Motor

Im Himmel knapp über der Erde

Obwohl man im Maserati MC20 Cielo nur ein paar Zentimeter über dem Asphalt sitzt, kommen nur wenige moderne Sportwagen dem Himmel so nah wie der temperamentvolle italienische Roadster.

Text: Stefan Arnreiter / Fotos: Hersteller

Wer denkt, dass Maserati allmählich von der Bildfläche verschwindet und in den immer strenger werdenden Gesetzen und komplexen Konzerngefügen bei Stellanteis untergeht, der irrt gewaltig. Denn die Sportwagenmarke aus Modena holte in den letzten Jahren zum kräftigen Rundumschlag aus und landete gleich ein paar handfeste Volltreffer. Um die feinen, neuen Modelle standesgemäß zu präsentieren, luden die Italiener daher im Rahmen des prestigeträchtigen Rolex Monte Carlo Masters Tennisturniers zu einer Ausfahrt mit dem Super-Topmodell der Range. Oder eigentlich: Dem Topmodell des Topmodells der Marke.

Die Rede ist vom Maserati MC20 Cielo, der Beisatz steht italienisch für Himmel und verdeutlicht auf sympathisch-blümerante Art und Weise, dass es sich um die Roadster-Variante des fabelhaften MC20 handelt.

Die wunderschöne Karosserie aus Carbon zieht selbst im reizüberflutenden Monaco viele Blicke auf sich und signalisiert absolute Sportlichkeit, ohne dabei an Eleganz einzubüßen. Dass man hierbei auf opulentes Geflügel an der Karosserie verzichten kann, liegt tief im Verständnis der Marke für durchdachten High Tech: der Großteil des benötigten Abtriebes wird über den Unterboden generiert, weshalb man es sich puncto Design leisten kann, anstelle von großen Spoilers auf fließende Formen zu setzen. Die grazilen Schmetterlingstüren sind ein toller Party-Trick, sie unterstreichen die Exklusivität und geben Einblick in das Innenleben des Mittelmotor-Sportwagens. Dort trifft Carbon auf Alcantara, zwei digitale Displays versorgen die Insassen mit Anzeigen sowie Fahrzeuginformationen. Die Bedienung der Menüs im Touchdisplay ist zwar etwas mühselig (eh wie immer bei Touchscreens), doch dafür überzeugt die restliche Haptik und vor allem das Kampfjet-ähnliche Cockpit-Layout. Mit einem Druck auf den zentralen Startknopf erwacht der auf den Namen „Nettuno“ getaufte 3-Liter-V6-Bi-Turbo-Motor (den Maserati übrigens ganz konzernuntypisch in vollkommener Eigenregie entwickelt hat) zum Leben und meldet sich mit authentischer Klangkulisse zu Wort.

Das Wetter sowie das monegassische Flair verpflichten zum sofortigen Öffnen des Verdecks (obwohl, wir hätten die Dose auch bei 0 Grad und Regen aufgeschraubt …) und dem lokalen Größenwahn geschuldet, schalten wir den MC20 Cielo sofort in den Sport-Modus, versetzen so alle 630 PS in Alarmbereitschaft und öffnen die Klappen der Abgasanlage. Raus aus dem Hotel Metropol und direkt rauf auf die ikonischen Straßen Monte Carlos, die bereits für den Formel-1-Grand-Prix vorbereitet wurden. Auch wenn die Fahrt auf dem Stadtkurs seinen historischen Reiz hat, kommt der offene MC20 erst auf der Landstraße mit weniger Verkehr richtig zur Geltung. Das fein ausbalancierte Fahrwerk harmoniert perfekt mit der relativ leichtgängigen, aber dennoch präzisen Lenkung und verwandelt die kurvigen Straßen Südfrankreichs in ein Paradies. Trotz des blitzschnellen Getriebes, einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 2,9 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde, ist es die Ungezähmtheit, die den schnellsten Maserati gerade in der heutigen Zeit so besonders macht. Egal ob der kontrollierbare Traktionsverlust am Ausgang eines Kreisverkehrs oder das Pfeifen der Turbolader: Der MC20 Cielo lebt und überträgt seinen stürmischen Charakter bis in den Fahrersitz. Dazu kommt ein Gewicht von rund 1.500 Kilogramm, was im Zeitalter der Elektromobilität fast schon in die Kategorie Leichtbau fällt und dem Maserati noch mehr Suchtpotenzial einhaucht.

Auch der Grecale und der neue GranTurismo waren vor Ort, dass ihnen der MC20 völlig die Show stahl, ist klar. Erst wieder daheim gelandet kam, als uns die Untiefen des Alltags in all ihrer Banalität einholten, fragten wir uns nach dem Preis. Nun, wir wollten gleich wieder wegfliegen: 371.718 Euro werden hierzulande inklusive aller Abgaben aufgerufen. Und letztere machen da sicherlich den Löwenanteil aus …