STIL

Halt mich fest!

Jakob Stantejsky

Ohne Band keine Uhr. Jedenfalls nicht am Handgelenk. Der WIENER zeigt Idealbeispiele für eine sehr symbiotische Beziehung.

Text: Philipp Pelz / Fotos: Hersteller

Manchmal beschleicht einen das Gefühl, die Designer hören beim Uhrband zu designen auf. Wichtig ist die Gestaltung des Gehäuses, des Zifferblatts, der Zeiger. Wie das Ganze dann am Handgelenk hält, scheint fast egal zu sein. Das birgt jedoch die Chance für den Träger, mit der Wahl seines Uhrbandes auf das Design der Uhr Einfluss zu nehmen, ihr den persönlichen Schliff zu verleihen. Das kann durchaus Spaß machen, experimentierend den Look zu formen und auch den Charakter des Produktes zu verändern. Wie wäre es mit einem kleinen Stilbruch? Etwa mit einem Nato-Band zur eleganten Anzugsuhr, statt des traditionellen Krokobandes. Doch manchmal macht es Sinn, die Profis ran zu lassen. Besonders dann, wenn das Band von Haus aus als integrativer, wesentlicher gestalterischer Bestandteil gesehen wird, als logische Fortsetzung des Gehäuses und des Zifferblatts. Bei den hier abgebildeten Modellen ist genau das perfekt gelungen. Oder?



Roger Dubuis holt aus seiner Excalibur Pirelli ICE ZERO 2 nicht nur gestaltungstechnisch so ziemlich alles raus. Auch technisch ist das extreme Teil der recht jungen Genfer Manufaktur ein richtiger Wunderwuzzi. Gleich zwei hochkomplizierte Tourbillons schwingen, koordiniert durch ein Differential, in höchster Präzision im mit Genfer Siegel geadelten, skelettierten Manufakturwerk. Extravagant geht es auch am Uhrband weiter. In Zusammenarbeit mit Pirelli entstand ein Kautschukband, welches mit Titan-Spikes ausgestattet nicht nur im Winter für Halt am Handgelenk sorgt.
Info unter www.rogerdubuis.com
Preis: Urviele Euro, oder Dollar, oder wurscht.


Ebenfalls aus Italien kommt das Design dieses Hinguckers. Doch auch wenn man noch so genau hinschaut, ist kein Markenlogo zu sehen. Kraft des ikonischen Designs, kann Panerai sich ein anonymisiertes Zifferblatt locker leisten. Dieses kommt besonders schick im legendären California-Stil daher, also mit teils römischen, teils arabischen Ziffern. Das DLC-beschichtete Titangehäuse in Luminor-Form sitzt martialisch auf einem breiten Manschettenband und schützt das hauseigene Handaufzugskaliber mit 8 Tagen Gangautonomie.
Info unter www.panerai.com
Preis 7.900 Euro


Nein, diese U-Boat U-42 Unicum des italienischen Designers Italo Fontana ist nicht unter die Räder gekommen. Vielmehr wird der „used-look“ des 50 mm breiten Titangehäuses und des künstlich gealterten Messingzifferblatts mit traditioneller Handarbeit erreicht. Ob das nun bedeutet, dass die Uhr per Hand in die Waschmaschine gesteckt wird, ist nicht bekannt. Interessant auch das außergewöhnliche Kalbslederband. Dieses wird mit Laser graviert und danach mit Wachs bearbeitet. Unauffällig geht auf jeden Fall anders.
Info unter www.uboatwatch.com
Preis 4.800 Euro


Als Musterbeispiel an Dezenz wird die Hublot Big Bang Unico King Gold Paraiba wahrscheinlich nicht in die Uhrengeschichte eingehen. Tatsächlich verlangen die 45 mm Durchmesser des Roségoldgehäuses nach einem stärkeren, wohl eher männlichen Pratzerl und die intensiv türkis leuchtenden und sehr seltenen Paraiba-Turmaline nach entsprechendem Selbstvertrauen. Zur „Mir is Wurscht“-Attitude passt das farblich auf die Steine abgestimmte, handgenähte Alligatorband. Das „Unico“ im Namen deutet auf das vorzügliche, im Haus entwickelte Chronographenwerk hin.
Info unter www.hublot.com
Preis 270.000 Euro


Der Montblanc TimeWalker Rally Timer Chronograph trägt seine eigentliche Bestimmung im Namen, kann diese aber auch optisch nicht verstecken. Hier ist alles auf das Messen von Zeit ausgelegt, auf den Einsatz im Automobilsport. Das taschenuhrgroße, 50 mm breite Titan-­Grade-2-Gehäuse beherbergt ein Monopusher Chrono-Kaliber. Der Clou daran: Nimmt man das markante, handgenähte Uhrband ab, kann der Stopper in einer Vorrichtung im Fahrzeug angebracht und vom Co-Piloten bedient werden.
Info unter www.montblanc.com
Preis 37.000 Euro