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Im neuen Wiener Club „Horst“: Hier bewegt sich was

Sarah Wetzlmayr

Bei Zwischennutzung denkt man normalerweise an Pop-Up Stores für Töpferwaren oder glutenfreie Muffins. Nicht so sehr an Clubkultur. Wir denken an Horst.

Wir waren bei der Opening Night dieses neuen Clubs, mit dem eigentlich wenig gefälligem Namen Horst. Einfach weil er da und neu war – wie die aktuelle Limited Edition von Ritter Sport – und weil er, als Zwischennutzungsprojekt, auf bestimmte Zeit in dieser Stadt bleiben wird. Auch hier ähnlich der Ritter Sport, die gerade am Schreibtisch neben uns liegt und auf der fett Limited Edition zu lesen ist. Der Name des Clubs ist schon ein bisschen ein Problem. Vergleicht man ihn mit klingenden Clubnamen dieser Stadt, wie „Grelle Forelle“, wird es dem Horst schon ein wenig schwer fallen. Aber damit war auch zu rechnen, es gibt schließlich auch kaum jemanden mit dem Namen Horst, der in der Schule nicht hemmungslos verarscht wurde. Aber lassen wir das mal beiseite – wir tanzen ja nicht den Namen des Clubs, wie pubertierende Waldorf Schüler, sondern wir tanzen im Club. Im besten Fall. Im blöderen Fall in der Schlange draußen, die nach Mitternacht schon zu einer ordentlichen Menschenmasse anwächst. Aber es ist auch Opening Night – da darf das alles ruhig ein wenig chaotisch und wild sein. Wirklich wild ist drinnen nämlich eh eher nix. Ein recht bunter Mischmasch aus zugekleisterten Mit-40ern und jungen Leuten aus dem undergroundigeren Eck, die sich das einfach mal nur anschauen wollten, bewegt sich recht anständig tanzend auf den beiden Floors. Auf dem einen, kleineren, ist es eher ur heiß, da schmilzt der Kleister von den Gesichtern, am anderen schmilzt der Bass ein wenig zu undifferenziertem Gewummer zusammen. Aber es ist auch Opening Night. Die prinzipielle Skepsis vor Clubs mit VIP-Area, in der Leute ganze Flaschen bestellen können, hat sich auch nach dieser Nacht gehalten. Aber auch wenn einem das doch zu einer recht hohen Prozentzahl Ralph Lauren tragende Publikum nicht taugt, die Größe des Clubs ist schon einigermaßen beeindruckend und erinnert an große europäische Clubs wie das Londoner Fabric. Ins Horst sollte man gehen, wenn man auf gepflegte Menschen, gepflegten Techno und Limited Editions steht. Ein Club für Freunde des gepflegten Fortgehens halt. Und damit meinen wir nicht duschen und (möglicherweise) Haare waschen, sondern ein bisschen mehr. Aber eigentlich erwartet man sich von einem Club in dieser Lage auch ungefähr das. Vielleicht hätte dem Laden ein wenig mehr Edge und eine ganz kleine Dosis an coolem Ranz ganz gut getan, doch er macht es mit Größe (und Balkon) wieder irgendwie wett. Für den Moment halt. Aber für den leben wir – als wilde, partyhungrige Crowd ja auch. Oder so.

Fotos © Claudio Farkasch / Lichtschalter