der Kleinhaussiedlungen, oder Bus 34A (Station Jedlesee, Überfuhrstraße). Dann zu Fuß über die Jedleseer Brücke, auf Inselseite beginnt gleich rechts der FKK-Bereich (km 17,7 bis 19,5).
Natur & Infrastruktur: Außer den inseltypischen Betonmistkübeln keine Ausstattung (Öffi-WC, Dusche und Lokal „Schilfhütte“ auf Festlandseite bei der Brücke, das ist aber außerhalb der FKK-Zone). Am Westufer („normale“ Donau) immer wieder schöne kleine Strände mit Abendsonne, Flusssand und Blick auf Nussdorf. Am Ostufer (Neue Donau) schräge Liegewiesen mit massig viel Platz. Der Wasserzugang ist hier nicht ganz so ideal (steil, große Steine).
Publikum: Gemischt. Viele Radler, die sich spontan (?) ins Gras und/oder ins Wasser schmeißen. Die Wiese da gemäht, dort stehen gelassen. Viel Textil (ca. 90 %), ein Typ trägt sein Prachtstück, verpackt in einem frech geschnittenen Futteral aus gelbem Stoff, zur Schau. Je weiter nördlich, desto hüllenloser. Als wir ca. bei km 18,5 vom West- ans Ostufer wechseln wollen, stoßen wir im trennenden Gebüsch auf keine einzige Frau, stattdessen auf dutzendweise nackte Männer, teils auf den Picknicktischen drapiert. Schnell weitergehen.
Bewertung: 3 von 5 Punkten

 

Wienerberg

Das grüne Erholungsgebiet in Favoriten ist ein wunderbares Fleckchen Erde. Fast so eine Art Urwald inmitten der Stadt. Da drin befindet sich auch der Wienerbergteich mit zwei größeren Liegewiesen fürs Sonnen und Baden. Auch Nudisten sind auf einer der
Uferseiten geduldet.
Anreise: Im Wohngebiet rund um das grüne Karree findet sich schon irgendwo ein Parkplatz. Mehrere Öffis fahren hier rum (1, 67, 15A, 16A, 65A, 7A, 7B). Danach ist ein kürzerer Spaziergang nötig, der Teich liegt ziemlich genau in der Mitte
der Grünfläche.
Natur & Infrastruktur: Zwei größere Textil- Liegewiesen am Nord- und am Südstrand. Auf der Westseite des Teiches liegt die FKK-Lichtung. Entlang des Weges rund ums Wasser findet sich auch noch manch kleine Bucht, in der sich Hosenlose niedergelassen haben. Das stehende Gewässer (Anfang Juni) bereits etwas trüb. Ein Getränkeverkäufer mit räudigem Kühlboxtrolly zieht seine Runden (Cola, Fanta, Red Bull). Mist kann man in Kübeln deponieren.
Publikum: Mindestens 80 % männliche Nackt(sonnen)badende. Auf der kleinen FKK-Wiese herrscht viel dichteres Beisammensein als auf den bekleideten Stränden. Total entblößte Körper dicht an dicht, fast wie in der Sauna. Nicht mein Ding, nicht mein Ufer. Man könnte sich eine der kleinen, teilweise ganz hübschen Buchten kapern – es fühlt sich aber irgendwie komisch an, da so knapp am Trampelpfad rund um den See, der von Spazier­gängern, Hunden und einigen Anglern benutzt wird, nackert in der Gegend
herumzusitzen.
Bewertung: 2 von 5 Punkten

 

Gänsehäufel

Die alte Dame unter den Strandbädern kann schon echt was. Jede Menge Retro-Charme, das Rote Wien at it’s best. Auf der gigantischen Badeinsel in der Alten Donau kann man einen ganzen Tag lang Urlaub machen. Mit Minigolfen, Klettern, Jausnen – und Baden natürlich. Plus oder minus Badehose.
Anreise: U1 Kaisermühlen (Bus-Shuttle) bzw. Bus 90A (Schüttauplatz). 600 Parkplätze auf der Insel, mehr am und rund um den Schüttauplatz. Die zwei Eingänge in den FKK-Bereich findet man leicht auf dem Lageplan kurz nach der Kassa (Eintritt 5,50 Euro; ab 13 Uhr: 4,30 Euro).
Natur & Infrastruktur: Alle Annehmlichkeiten eines öffentlichen Schwimmbades. Im FKK-Bereich ein Buffet für den großen
und kleinen Hunger bzw. Durst. Viele tragen im Gastgarten Textil – aber nicht alle („Bitte bei Tisch Handtuch unterlegen“).
Da drüben sitzt Bruno Kreisky, nackt! Oder jemand, der ihm sehr ähnlich sieht. Insgesamt mehr Ruhe & Raum hier als im
„normalen“ Gänsehäufel. Große, weiche Liegewiese, die in sanften Kiesstrand übergeht. Jede Menge Schatten unter hohen Pappeln. Sonnen-Pritschen. Schwimmen nur bis zur Grenze, weil: Kollisionsgefahr mit den Stehpaddlern und Ruderbootfahrern. 20 Grad Wassertemperatur, die sich kälter anfühlen.
Publikum: Mixed Pickles – Familien, Pärchen, Pensionisten. Auch hier wieder ein leichter Männer-Überschuss. Alles sehr familiär. Am Beachvolley-Platz hüpfen die prim- und sekundären Geschlechtsmerkmale auf und nieder, dass es eine Freude ist. Oder hat wer Lust auf eine Partie FKK-Tischtennis?
Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

Greifenstein

Der Badeplatz an einem Altarm der Donau ist weit über die regionalen Grenzen bekannt und auch für viele Wiener ein beliebtes Ausflugsziel. Hier dürfen auch Hunde und Nackte ins Wasser. Gratis. Das FKK-Gelände erstreckt sich fast über die gesamte Länge des nördlichen Altarm-Ufers (gegenüber Hauptstrand).
Anreise: Ein Parkplatz beim Textilbadestrand (Abzweigung auf der Straße zw. Höflein und Greifenstein, grüner Pfeil „Donaualtarm“), ein zweiter Parkplatz auf der anderen Seite des Altarms am Rande von Altenberg, Nähe „Yachthafen“ (unmittelbar beim FKK-Gebiet, allerdings nicht ganz leicht zu finden). Bahnhof Greifenstein-Altenberg (Schnellbahn S40). Liegt direkt am Donauradweg.
Natur & Infrastruktur: Auf einem breiten Waldweg führen alle paar Meter kleine Pfade durch dichtes Dickicht in kleine Buchten direkt am Wasser. Die meisten davon sind so klein, dass nur 2 bis 3 Personen Platz finden. Da bleibt man dann unter sich, mit Blick auf Burg und Kirche. Am Nachmittag liegt hier vieles im Schatten und im Hochsommer soll’s vorkommen, dass ALLE Buchten belegt sind. Beim ehem. Gasthaus „Jarosch“ (irre: Pfaue klettern am Balkon herum, ein offener Frachtcontainer mit Getränkeautomat und Bücherregal sorgt für Minimalversorgung) gibt’s noch eine mittelgroße FKK-Wiese. Öffentliche Einrichtungen und Imbiss/Lokale am „offiziellen“ Strand, in Spaziernähe.
Publikum: Gemischt & gemütlich. Alles recht familiär. Immer wieder „verirren“ sich Tretboote in die Nähe der Freikörper-Buchten.
Bewertung: 4 von 5 Punkten