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Games: „Monster Hunter: World“ – Jagdsaison

Selten bringt ein Spieltitel Konzept, Gameplay und Gegner so genau auf den Punkt wie die mittlerweile schon über zehn Jahre alte und – Spin-offs eingerechnet – ein Dutzend Releases schwere Serie „Monster Hunter“. Dennoch gibt es zum aktuellen Titel „Monster Hunter: World“ einiges zu erzählen.

Text: Markus Höller

Erst mal die Handlung: Wie schon so oft ist man als hauptberuflicher Jäger von einem Forschungsinstitut beauftragt, diverse wild-lebende Monster zu erlegen oder einzufangen. Ende der Geschichte. Man verfügt über keine besonderen Spielerklassen oder sonstigen Finkeleien, sondern sucht sich eine grundsätzliche Waffenklasse und rüstet diese im Spielverlauf immer weiter auf, entweder mit gefundenem Zaster oder den Überresten der besiegten ­Monster. Denn nur mit besserer Ausrüstung ist es möglich, die graduell größeren und wehr­hafteren Monster im weiteren Spielverlauf zu schlagen. Ganz klassisches Oldschool-„Looten und Leveln“, wie das Neudeutsch heißt, also.

Monster jagen. Es ist viel zu tun. Foto: (c) Hersteller

Das klingt jetzt natürlich reichlich simpel. Ist es auch, aber die wahre Faszination von „Monster Hunter“ kam ja nie von der äußerst einfachen Handlung, sondern der Vielzahl an fantasievoll ausgedachten Monstern, ihren Eigenheiten und den dementsprechend immer unterschiedlichen Wegen, ihnen den Garaus zu machen. Das alleine würde aber keine 40 bis 50 Stunden Gameplay im Story-Modus füllen; selbst den ausdauerndsten Grindern wird das irgendwann doch zu öde. ­Daher haben sich die Entwickler von Capcom für „Monster Hunter: World“ ein paar völlig neue Features einfallen lassen, die echt Spaß machen.

Fantasievoll. Nicht nur Monster, sondern auch jede Menge NPGs. Foto: (c) Hersteller

Da wäre zuerst der schon im Titel hervorgekehrte Open-World-Ansatz. Im Gegensatz zu den früher von nervigen Ladescreens unterbrochenen Spielzonen handelt es sich jetzt um eine durchgehend verbundene Spielwelt. Zwar nach wie vor in ­Zonen unterteilt, aber prinzipiell kann jedes Monster hin, wo es will. Praktisch, wenn man einen Gegner in einen Hinterhalt locken will, um ein anderes Monster die Drecksarbeit erledigen zu lassen! Aufgepeppt wird das Ganze noch durch dynamische Wetter- und Tageszeit-Zyklen. Das klingt in Zeiten, wo eh jedes Open-World-Spiel darüber verfügt, nicht nach viel. Ist aber im Vergleich zu den doch schon sehr angestaubten Vorgängerversionen ein echter Meilenstein. Diverse Sidequests und ein modernes, zeitgemäßes Crafting-System verstehen sich hier ebenfalls von selbst. „Monster Hunter“ ist somit also keine Neuerfindung des Rades, markiert aber die Ankunft eines sehr beliebten, alteingesessenen Franchise im Jahr 2018. Und auf den entsprechenden Plattformen.

Work it. Handel treiben. Foto: (c) Hersteller

Das bedeutet erfreulicherweise auch volle Unterstützung für 4K auf PS4 Pro, Xbox One X und PC. Eine Feuertaufe für die Capcom-eigene Engine MT Framework, die zwar in der Vergangenheit schon in diversen „Resident Evil“- und „Devil May Cry“-Teilen überzeugte, aber eben noch nie in 4K HDR. Speziell die vielen organischen Umgebungen voll mit diversem Gekreuch und Gefleuch abseits der Monster sowie die detaillierte Botanik lassen immer wieder das schön-schaurige Jurassic-Park-Feeling aufkommen, oder auch die Stimmung der diversen King- Kong-Verfilmungen. Man ist als neugieriger Spieler gut beraten, hier nicht nur mit der Waffe im Anschlag im Akkord die Big Boys zu suchen und dahinzumetzeln. Auch ein wenig herumzuflanieren und im Unterholz zu stöbern kann sich nicht nur punkto Loot, sondern auch für ein paar wirklich schöne Erinnerungs-Screenshots lohnen. Die teilweise vorhandene Möglichkeit, auch die Umgebung zu manipulieren, sollte besonders ehrgeizige Sammler von versteckten Schätzen und Secret Areas auch lange motivieren. Leider sucht man eine spezielle Kamera-Option, wie sie aktuell bei der „Uncharted“-Reihe oder auch „Horizon Zero Dawn“ integriert wurde, vergeblich.

Eye Candy. Bei manchen Monstern ist es fast schade um sie. Foto: (c) Hersteller

Ein dafür umso praktischeres neues Feature ist die Möglichkeit des Online-Drop-In-Multiplayer. Hinter diesem geschraubten Begriff verbirgt sich nichts anderes als die Möglichkeit, mittels SOS-Signalfackel (sehr schöne Idee!) via weltweitem Server online um Unterstützung zu bitten, wenn man sich selbst bei einer Monster- Konfrontation ein wenig überschätzt hat. So können ohne Unterbrechung mitten im Spiel in Echtzeit bis zu drei andere Spieler aus allen Ecken der Welt zu Hilfe eilen, um in höchster Not den Sack doch noch zuzumachen.

Weidmannsheil! In einer völlig neuen Welt geht es wieder zur Jagd. Foto: (c) Hersteller

Profitipp: Es empfiehlt sich für nicht so behände Spieler, die eigenen Spielzeiten und die Serververbindung so weit zu optimieren, dass im Fall der Fälle gerade möglichst viele der Über-Zocker in Asien online sind. Wenn die Kavallerie aus Korea oder Japan anrückt, geht es großen Gegnern nämlich ziemlich drastisch ans bunte Leder. Multiplayer beschränkt sich aber nicht nur auf diese Option, auch sämtliche gängigen Möglichkeiten von MMOGs, wie zum Beispiel regionale Squads, sind da. „Monster Hunter: World“ ist aber nicht Cross-Plattform-fähig und erfordert bei den Konsolen die Mitgliedschaft bei PlayStation Network oder Xbox Live. Dafür muss man die Entscheidung von Producer Ryozo ­Tsujimoto begrüßen, gänzlich auf Mikrotrans­aktionen zu verzichten. Ein nach dem Fiasko von EA mit „Star Wars: Battlefront II“ durchaus richtiger und wichtiger Schritt.

Wer also ein gutes Hack’n’Slash-Abenteuer der alten Schule sucht, um sich am Ende des Tages bei einem Feierabend-Bierchen ein wenig zu entspannen, indem man ein paar zähen Biestern das Fell/den Panzer/das Schuppenkleid über die Ohren zieht, liegt hier goldrichtig. Intellektuell anspruchslos, dafür aber visuell opulent und immer wieder herausfordernd (freilich bei Weitem nicht so anstrengend wie „Dark Souls“) kann man das Spiel als Casual Gamer häppchenweise oder auch als motivierter Grinder ganze Nächte durch vorantreiben. Ein idealer Prolog im noch jungen Jahr 2018, das uns noch viele weitere ganz große Open-World-Games bringen wird!

Infoporn Monster Hunter: World
Entwickler: Capcom Publisher: Capcom Erschienen für: PS4, Xbox, Windows
Spieler: Singleplayer, Multiplayer
Engine: MT Framework