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Wie viele Sexpartner hattest du? Und was sagt das über dich?

Manfred Sax

Eines gleich vorneweg: Viele Sexpartner machen den Mann ebenso wenig zum Hecht wie die Frau zur Schlampe. Der Rest ist wissenschaftlich untermauert: 5 Fakten zur Zahl deiner Lover.

Zunächst ein Überblick: Unser Sexualverhalten ändert sich von einer Generation zur nächsten. Laut der größten verfügbaren Studie zum Thema (1) war die Zwischenkriegsgeneration (in der Grafik unten: Grand Generation) quantitativ genügsam (3 Partner) und hob die 40er Jahre-Generation (Grafik: Silent Generation) ein wenig ab (5 Partner). Mit den Baby Boomers (11 Partner) und der Generation X (10 Partner) wurde es zweistellig, während die Millennials (oder Generation Tinder) trotz der online-Möglichkeiten den sexuellen Hunger wieder reduzierten (8 Partner). Und so sieht das dann also optisch aus:

Zahl der Partner im Lauf der Generationen; Grafik: San Diego State University.

Allerdings ist dieser Überblick, erstens, eine USA-lastige Angelegenheit, zweitens wird da nicht auf etwaige Unterschiede zwischen den Geschlechtern eingegangen. Um Letzteres hat sich die Forscherin Debby Herbenick (2) bemüht. Und aus einer Fülle von Information folgende fünf Fakten zur Zahl deiner Lover ermittelt. Here goes:


*Die Durchschnittszahl ist ein Mittelmaß. Es stimmt, dass Frauen und Männer heute mehr Sexpartner haben als früher. Aber sie leben auch wesentlich länger. Weiters gab und gibt es immer Leute (von Casanova bis Mick Jagger), die promisker unterwegs sind als der Rest und solche, die monogam bleiben. Dazwischen liegt das, was wir Durchschnitt nennen. In den Staaten, zum Beispiel, liegt dieser laut US Department of Health & Human Services  bei vier Sexpartnern für die Frau und sieben für den Mann. Aber nicht vergessen: Derlei Zahlen sind Mittelmaße, das heißt die Hälfte der Frauen und Männer hatten weniger, die andere Hälfte mehr Sexpartner.

*Zahlen sind relativ. Tatsache: Frauen geben in der Regel weniger Sexpartner an als sie hatten, Männer zumeist mehr. Die Gründe dafür mögen in dem damit verbundenen, nicht aus der Welt zu schaffenden Image liegen (promisker Mann = Hecht; promiske Frau = Schlampe). Möglich aber auch, dass Männer lediglich grob (über)schätzen, während Frauen einschlägige Abenteuer selektiv erinnern (z.B.: was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß).

59% der Männer und Frauen: Oralverkehr kein Sex

*„Sex“ ist für jede(n) was Anderes. Heißt es in einer berühmten Studie des Kinsey-Instituts. Demnach wird zwar vaginaler Geschlechtsverkehr generell als „Sex“ verbucht. Aber 59% der Männer und Frauen sehen Oralverkehr, 20% Analverkehr nicht als Sex. Bietet jemand also eine Zahl seiner/ihrer Sexpartner an, weiß man nie, was dazugezählt wurde und was nicht.

*Die Biologie redet mit. Man nehme die vorwöchige Studie über das, ja, Reismehlkäferweib. Ist etwa das Überleben einer Spezies in Gefahr, sorgen biologische Prozesse für Animationen Richtung multiple Sexpartner. Das gilt generell für Käfer und Vögel, und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass dies in unserer Spezies anders abläuft.

*Die Zahl der Sexpartner sagt nichts über Geschlechtskrankheiten. Es stimmt, dass sich die Chance einer Geschlechtskrankheit mit jedem Sexpartner vergrößert. Aber „viele Sexpartner“ bedeutet nicht, dass du eine STI (populär: Herpes, Chlamydien) hast und monogamer Lifestyle ebenso wenig, dass du keine kriegst.

Die Frage ist: Was besagen diese Fakten, wenn man sie aufs Fremdgehen bezieht? Die Antwort findest du im nächsten WIENER.

(1) San Diego State University, 33 000 Erwachsene, veröffentlicht in den Archives of Sexual Behavior

(2) Debby Herbenick, Kinsey Institute at Indiana University, Buch: Sex Made Easy: Your Awkward Questions Answered for Better, Smarter, Amazing Sex.

Foto: John Nakamura Remy, Lizenz: CC BY-SA 2.0